Kitzingen
Vier Verletzte

Gefängisstrafe: Pfefferspray-Attacke trifft ein Baby

Ein Familienstreit eskaliert. Ein 62-Jähriger setzt Pfefferspray ein. Vor Gericht wurde klar: Für ein elf Monate altes Mädchen hätte die Attacke tödlich enden können.
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Eine Dose mit Pfefferspray. (Symbolbild)  Foto: Regina Vossenkaul

Das hätte schlimm enden können: Nach einer Auseinandersetzung mit Beleidigungen, Rangeleien und einem Faustschlag hat ein 62-Jähriger Pfefferspray in einer Wohnung eingesetzt. Vier Menschen hat er dabei verletzt. Dass darunter ein elf Monate altes Baby war, für das die Attacke tödlich hätte enden können, hat den vorbestraften Mann hinter Gitter gebracht.

Wegen gefährlicher Körperverletzung in vier Fällen und Beleidigung verurteilte die Strafrichterin am Amtsgericht in Kitzingen den von einem Minijob lebenden ehemaligen Lastwagenfahrer zu zwei Jahren und vier Monaten Freiheitsstrafe. Eine Aussetzung der Gefängnisstrafe zur Bewährung erübrigt sich bei Strafen über zwei Jahren.

Es waren nicht die ersten Probleme

Der Pfeffersprayeinsatz war der negative Höhepunkt einer jahrelangen Auseinandersetzung. Der 62-Jährige lebte zeitweise im Haushalt einer 57-Jährigen im Landkreis Kitzingen. Inzwischen hat man sich getrennt. Vorher gab es immer wieder Schwierigkeiten, vor allem mit der Tochter der Frau. Die ist längst ausgezogen, ist verheiratet und hat eine kleine Tochter. Das Verhältnis beschrieben beide Seiten als schlecht. "Die Abneigung ist offensichtlich, das ist allgemein bekannt", sagte der 62-Jährige.

Die Tochter sagte als Zeugin: "Es hat einen Grund, dass ich schon mit 17 ausgezogen bin." Der "Fast-Lebensgefährte" der Mutter bezeichnete die junge Familie immer wieder als "Erbschleicher, Schmarotzer und Nassauer". Die Familie mied Besuche. Im Februar 2019 hatte man beim Einkauf Waschmittel vergessen. Die Mutter sollte aushelfen. Das war der Anlass für den Streit, der in der Wohnung der Mutter eskalierte.

Schubsereien folgt ein Faustschlag ins Gesicht

Nach Beleidigungen gingen die zwei Männer aufeinander los. Es kam zu Schubsereien und einem Faustschlag ins Gesicht des 62-Jährigen. Ein Jochbeinbruch war die Folge. Dafür hat der Schwiegersohn eine Geldstrafe von 4800 Euro bekommen (120 Tagessätze zu 40 Euro).

Nach dem Schlag holte der Ältere das Pfefferspray und setzte es in der Wohnung ein. "Gefühlt zehn Mal" wurde der 23-Jährige nach eigenen Angaben erwischt, aber auch die Oma, die junge Mutter und das kleine Mädchen, das sie auf dem Arm hielt. "Ich hatte Angst, dass meine Tochter stirbt. Sie japste nur noch nach Luft", sagte die junge Frau. Das Baby wurde in die Kinderklinik gebracht und hatte Glück. Aber die Mutter erzählte auch: "Eine Ärztin hat gesagt, sie hätte sterben können, wenn das Spray in die Atemwege gekommen wäre."

"Pfefferspray gegen Babys, das geht gar nicht", sagte die Richterin. Warum der Einsatz, obwohl er wusste, dass ein kleines Kind da war? "Das war ein Fehler", räumte der Mann ein: "Was passiert ist, tut mir leid." Aber er sei geschlagen und gewürgt worden, habe fast nichts mehr gesehen, Angst gehabt und sich verteidigen wollen. Er versuchte immer wieder, sich als Opfer darzustellen. Auch von Beleidigungen wollte er nichts wissen. Es seien Wortgefechte gewesen.

Vorstrafenregister weist vier Einträge auf

Nach den Aussagen der Zeugen sahen das Staatsanwalt und Richterin anders. Für beide waren die Zeugen glaubwürdig. Die gefährliche Körperverletzung in vier Fällen sei ebenso erwiesen wie die Beleidigungen. Vor allem wegen des Angriffs auf das Baby schloss der Staatsanwalt einen minderschweren Fall aus. Unter Berücksichtigung der vier Einträge im Bundeszentralregister, alle wegen Beleidigung, und der offenen Bewährung kam er auf zwei Jahre und sechs Monate. Für die Verteidigerin waren die Zeugen "weder glaubwürdig noch glaubhaft". Die Beleidigungen waren für sie nicht erwiesen. Dem Sprayeinsatz seien Provokationen vorausgegangen. Ein Jahr und Bewährung hielt sie für angemessen.

Das Gericht lag mit seinem Urteil ganz nahe am Antrag des Staatsanwalts. Vier Opfer, eines davon ein Baby, dazu die Beleidigung, die Vorahndungen und die offene Bewährung machten am Ende: zwei Jahre, vier Monate und keine Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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