Kitzingen

Für den Führerschein einmal um den Block

Aus dem Gericht: Billiger griechischer Führerschein wird teuer – 45-Jähriger wegen Urkundenfälschung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor Gericht
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Ein gefälschter Führerschein brachte einen 45-Jährigen auf die Anklagebank am Kitzinger Amtsgericht. Foto: Oliver Berg

Schlecht beraten war ein 45-Jähriger, als er sich nach einem Tipp aus Freundeskreisen in Athen einen griechischen Führerschein besorgte. Bei der ersten Fahrt in Deutschland stellte sich heraus: Der Schein ist eine "Totalfälschung". Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Urkundenfälschung wurde der Staatenlose jetzt in Kitzingen zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt, auf Bewährung.

Die Sache war am Ende klar: Der aus Syrien stammende und schon lange  im Ruhrgebiet lebende Mann war mit seinem BMW auf der Rastanlage Haidt kontrolliert worden. Er zeigte einen griechischen Führerschein vor. Der stellte sich schnell als "Totalfälschung" heraus. Die Anklage wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Urkundenfälschung folgte.

Mehrfach vorbestraft

Und die Verhandlung in Kitzingen. Im Amtsgericht gab es ein Geständnis des mehrfach und auch einschlägig vorbestraften Mannes. Der will allerdings nichts davon gewusst haben, dass der Führerschein in Deutschland nicht gilt. Der Mann lebt in Duisburg, erhält Sozialhilfe und sucht Arbeit. "Der Arbeitsmarkt in Duisburg ist eine einzige Katastrophe", sagte sein Anwalt. Ohne Führerschein seien die Chancen gleich Null. Deshalb setzte der Mann alles daran, an einen Führerschein zu kommen.

Weil der deutsche Führerschein teuer ist, folgte er den Ratschlägen von Bekannten und fuhr nach Athen. Ohne ein Wort griechisch zu verstehen, gab er in einer Fahrschule seine Daten ab, unterschrieb "irgendetwas" und fuhr wieder nach Deutschland. Vier Wochen später war er wieder in Griechenland. "Nach einer Runde um den Block", wie der Staatsanwalt die 15-minütige Prüfungsfahrt bezeichnet und ohne theoretische Prüfung, wurde ihm ein Führerschein ausgehändigt. Dass der auch gleich für Motorräder galt, ist eine der vielen Ungereimtheiten. 1600 Euro hat ihn alles gekostet. Er war sich sicher, dass er damit in Deutschland unterwegs sein und endlich einen Job bekommen konnte, sagte er.

Obskure Umstände

Daraus wurde allerdings nicht. Die Hoffnung endete in der Kontrolle auf der Raststätte. Für den  Staatsanwalt war klar: Der  Erwerb des Führerscheins habe unter so "obskuren Umständen stattgefunden", dass der Mann nicht davon ausgehen konnte, einen gültigen Führerschein zu bekommen. Auch mit Blick auf die Vorstrafen forderte er zehn Monate Freiheitsstrafe, 150 Stunden soziale Hilfsdienste und ein sechsmonatiges Fahrverbot. Eine Bewährung sei möglich. Die Verteidigung plädierte auf eine "moderate Freiheitsstrafe" und den Verzicht auf eine Führerscheinmaßnahme.

Ganz so kam es nicht. Auch das Gericht sah den "klaren Fall von Führerscheintourismus" als erwiesen an. Im Urteil stehen acht Monate Freiheitsstrafe, Bewährung und 120 Sozialstunden. Vier Monate muss der Mann warten, bis er eine Fahrerlaubnis beantragen kann. Die Empfehlung des Gerichts: "Versuchen sie es mit einer deutschen, hören sie nicht so viel auf Bekannte, sondern fragen sie die richtigen Stellen." Mit dem Urteil können offensichtlich alle leben. Beide Seiten verzichteten auf Rechtsmittel und der Verteidiger verabschiedete sich mit den Worten: "Ich sage auf Wiedersehen, mein Mandant nicht."  

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