Geiselwind

Frühstart-Rekord für den ersten Storch

Experten beobachten es schon länger: Mehr und mehr Störche sparen sich den Flug nach Afrika und kehren immer früher zu ihren Nestern zurück - so auch in Geiselwind.
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Rückkehr schon Ende Januar: Am Dienstag traf der erste Storch in Geiselwind ein und belegte das Nest auf dem Kirchturm.

Als Geiselwinds Bürgermeister Ernst Nickel am Dienstag den Blick aus seinem Büro gen Kirchturm schweifen ließ, musste er zweimal hinschauen: Doch, ja, das Storchennest auf dem Kirchturmdach war bewohnt. Dann ging der Blick noch einmal zum Kalender: Ende Januar. Damit war der Frühstart-Rekord vom Vorjahr, als sich Mitte Februar der erste Storch sehen ließ, schon wieder gebrochen.

Nicht nur auf der Durchreise

Als am Mittwoch der Storch immer noch da war, stand fest: Der ist nicht nur auf der Durchreise. Das könnte einer der beiden angestammten „Nesteigentümer“ sein. Und so tat der Bürgermeister das, was er seit nunmehr acht Jahren macht: Die Kirchturmtreppen erklimmen, um ein paar Bilder von der Geiselwinder Attraktion zu schießen. Seit 2010 das Nest gebaut wurde, war es auch jedes Jahr belegt. Um die 20 Storchenkinder wuchsen inzwischen dort auf. Was nicht nur den Bürgermeister stolz macht und – nun ja – fast schon Vatergefühle entwickeln lässt.

Keine Ausnahme

Dass der Geiselwinder Frühankömmling durchaus keine Ausnahme ist, weiß Oda Wieding, Storchenexpertin des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in Hilpoltstein, zu berichten. „Wir beobachten schon länger, dass Störche sogar komplett bei uns überwintern“, so die Expertin. Vorreiter seien nicht selten Störche aus Zucht- und Wiederansiedlungsprojekten, die sich an die Winter gewöhnt hätten.

500 Storchenpaare in Bayern

Die Expertin geht davon aus, dass von den rund 500 zuletzt in Bayern gezählten Storchenpaaren „20 Prozent in Europa überwintern“. Statt sich den langen Flug nach Afrika anzutun, würden viele Vögel inzwischen maximal „einen kurzen Winterausflug“ nach Spanien oder Südfrankreich machen. Entsprechend früh dann die Rückkehr: Drei Rückkehrer-Meldungen gab es bereits in den vergangenen Tagen.

Störche lernen dazu

Und: Es werden scheinbar immer mehr, die Kräfte sparen und die lange Reise scheuen. „Störche lernen lebenslang dazu“, betont Wieding. Oder anders gesagt: Hat ein Storch erst einmal mitbekommen, dass die Winter oft gar nicht mehr so streng sind, wird er sich – entgegen der Instinkte – die Reise auf einen anderen Kontinent dreimal überlegen. Zumal auch gilt: Wer zuerst kommt, hat zunächst freie Nestauswahl. Zumindest, bis der angestammte Storch kommt und womöglich etwas gegen den neuen Mieter hat.

Bodensee als Winterquartier

Manche Störche – auch das wurde zuletzt verstärkt beobachtet – machen es sich beispielsweise auch rund um den Bodensee oder im Altmühltal bequem. Ein Kälteproblem gibt es dabei nicht: Wie bei den heimischen Vögeln schützen die Daunenfedern. „Die Störche kommen gut zurecht“, ist sich die Diplom-Biologin sicher.

Weshalb es gar nicht so unwahrscheinlich ist, dass Geiselwinds Bürgermeister schon in den nächsten Tagen beim Blick aus seinem Büro die nächste Überraschung erlebt – und Familie Storch womöglich noch im Februar wieder vereint ist.



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