KITZINGEN

Fritsch GmbH und VDMA trommeln für freien Welthandel

Fritsch hat Kunden in aller Welt. Doch nicht nur Trump & Co. behindern den Export. Darum hat Fritsch Wünsche an die deutsche Politik - wie der ganze Mittelstand.
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Auf Einladung des VDMA besichtigte der Bundestagsabgeordnete Klaus Ernst (Die Linke) das Technologiezentrum des mittelständischen Unternehmens Fritsch in Kitzingen. Von links: Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Fritsch, Ulrich Ackermann (Abteilungsleiter Außenwirtschaft beim VDMA), der Leiter des Technologiezentrums Uwe Benz und MdB Klaus Ernst. Foto: Foto: Andreas Brachs

Schon ein Blick ins Gästebuch offenbart die Handelsbeziehungen der Fritsch GmbH a m Standort Kitzingen: Den Einträgen nach empfängt der Mittelständler mit Stammsitz in Markt Einersheim Kunden aus aller Welt.

Offene Märkte sind deshalb nicht nur für Fritsch, sondern für alle deutschen Maschinen- und Anlagenbauer von Bedeutung. Insbesondere global agierende mittelständische Betriebe sind auf einen funktionierenden Freihandel angewiesen. Dass sie nur so eine starke Position im internationalen Wettbewerb einnehmen und einen Beitrag für Arbeitsplätze und Wohlstand in ihrer Region leisten können, das haben die Fritsch GmbH und der Industrieverband VDMA gegenüber dem Bundestagsabgeordneten Klaus Ernst betont. Der Wahlkreisvertreter der Partei Die Linke besuchte am Mittwoch das Technologiezentrum von Fritsch in Kitzingen.

Klares Standort-Bekenntnis

„Das Bekenntnis zum Standort Deutschland ist Teil der Unternehmensphilosophie unseres Familienunternehmens“, erklärte Klaus Fritsch, Aufsichtsratsvorsitzender der Fritsch-Gruppe. „Wir entwickeln und produzieren unsere Anlagen in Markt Einersheim und Kitzingen“, erläuterte er, „und haben eine Exportquote von rund 80 Prozent.“ Die Freiheit des internationalen Waren- und Dienstleistungsverkehrs sei für das Unternehmen und den Standort daher „lebenswichtig“, betonte Fritsch.

Hervorragende Bedingungen in Deutschland

Klaus Ernst, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Energie im Bundestag, wies auf die hervorragenden Standortbedingungen hin: gut ausgebildete Fachkräfte, hervorragende Netzwerke zwischen Universitäten, Forschungseinrichtungen und der Industrie sowie ein geregelter Interessenausgleich zwischen Arbeit und Kapital durch eine starke Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretung. „Das Modell Deutschland steht weltweit für hervorragende Produkte und Dienstleistungen. Es beruht darauf, dass höhere Gewinne von Unternehmen nicht durch Lohnsenkung oder Arbeitszeitverlängerung durchgesetzt werden, sondern durch Ideen und Innovationen. Die Tarifbindung in Deutschland garantiert dies.“

Klare Regeln nötig

Zur Forderung nach freiem Handel sagte Ernst: „Internationaler Wettbewerb braucht klare Regeln. Freier Handel muss so gestaltet sein, dass er die Lebensbedingungen der Menschen in allen beteiligten Ländern positiv beeinflusst.“ Der Abbau von Sicherheitsstandards oder Verbraucherschutz-, Arbeits- und Umweltschutzregelungen dürfe nicht zur Disposition stehen. „Der Maschinenbau in Deutschland hat weltweit mit die besten Standards. Das ist ein Wettbewerbsvorteil!“

Politik gefordert

Im Gespräch erläuterte Fritsch, warum der Mittelstand mehr Einsatz der Politik für den Freihandel erwartet. „Wir exportieren unsere Anlagen weltweit. Damit sind vielseitige Anforderungen und komplexe technische Regelwerke verbunden, die den Export nicht immer einfach machen. Freihandelsabkommen sind vor diesem Hintergrund sehr wichtig, denn sie bauen nichttarifäre Handelshemmnisse ab und machen uns somit wettbewerbsfähiger.“

Freihandel wichtig

Ulrich Ackermann, Leiter der VDMA-Abteilung für Außenwirtschaft, unterstrich die Bedeutung des Freihandels für den gesamten Maschinen- und Anlagenbau: „Der Maschinenbau hat eine Exportquote von über 78 Prozent. Mehr als 600 000 Arbeitsplätze sind vom Export abhängig.“ Hinzu komme, dass mittlerweile rund 35 Prozent des Exports in Länder mit hohen Einfuhrhürden gehe. „Freihandel braucht daher die klare Fürsprache in der deutschen Politik, denn es geht letztlich um Arbeitsplätze und Wohlstand in unserem Land“, betonte Ackermann. „Protektionismus und Abschottung werden hingegen alle Marktteilnehmer im In- und Ausland zu Verlierern machen.“

Abbau der Bürokratie

Ackermann forderte daher konkret: den Abbau von Bürokratie in Deutschland und der EU, die Absicherung der Finanzierung von Exportgeschäften, da Banken sich hier zunehmend verweigern würden, eine Vereinfachung der Entsende-Richtlinie, um Arbeiter unbürokratisch ins Ausland schicken zu können, längere Aufenthaltsgenehmigungen für firmeneigene Mitarbeiter aus dem Ausland, die sich in Deutschland fortbilden wollen. Auch ein Einwanderungsgesetz steht auf der Wunschliste des VDMA, um qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen.

Die Fritsch GmbH und der VDMA

Als familiengeführter mittelständischer Maschinenbauer bietet die Fritsch GmbH in Markt Einersheim Maschinen, Anlagenlinien und Dienstleistungen für Handwerksbäcker, mittelständische Bäcker und Industrieproduzenten für frische und gefrostete Backwaren an. Alle Maschinen werden in Deutschland gebaut und montiert, bevor diese an die Kunden in der ganzen Welt verschickt werden. Fritsch beschäftigt am Stammsitz rund 550 Mitarbeiter.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) vertritt fast 3200 vorrangig mittelständische Mitgliedsunternehmen der Investitionsgüterindustrie und ist damit einer der mitgliederstärksten Industrieverbände in Europa. Über 78 Prozent der deutschen Maschinenbauproduktion gehen in den Export. Mit einem Umsatz von rund 226 Milliarden Euro (Stand: 2017) ist er nach eigenen Angaben einer der führenden Industriezweige in Deutschland. 

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