Kitzingen

Friseur-Jubiläum: Als die Rasur 150 Milliarden Reichsmark kostete

Die Kitzinger Friseur-Innung feiert 100. Jubiläum. Obermeisterin Henneberger blickt zurück auf Zeiten, in denen ein Haarschnitt eine Mark kostete - oder sehr viel mehr.
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Ein Bild aus vergangenen Tagen: Eine Gruppe von Friseuren im Jahr 1938. Foto: Friseurinnung
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"Der Zusammenhalt und das Zusammenkommen waren und sind die wichtigsten Faktoren, um etwas zu bewirken", sagte Monika Henneberger, Obermeisterin der Kitzinger Friseur-Innung. An diesem Samstag, 9. November, feiert die Innung ihr 100. Jubiläum. Ihre Worte hätten die Vorfahren beherzigt, die am 17. November 1919 im kleinen Rathaussaal in Kitzingen die Innung gegründet hatten. 

Die Menschen haben sich nach den Wirren des 1. Weltkrieges nach Einrichtungen gesehnt, in denen sie frei und in einem demokratisch zivilisierten Umgang miteinander umgehen konnten, berichtete Henneberger. In Kitzingen hatte es damals neun selbständige Friseure gegeben, Gründungs- Obermeister war Julius Englert.

1920 zählte die Innung zehn Mitglieder. Der Haarschnitt kostete eine Mark und das Rasieren 80 Pfennige. Laut Protokollbuch der berufsständischen Vertretung war aus hygienischen Gründen damals festgelegt worden, vor jedem Schnitt die Haare der Leute wegen um sich greifender Läuse auch zu waschen.

Die Preise kletterten ins Uferlose

Die Preise kletterten ins Uferlose, so kostete 1924 eine Rasur 150 Milliarden Reichsmark. Urlaub gab es allgemein noch nicht und auch an Sonntagen wurde halbtags gearbeitet. Erst ab 1927 gab es eine Sonntagsruhe und Fachunterricht für Friseurlehrlinge. Im Jahr 1933 habe es eine starke Opposition gegen die Innungsführung gegeben, wegen des Nachwuchses im Damenfach. Der damalige Obermeister Hans Hertwig erlernte in Frankfurt schließlich Wasserwellen, Dauerwellen und Haararbeiten für Damen und konnte so die Lehrlinge unterrichten. 1937 wurde die Fachschule vergrößert.

1951, als Christian Dornberger Obermeister war, ging es den Menschen durch die freie Marktwirtschaft endlich wieder besser. 1955 gründete sich ein Gesellenausschuss und die Mitgliederzahl stieg auf 74, auch weil die Gerolzhöfer Kollegen dazu kamen. Im Kitzinger Mühlberggebiet war die neue Berufsschule errichtet worden und auch die Zahl der Lehrlinge wuchs. Schon damals, unter Obermeister Heinz Hänssgen, waren die Michelfelder Horst und Lydia Keim in Ausschüssen engagiert und sind es heute noch.

Alfred Walter - und seine Kinder - wurden zum Aushängeschild

Zum Aushängeschild der Innung avancierte der Schwarzacher Alfred Walter, der es bis zum Mannschafts-Weltmeister der Friseure brachte, gleiches gelang später seiner Tochter Sandra und Sohn Thomas. In den 1990er-Jahren kam durch die Kompetenzzentrenbildung ein Einschnitt: Die Berufsschüler wurden nach Karlstadt verlegt. Waren es einst in Kitzingen drei Klassen mit je 25 Schülern, haben heuer fünf junge Damen die Gesellenprüfung geschafft. Außerdem ist die Innung um Geschäftsführerin Elisabeth Hofmann bei Frisuren- und Modenschauen präsent, etwa auf dem Kitzinger Stadtfest und auf der Würzburger Mainfrankenmesse.

Unter dem damaligen Obermeister Hans Hertwig aus Kitzingen feierte die Innung 1969 ihr 50-jähriges Bestehen. Die Feier zum 80. Jubiläum folgte 1999 mit einer großen Bühnen-Show im Kitzinger Dekanatszentrum. Die Organisation hatte damals das aktive Modekolleg unter der Leitung von Lydia Keim, Sandra Walter, Siegbert Brandl, Monika Henneberger und Alexander Riemann.

"Unsere Mitglieder sind sehr aktive Friseurmeisterinnen und -meister, die mit Leib und Seele ihren Beruf ausüben", versicherte Monika Henneberger. Der Beruf habe manche Veränderungen erlebt, doch bei all  den Trends bleibe eines unverändert: Der Mensch und dessen Persönlichkeit. "Dafür haben wir Friseure ein Händchen, das macht unsere Branche bei aller Digitalisierung im Handwerk unersetzlich", betont die Obermeisterin abschließend.

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