Kitzingen
Pflanzkurs

Für starken Nachwuchs im Wald

Die Förster Achim Volkamer und Dieter Rammensee haben eine kleine Hainbuche auf dem Spaten. Morgen zeigen sie im Giltholz, wie man für eine gute Kinderstube im Wald sorgt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Diese Neupflanzung wird von Netzhüllen geschützt.  Foto: Forstamt
Diese Neupflanzung wird von Netzhüllen geschützt. Foto: Forstamt
+1 Bild
Ein echter Mann - so heißt es - müsse drei Dinge im Leben tun: Ein Haus bauen, ein Kind zeugen und einen Baum pflanzen. Ob Haus und Kind einen Mann definieren, darüber lässt sich sicher streiten. Wer allerdings einen Baum so pflanzen kann, dass er wunderbar wächst und gedeiht, der hat auf jeden Fall etwas Nachhaltiges geleistet. Das gilt für Männer - und für Frauen.
Jetzt, im März, ist Pflanzzeit im Wald. Also Loch graben, Pflänzchen rein, Erde drüber - fertig? "So einfach ist das nicht", stellt Achim Volkamer fest und sein Kollege Dieter Rammensee ergänzt: "Beim Pflanzen kann man viel Geld kaputt machen!"
Um das zu vermeiden, haben sich die Förster des Forstamts Kitzingen und der Forstbe-triebsgemeinschaft (FBG) zusammengetan.
Volkamer und Rammensee haben gemeinsam einen Kurs für Waldbesitzer organisiert, in dem es um die richtige Pflanztechnik geht sowie darum, wie man die geeigneten Baumarten auswählt und erkennt, welche Qualität die Pflanzen haben.

"Wir setzen zwar vorwiegend auf Naturverjüngung. Aber das klappt nicht immer und überall." Sowohl in den staatlichen Forsten als auch im Privatwald sind dann und wann Nachpflanzungen nötig. Um Waldbesitzern die Scheu davor zu nehmen, legen die Diplom-Forstingenieure (FH) Volkamer und Rammensee sowie Forstwirtschaftsmeister Christoph Müller vom Walderlebniszentrum Gramschatzer Wald morgen mitten im Kitzinger Giltholz mit allen Interessierten Hand an den Spaten. Und an andere Pflanzgeräte.

Neue Pflanztechniken

"Vieles, was früher gelehrt wurde, ist nicht mehr zeitgemäß", weiß Rammensee. "Die Pflanzverfahren haben sich geändert." Früher galt, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Bäumchen in den Boden zu kriegen. "Davon sind wir mittlerweile weit entfernt." Wer den langfristigen Erfolg im Sinn hat, der setze auf Qualität - sowohl beim Pflanzgut als auch bei der Arbeit selbst. "Schließlich legt man dadurch den Grundstein für mehrere Jahrzehnte", macht Rammensee deutlich.

Auch dem Klimawandel, der "nicht mehr von der Hand zu weisen ist", müsse Rechnung getragen werden. "Wir versuchen, das ökologische und finanzielle Risiko so breit wie möglich zu streuen - mit so vielen verschiedenen Baumarten wie es am jeweiligen Standort vertretbar ist."

Eine frühzeitige Verjüngung durch geeignete Arten ist also das A und O für einen zukunftsfähigen Wald. Um hier keine Fehler zu machen - und damit üble Spätfolgen zu generieren - muss zu allererst das Pflanzgut stimmen. Volkamer: "Die Qualität der Setzlinge gibt den Ausschlag dafür, wie standfest und vital der Baum später werden kann."

In dem kostenlosen Kurs, der allen Waldbesitzern offen steht, werden deshalb die Wurzeln der Jungpflanzen begutachtet: Wie müssen sie beschaffen sein? Wie erkennt man, ob die Pflänzchen frisch sind? Sind die Antworten auf diese Fragen gefunden, wird gezeigt, wie man die jeweilige Art am besten in den Boden bringt. "Hier gibt es viele Fehlerquellen: Bei jungen Eichen zum Beispiel darf man die Pfahlwurzel nicht verbiegen. Generell dürfen Wurzeln beim Pflanzen nicht gestaucht werden und sie müssen genügend Raum zum Entwickeln haben", erklärt Förster Volkamer.
Nicht immer harmoniert die Lieferung der Jungbäumchen exakt mit dem optimalen Pflanztermin. In diesem Fall müssen die Setzlinge "eingeschlagen" werden, das heißt fachgerecht zwischengelagert. Auch hierfür haben die Fachmänner gute Tipps für die Waldbesitzer parat.

Graue Theorie werden sie dabei nicht predigen. Direkt vor Ort werden im Giltholz Eichen, Spitzahorn und Hainbuchen gepflanzt. Zusätzlich zu den kleinen Setzlingen mit maximal
50 Zentimetern Länge sollen auch ein einige größere Bäume einen neuen Standort finden. So können verschiedene Pflanztechniken und -geräte ausprobiert werden.
"Es wird sicher kein ganz ungemütlicher Vormittag", schaut Dieter Rammensee gut gelaunt voraus. "Wir haben auch etwas zu trinken organisiert." Sein Kollege Achim Volkamer ergänzt: "Wer uns im Giltholz besucht, wird es bestimmt nicht bereuen." Nicht nur Waldbesitzer, sondern auch Waldbesitzerinnen sind herzlich willkommen.




PFLANZKURS

Kurs
Am morgigen Mittwoch, 20. März, findet von 10 bis
13 Uhr im Kitzinger Giltholz
ein kostenfreier Pflanzkurs
für Waldbesitzer statt.

Veranstalter Die Schulung wird von der der Forstbetriebsgemeinschaft Kitzingen und der Bayerischen Forstver-
waltung - dem Kitzinger Forstamt - gemeinsam organisiert.

Pflanztechniken
Waldbesitzer lernen, welche Pflanztechniken es gibt und was die jeweiligen Vor- und Nachteile sind. Die Teilnehmer erfahren auch, wie die Qualität der Pflanzen beurteilt werden kann. Jeder kann sein neu
gewonnenes Wissen gleich
in der Praxis ausprobieren.

Los geht´s Treffpunkt ist
um 10 Uhr an der Staatstraße Kitzingen-Großlangheim, am Bahnübergang östlich vom Tierfriedhof.

Anmeldung Um besser planen zu können, freuen sich
die Forstbetriebsgemeinschaft Kitzingen, 09323/875106, oder 0170/6322919 und
Förster Achim Volkamer,
0151/12142654 über eine
Anmeldung. ldk
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren