Kitzingen

Gefährliches Überholmanöver vor Weihnachten 2018 aufgearbeitet

Aus dem Gericht: Drei Schwerverletzte und Totalschaden an drei Autos gehen auf das Konto einer 66-jährigen Frau, die einen Unfall bei Marktsteft verursacht hatte.
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An einem frühen Samstagabend vor Weihnachten 2018 führte ein Überholmanöver zu einem schweren Verkehrsunfall bei Marktsteft. Die Fahrerin stand jetzt vor Gericht. Foto: Berthold Diem

Wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und Körperverletzung in vier Fällen hat das Amtsgericht eine 66-Jährige zu einer Geldstrafe von 2500 Euro und einem sechsmonatige Fahrverbot verurteilt. Die Frau hatte nach einem missglückten Überholmanöver einen Unfall mit drei Schwerverletzten verursacht. Dass es "nur" ein Fahrverbot wurde, hat sie dem Einspruch gegen einen Strafbefehl zu verdanken.

Nach dem Einspruch kam es zu der Verhandlung in Kitzingen. Das Ziel der Frau und ihres Anwalts: Den im Strafbefehl vorgesehenen Entzug der Fahrerlaubnis in ein Fahrverbot umwandeln. Wesentlicher Unterschied: Beim Fahrverbot kommt der Führerschein automatisch nach Ablauf der Sperre wieder zurück. Beim Entzug der Fahrerlaubnis muss die neu erteilt werden, was schwierig werden kann.

Was war vor einem Jahr passiert?

Der Unfall war unter der Überschrift "Überholmanöver missglückt: Unfall mit drei Schwerverletzten" im  Pressebericht zwei Tage vor Weihnachten 2018  beschrieben worden. Die Frau fuhr gegen 17 Uhr mit ihrem BMW auf der Staatsstraße 2271 von Marktbreit in Richtung Kitzingen. Etwa 400 Meter nach der Tankstelle bei Marktsteft setzte die Frau zum Überholen zweier Lastwagen an und übersah einen entgegenkommenden Toyota. Der 51-jährige Fahrer kollidierte mit dem Auto der Überholenden. Der Toyota-Fahrer wurde eingeklemmt und musste mit lebensgefährlichen Verletzungen von den Feuerwehren befreit werden. Ein dem Toyota folgender 55-jähriger VW-Fahrer konnte sein Auto nicht mehr zum Stehen bringen und fuhr in die Unfallstelle. Dabei verletzte sich die Beifahrerin schwer. Die Unfallverursacherin wurde bei dem Zusammenstoß ebenfalls verletzt.

Soweit der Unfallhergang, den sich die Frau auch fast ein Jahr danach nicht erklären kann. Sie war auf dem Weg von Ochsenfurt nach Kitzingen, um noch ein Weihnachtsgeschenk abzuholen.

Rätselhafter Überholvorgang

Auf einer Strecke, die die Richterin so beschrieb: "Entweder es ist Überholverbot – oder man sieht nichts." Warum sie dennoch überholt hat, ist ihr heute noch "rätselhaft" und eine Sache, die sie täglich verfolgt und die sie "tief bereut".  "Ich fahre seit über 40 Jahren Auto, habe noch nicht einen Strafzettel bekommen", sagte sie dem Gericht. Weil sie die Sache belastet, hat sie verkehrspsychologische Beratung gesucht.

Das waren alles Punkte, die gut ankamen. Dazu kam das von "Reue und Einsicht geprägte Geständnis", wie es der Verteidiger bezeichnete. Auf der anderen Seite standen das "rücksichtslose Verhalten" beim Überholen, die schweren Verletzungen und die hohen Schäden, die der Staatsanwalt zitierte. Das Ergebnis war eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 50 Euro. "Ich halte sie nicht für charakterlich ungeeignet, ein Fahrzeug zu führen", sagte die Richterin am Ende. Sie begründete damit, warum aus dem Entzug der Fahrerlaubnis ein sechsmonatiges Fahrverbot werden konnte. Damit konnten beide Seite leben. Das Urteil ist rechtskräftig.

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