Laden...
Kitzingen

Gedenkstunde mahnt zu Vernunft, Menschlichkeit und Toleranz

Zum 75. Mal jährte sich der Tag, als Bomber Kitzingen kurz vor Kriegsende in Schutt und Asche legten. OB Siegfried Müller erläuterte, weshalb Gedenken wichtiger denn je ist.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auch 75 Jahre nach dem schwärzesten Tag der Stadtgeschichte fanden viele Kitzinger den Weg zum Gedenken auf dem neuen Friedhof. Foto: Robert Haaß

Es ist ein Muss für jedes Kitzinger Ortsoberhaupt, das Totengedenken am Mahnmal auf dem neuen Friedhof anlässlich des Jahrestages des Bombenangriffs auf Kitzingen am 23. Februar 1945, kurz vor Kriegsende. Die Folgen für die Stadt und die Bevölkerung waren verheerend.

Nicht nur, weil es noch Zeitzeugen des Infernos vor 75 Jahren gibt. Nicht nur, weil es tiefe Wunden in der Stadt hinterlassen hat. Sondern auch, weil es die Gelegenheit ist, inne zu halten, nachzudenken und zu mahnen, die aktuelle Situation zu überdenken auch auch zu prüfen, was heute getan werden kann, um Derartiges zu verhindern.

Da sind die Schüler der D.-Paul-Eber-Schule, die trotz des schulfreien Sonntags den Weg auf den Friedhof gefunden haben, um ihre Gedanken zum 23. Februar auszusprechen. "Wir müssen alle kritisch sein, wie wir die Welt gestalten wollen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt", lautete ein mahnender Gedanke. Es ist aber auch der Appell an den Respekt gegenüber dem Mitmenschen und an Toleranz.

Angriff der Bomber dauerte gut eine Stunde

Und da ist Oberbürgermeister Siegfried Müller, der die sattsam bekannten, aber immer wieder erschütternden nüchternen Zahlen nennt: 174 Bomber in fünf Angriffswellen, die 2100 Sprengbomben abwarfen. Der Angriff dauerte nicht länger als 75 Minuten. Die Folgen: rund 700 Tote, 2000 zerstörte Wohnungen und 800 zerstörte Wohnhäuser.

"Die einen wurden von herabstürzenden Balken und Steinen erschlagen. Andere erstickten qualvoll unter Schutt und Staub, wieder andere, die den rettenden Schutzraum nicht mehr erreichen konnten, wurden durch die gewaltige Wucht der explodierenden Bomben an die Mauern der Häuser geschleudert und zerschmettert." Nur ein kleiner Ausschnitt der dann gar nicht mehr so nüchternen Realitäten, die Müller weit ausführlicher schilderte.

Müller mahnte dazu, auch wenn es eines Tages keine Zeitzeugen mehr gibt, "darf es keinen Schlussstrich mit der Erinnerung, Besinnung und Trauer geben". Gerade wenn die Zeugnisse der persönlichen Erfahrung schwinden, sind Tage und Orte des Gedenkens wichtig. "Denn nur die Erinnerung und das Verstehen der Geschichte erlaubt es uns, die Gegenwart zu meistern und die Zukunft zu gestalten", sagte der OB. Auch die Opfer des dunkelsten Tags der Stadtgeschichte wurden Opfer eines Krieges, "der wie jeder Krieg von Menschen vorbereitet, geplant, begonnen und von Menschen gegen Menschen geführt wurde" – auch weil politisch handelnde Menschen versagt haben.

Gedenken als Zeichen gegen das Vergessen und Gleichgültigkeit

"Deshalb", so Müller, "mahnen wir heute zur Vernunft, Toleranz und Menschlichkeit für eine friedliche Welt. Das heutige Gedenken ist ein Zeichen gegen das Vergessen und die Gleichgültigkeit."

Begleitet wurde die Veranstaltung  vom evangelischen Posaunenchor. Geistliche Worte sprach Dekanin Kerstin Baderschneider. Anlässlich des 75. Jahrestages zeigt die Stadt im Rathaus eine Ausstellung zum Thema "Inferno über Kitzingen" noch bis zum 20. März.