"Das hätte nicht passieren dürfen", erklärt die 18-jährige Gastgeberin der Feier. Und sie hat etwas aus dem Vorfall gelernt. Das nächste Mal will sie mehr darauf achten, wen sie einlädt.

Eigentlich wollte sie mit ihren Freunden einfach nur ganz normal ihren 18.Geburtstag feiern. Doch daraus wurde nichts. Der junge Mann, der jetzt auf der Angeklagebank sitzt, war Gast auf dieser Party und hatte schon eine Flasche Wodka und einige Flaschen Bier getrunken. "Ich mache gerade eine Ausbildung, aber wurde Hartz-IV-Empfänger genannt, das hat mich provoziert", erzählt der 20-Jährige. Er wollte denjenigen, der ihn so angesprochen hatte, zur Rede stellen. Bis hierhin sind sich alle Zeugen im Prozess über den Vorgang einig. Doch was dann passierte, ist unklar, denn es gibt mehrere Versionen.

Auf dem Schoß oder daneben gesessen?


"Ich habe mich neben ihn gesetzt, meinen Arm um ihn gelegt und wollte mit ihm reden", erzählt der Angeklagte. Doch reden wollte der Geschädigte nicht. "Der hat mich mit viel Kraft weggestoßen. Dadurch habe ich mich angegriffen gefühlt und ihm einen Schlag verpasst", vollendet der Angeklagte seine Version der Geschichte.
Der Geschädigte erinnert sich ganz anders: "Er war auf meinem Schoß gegessen und hat seinen Arm um mich gelegt. Ich habe zwei Mal gesagt, er soll verschwinden und dann hat er mir einfach so auf die Nase geschlagen."
Die Gastgeberin und eine weitere Zeugin können vor Gericht bestätigen, dass der Angeklagte neben dem Geschädigten saß. Den Schlag selber haben die beiden Mädchen nicht mitbekommen, nur die blutige Nase des Geschädigten hätten sie plötzlich gesehen. Eines ist sicher: Der Angeklagte hat den Geschädigten geschlagen und wurde deshalb von der Mutter der Gastgeberin rausgeworfen.

Aber damit war der Vorfall noch lange nicht vorbei. Der Bruder des Angeklagten hat schon mit dem Auto vor dem Haus gewartet. Der 20-Jährige war auch schon auf dem Weg dorthin, als er beleidigt wurde. "Verschwinde, du scheiß Russe", soll ihm irgendjemand nachgerufen haben. Der Mann sprang über den Gartenzaun und rannte auf die Mutter der Gastgeberin zu. Der Lebensgefährte der Mutter sei dazwischen gegangen und auch hier gibt es wieder mehrere Versionen, wie es weiterging.

Verschiedene Versionen


"Er wollte mich schlagen, hat mich aber verfehlt. Dann habe ich ihn in den Schwitzkasten genommen und zu Boden gebracht. Seine Lebensgefährtin hat mich geschlagen. Dann habe ich ihn wieder losgelassen", erzählt der Angeklagte. "Das war alles."

Doch mit dieser Version steht er vor Gericht alleine da. "Er hatte erst den Lebensgefährten meiner Mutter im Schwitzkasten, danach meine Mutter selbst und wollte sie schlagen. Ich wollte meine Mutter beschützen und habe auch einen Schlag abbekommen", erzählt die 18-jährige Gastgeberin. Dann sei sie mit einer blutigen Lippe zurück ins Haus gerannt.

Die Folgen der missglückten Geburtstagsparty sind beträchtlich: Der Lebensgefährte hat Schäden am Kreuzband und am Meniskus erlitten. "Ich war knapp sechs Monate berufsunfähig", sagt er. Schmerzensgeld hat er bisher allerdings noch nicht verlangt.

Bisher nicht auffällig geworden


Der Angeklagte ist strafrechtlich bisher noch nicht aufgefallen. "Ich habe ihn noch nie so erlebt. Es war alles normal und es gab noch nie Probleme mit ihm", erzählt die Gastgeberin. Der Alkohol hat an dem Abend wohl eine große Rolle gespielt.

Denn - wie sich später herausstellte - hatte der Angeklagte einen Alkoholwert von ungefähr zwei Promille. "Normalerweise trinke ich nur Bier. Ich habe überreagiert", sagt der 20-Jährige. Alles in allem ist es wirklich schlimm gewesen, aber er ist bisher noch überhaupt nicht aufgefallen", fasste Richter Wolfgang Hülle den Fall zusammen. Eintragungen im Bundeszentralregistert sind nicht vorhanden. Hülle schlug deshalb eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Auflage vor. "Es ist aber eine Kombination aus sozialen Hilfsdiensten und einer Geldauflage notwendig." Trotz starker Bedenken stimmte die Staatsanwaltschaft zu. Der 20-Jährige ist also gerade noch mal davon gekommen.