Frühstück: Krabbeln für die teure Krone

Zum Einstieg ein Geständnis: Ich habe Angst vorm Zahnarzt. Um ganz präzise zu sein – Panik wäre der richtige Ausdruck, wenn in meinem Kopf Bohrer, Spritze und diverse andere Marterwerkzeuge auftauchen.
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Frühstück:     Von Mord, Sex und Sticheleien

Zum Einstieg ein Geständnis: Ich habe Angst vorm Zahnarzt. Um ganz präzise zu sein – Panik wäre der richtige Ausdruck, wenn in meinem Kopf Bohrer, Spritze und diverse andere Marterwerkzeuge auftauchen.

Das Schlimmste (in diesem Jahr) habe ich hinter mir: Die Generalsanierung meines Unterkiefers. Die Tage zuvor waren das Grauen. In schlaflosen Nächten gab's ein blutiges Gemetzel im 3D-Format – Regisseur: die Fantasie. Auf dem Stuhl war dann alles zwar eine stundenlange Plackerei, aber überlebbar. Und danach gab's zwar erstmal nur Steaks und Nudeln aus dem Mixer, aber was soll's.

Nach dem schweren Aufgalopp im Stuhl gab's zwei Wochen später die offizielle Übergabe der runderneuerten Beißerchen für den Kauverkehr. Höhepunkt dabei: die Installierung der Kronen. Acht an der Zahl. Und weil bei derlei feierlichen Ereignissen eine Generalprobe einen Verbiss beim eigentlichen Krönungsakt verhindern soll, war noch ein größerer Termin beim Zahnarzt meines Vertrauens angesetzt.

Ein denkwürdiges Ereignis: Bei der Anprobe eines der teuren Keramik-„Hütchens“ auf meinen Restbeißerchen geschah's: Der Mann über mir, der gerade die Krone auf den Zacken setzen will, bittet energisch um ein „Mund weiter auf“ und löst bei mir einen hektischen Kieferruck aus.

Ergebnis: ein zahnärztliches „hoppla“. Krone weg. Die zahnärztliche Helferin krabbelt am Boden. Der Meister des Bohrers untersucht den Untersuchungsstuhl. Nichts zu finden. Als Nothelfer bin auch ich am Fahnden. Nichts. Weil mittlerweile die Bodenuntersuchungen fast abgeschlossen sind, bittet der Doktor zur Leibesvisitation. Nix. Mittlerweile herrscht Verzweiflung. Also: Pulli runter. Eigenuntersuchung. Und, hurra, da ist er. Im Unterhemd. An der Hosengürtelkante, ganz hinten, hat sich der kleine Ausreißer versteckt.

Selbiger krönt inzwischen den vorgesehenen Ort in der Kau-Leiste. Ende gut, Biss gut. Ein Gewinn ist auch die Erkenntnis, dass man nicht mal beim Zahnarzt die Klappe zu weit aufreißen darf.

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