LANDKREIS KITZINGEN

Fürs grüne Licht sehen manche schwarz

Grünes Licht? Auf dem Autodach? Man sieht das Stirnrunzeln förmlich vor sich. Kreisbrandrat Roland Eckert hat von der Petition jedenfalls noch nie etwas gehört. Und der ehemalige Kitzinger Kommandant Engelbert Scherer fragt, ob heute schon der erste April sei.
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Erlaubt: Der gelbe Dachaufsetzer ist auf dem Weg zum Gerätehaus im Einsatz. Sonderrechte sind damit allerdings nicht verbunden. Foto: Foto: ralf dieter
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Grünes Licht? Auf dem Autodach? Man sieht das Stirnrunzeln förmlich vor sich. Kreisbrandrat Roland Eckert hat von der Petition jedenfalls noch nie etwas gehört. Und der ehemalige Kitzinger Kommandant Engelbert Scherer fragt, ob heute schon der erste April sei.

Was für manche wie ein Aprilscherz klingt, ist in Wahrheit eine Online-Petition, der bereits mehr als 20 000 Menschen zugestimmt haben. Dabei ist die Forderung nicht neu. Und das Problem dahinter erst recht nicht.

Rund 3600 Feuerwehrmänner und -frauen gibt es im Landkreis Kitzingen. Alle haben sie das gleiche Problem: Ertönt der Piepser, muss es schnell gehen. Rein ins Privatfahrzeug und ab in die Gerätehalle. Von dort geht es mit Blaulicht und Sirene zum Unfallort. Das rote Einsatzfahrzeug mit Blaulicht ist für alle anderen Verkehrsteilnehmer weder zu übersehen noch zu überhören. Das Privatauto schon. Und genau hier setzen die Befürworter der Petition an. Der Weg zur Gerätehalle würde ein Stück weit sicherer, die Distanz ein wenig schneller zurückgelegt werden.

Seit 18 Jahren ist Roland Eckert Kreisbrandrat. Er hat einiges erlebt in dieser Zeit. Auch deshalb ist er skeptisch, was die grünen Blinklichter auf den Privatautos von Feuerwehrmitgliedern angeht. „Ich kann den Wunsch verstehen, aber ich glaube nicht, dass die anderen Verkehrsteilnehmer tatsächlich darauf reagieren“, sagt er. Denn im Gegensatz zur Sondersignalanlage, mit der zum Beispiel sein Fahrzeug ausgestattet ist, würde beim grünen Blinklicht ein akustisches Warnsignal fehlen.

Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren haben in Deutschland bereits ab der Alarmierung ein Sonderrecht. Paragraph 35 der Straßenverkehrsordnung besagt, dass unter Umständen gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen werden darf. Allerdings darf dieses Sonderrecht „nur unter einer gebührenden Berücksichtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausgeübt werden“, wie es in dem Gesetzestext heißt.

Eckert drückt es einfacher aus: „Ein grünes Blinklicht würde die Einsatzkräfte auch nicht davor entbinden, gut aufzupassen.“ Alle Kommandanten würden ihren Einsatzkräften schon jetzt einimpfen, trotz der Brisanz umsichtig zu fahren, um ohne Unfall am Gerätehaus anzukommen.

Gefährliche Fahrten zum Einsatzort hat Eckert schon häufig erlebt. Ob mit oder ohne Signal. Gerade auf viel befahrenen Bundesstraßen ist große Vorsicht angebracht. Ein grünes Blinklicht würde, wenn überhaupt, im Stadtgebiet Sinn machen – wenn mehrere Ampeln zwischen dem Wohnort und dem Feuerwehrhaus liegen.

„Das würde nur zu einer Reizüberflutung der Verkehrsteilnehmer führen“
Markus Ungerer Kommandant Kitzingen

Markus Ungerer ist der Kommandant der Feuerwehr in Kitzingen. Natürlich ist er daran interessiert, dass seine Einsatzkräfte schnell zur Gerätehalle kommen. Dennoch hält er wenig von einem grünen Blinklicht. „Das würde nur zu einer Reizüberflutung der Verkehrsteilnehmer führen“, argumentiert er. Ungerers plastisches Beispiel: 30 bis 40 Kollegen fahren bei einem Vollalarm mit Grünlicht Richtung Landwehrstraße. „An der Kreuzung Falterstraße würde kein Mensch mehr durchblicken.“ Ungerer sieht keinen großen Nutzen in einem grünen Blinklicht und warnt vor einer steigenden Unfallgefahr. „Bei Blaulichteinsätzen ist die Unfallgefahr jedenfalls acht Mal höher als normal“, sagt er. Auf ein grünes Licht müssten sich die Verkehrsteilnehmer auch erst einmal einstellen.

In vielen Fällen helfen sich die Feuerwehrleute schon jetzt mit einem Dachaufsetzer. Die Kitzinger Einsatzkräfte haben alle diesen gelben Aufsetzer mit dem schwarzem Schriftzug. Doch der wird von anderen Verkehrsteilnehmer in der Regel erst recht nicht wahrgenommen. „Manche Autofahrer wissen Bescheid, andere sehen ihn gar nicht und viele wissen gar nicht, um was es gerade geht“, vermutet der Kitzinger Kommandant.

Roland Eckert ist überzeugt, dass nur die Kombination aus Blinklicht und akustischem Signal helfen könnte. Doch diese Sondersignalanlage kann natürlich nicht in jedes Auto eingebaut werden. „Das muss von der Regierung genehmigt und in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden“, so der Kreisbrandrat. Zudem ist der Einbau nicht billig. Eckert spricht von Kosten jenseits der 1500 Euro. Kaum vorstellbar, dass die mehr als eine Million Feuerwehrleute Deutschlands jemals mit diesem System ausgestattet werden.

Das grüne Blinklicht ist für Markus Ungerer derzeit kein Thema. Und für Roland Eckert gibt es sowieso ein viel brennenderes Problem: Gerade an Werktagen ist es nicht einfach, genug Personal zu finden, das zu einem Einsatz fahren kann. Ob mit oder ohne grünes Blinklicht.

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