MARKT EINERSHEIM

Fritsch kriegt den Generationswechsel gebacken

Landauf, landab stehen viele mittelständische Unternehmen vor der heiklen Frage: Wie stellt man die Weichen für die Zukunft, wann ist der beste Zeitpunkt für einen Generationswechsel?
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Generationswechsel: Klaus Fritsch und seine Tochter Anna-Maria vor einem Fritsch-Erfolgsmodell, der Multitwist-Brezelanlage. Foto: Foto: N. Hohler

Landauf, landab stehen viele mittelständische Unternehmen vor der heiklen Frage: Wie stellt man die Weichen für die Zukunft, wann ist der beste Zeitpunkt für einen Generationswechsel?

Die Firma Fritsch aus Markt Einersheim, im Bereich Bäckereimaschinen weltweit erfolgreich, hat ihren Weg gefunden: Klaus Fritsch, seit 1984 verantwortlich, hat sich Anfang 2013 in den Aufsichtsrat zurückgezogen, dort den Vorsitz übernommen. Gleichzeitig ist Tochter Anna-Maria nach Studium und zwei Jahren im Management des BayWa-Konzerns den Weg in den Betrieb gegangen – sie ist die vierte Generation.

„Niemand hat mich gedrängt, es war meine Entscheidung“, erzählt die 28-Jährige, die bereits als Schülerin „ganz klassisch bei Ferienjobs“ in Markt Einersheim gearbeitet hat. Als „großen Vorteil“ sieht sie an, dass mit Ulrich Brahms ein Verantwortlicher für das operative Geschäft von außen verpflichtet wurde. „So lerne ich jeden Tag etwas dazu.“ Klaus Fritsch findet die Konstellation „ideal“. „Ein bisschen betriebsblind“ sei man durch das stetige Wachstum der letzten Jahrzehnte geworden, „Vieles ist liegen geblieben.“

Mit dem Blick von außen habe der neue Manager Schwächen erkannt und deren Beseitigung umgehend in Angriff genommen. „Und meine Tochter mit ihren vielen guten Ideen muss sich jetzt nicht mit mir herumplagen, sondern kann sich an einem Dritten reiben“, so der 58-Jährige.

„Ich bin gekommen, um zu gehen“, sagt Manager Brahms, der aus dem Anlagen- und Maschinenbau kommt. Oberstes Ziel sei, „dass der Betrieb eigenständig bleiben kann“. Ein Beispiel, wie er Familienwerte und Professionalität in Einklang bringen will: „Früher hat Fritsch jeden Tag neue Teile entwickelt, neue Komponenten. Jetzt verfolgen wir eine Baukastenstrategie wie die Autohersteller, um durch größere Stückzahlen effizienter zu werden.“

Die Veränderungen stoßen naturgemäß nicht bei allen der 550 Beschäftigten auf Beifall. „Betroffene zu Beteiligten machen“ lautet deshalb das Motto der Fritsch-Verantwortlichen. Gerüchte, es würden bald 200 Jobs wegrationalisiert oder Geldgeber hätten einen Manager erzwungen, quittiert Klaus Fritsch mit Kopfschütteln. „Für 2014 sind die Auftragsbücher voll, wir stellen Personal ein.“ Umgekehrt könne es in Einzelfällen dennoch zu Trennungen kommen.

Zu den guten Perspektiven vielleicht ein Beispiel: Der 1926 gegründete Betrieb hat kürzlich den größten Auftrag seiner Geschichte an Land gezogen – rund 20 Millionen Euro Gesamtvolumen für eine Fabrik in Santiago. Die Backanlage wird in Markt Einersheim produziert, nach dem Testlauf teilweise zerlegt. Geschätzt 150 Container werden dann für den Schiffsweg nach Chile benötigt.

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