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Kitzingen

Führung für Gehörlose: Kitzinger Stadtgeschichte ohne Worte

Am Samstag wurde in Kitzingen zum zweiten Mal eine Stadtführung angeboten, bei der die Hände das gesprochene Wort ersetzten. Wie läuft eine Führung ohne Worte ab?
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"Führung" oder "dolmetschen" bedeutet dieses Handzeichen in der Gebärdensprache für Gehörlose. Foto: Waltraud Ludwig
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Wenn Gehörlose die Geschichte und Sehenswürdigkeiten Kitzingens kennen lernen wollen, können sie Bücher lesen oder im Internet recherchieren. Stadtführungen sind ihnen normalerweise verwehrt, da sie nicht hören können, was der Gästeführer erzählt. Am Samstag war das anders: Bei einer speziellen Führung für Gehörlose war auch eine Gebärdensprachdolmetscherin mit von der Partie. Mit ihren Händen brachte sie den Teilnehmern die kulturellen Besonderheiten Kitzingens nahe.

Die Idee zu der besonderen Stadtführung wurde bei den Vorbereitungen zur "Sprachwoche" geboren, die im vergangenen Mai in Kitzingen stattfand. "Damals haben wir überlegt, was man für Menschen mit Handicaps tun kann", erzählt Stadträtin Astrid Glos, die das Projekt seinerzeit initiiert hatte. Neben vielen anderen Veranstaltungen wurde dabei erstmals auch eine Stadtführung mit Gebärdensprachdolmetscher angeboten. Gehörlosen Menschen sollte dadurch ermöglicht werden, bei einem Rundgang die Sehenswürdigkeiten Kitzingens kennen zu lernen.  

Erster Versuch kam schon gut an

Weil der erste Versuch gut ankam, organisierte Glos zusammen mit der Kitzinger Tourist-Info und Jutta Liehr von der Kitzinger Fachstelle für Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) eine weitere Stadtführung für Gehörlose. Insgesamt sechs interessierte Teilnehmer hatten sich dafür angemeldet. Nicht nur aus Markt Einersheim, auch aus dem weiteren Umkreis, wie etwa aus Haßfurt oder Oberscheinfeld, waren sie am Samstag eigens nach Kitzingen gekommen.

Im Rahmen des zweistündigen Stadtrundgangs zeigte Gästeführerin Sabine Hofmann der Besuchergruppe Kitzingens Sehenswürdigkeiten. Unterstützt wurde sie dabei von Ute Zschau. Die Lehrerin aus dem tauberfränkischen Werbach macht im Zweitstudium eine Ausbildung zur Gebärdensprachdolmetscherin und übersetzte mit flinken Handbewegungen alles, was die Gästeführerin zu erzählen wusste. Fragen durften die Teilnehmer selbstverständlich auch stellen. So entstand eine lautlose, aber nicht minder rege Konversation.

Die Resonanz auf die besondere Stadtführung fiel positiv aus. "Das war super und total interessant", meinte beispielsweise Klaus Dirschbacher, der zusammen mit seiner Frau aus Haßfurt angereist war. Während ihrer Schulzeit sei Gebärdensprache für Gehörlose verboten gewesen. So hätten sie vieles nur oberflächlich mitbekommen. Gerne nutzen sie deshalb Angebote, die ihr Wissen erweitern. Aus diesem Grund waren sie auch nach Kitzingen gekommen – und haben es nicht bereut.

Weitere Veranstaltungen geplant

Laut Astrid Glos wird die Veranstaltung nicht die letzte ihrer Art sein: Am 16. Februar 2020 soll es eine Führung mit Gebärdensprachdolmetscher durch das Kitzinger Fastnachtsmuseum geben. Außerdem sei für das kommende Jahr eine Kräuter-Wein-Führung für Gehörlose im Rahmen einer weiteren "Sprachwoche" geplant. Übrigens bieten die Kitzinger Gästeführer auch spezielle Führungen für Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer an.

Wer Interesse daran hat, kann sich an die Tourist-Info Kitzingen wenden: Telefon: (09321) 20-8888, Fax: (09321) 20-98888, E-Mail:  tourismus@stadt-kitzingen.de