Iphofen

Friedhofgestaltung: Wie viel Kosten soll die Kirche tragen?

Der neue Teil des Iphöfer Friedhofs soll auf Wunsch der Pfarrer mit „christlichen Symbolen“ gestaltet werden. Im Stadtrat gibt es dazu mehr Widerstand als erwartet.
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Zum Baustellentermin trafen sich kürzlich die Mitglieder des Iphöfer Bauausschusses auf dem Areal des künftigen neuen Friedhofs. Jetzt schlug das Thema im Stadtrat auf. Foto: Eike Lenz

Der Friedhof in Iphofen ist in die Jahre gekommen. Man sieht ihm das nicht auf den ersten Blick an, dazu braucht es schon die Spezialsicht eines Experten , der um die Riten und Bräuche der Menschen weiß, auch im Tod, posthum sozusagen. Immer mehr wählen heute die Feuerbestattung, sie brauchen kein großes Grab mehr, es genügt eine Nische in einer Felswand oder ein kleines Fleckchen Erde in einem Friedwald. Dort verschwinden die Urnen mit der Asche der Verstorbenen.

Diesen veränderten Traditionen versucht die Stadt Iphofen mit dem Um- und Teilneubau des Friedhofs gerecht zu werden. Auf rund 3000 Quadratmetern werden im hinteren Teil des alten Gottesackers gerade Erde verschoben, Mauern gebaut und Wiesen angelegt. Fast eine Million Euro lässt sich die Stadt die Erneuerung kosten. Im Sommer soll alles fertig sein, und so machen sich Kirchenmänner wie der katholische Geistliche Adam Was und der evangelische Pfarrer Hanjo von Wietersheim schon heute Gedanken über eine würdige Gestaltung des neuen Friedhofs.

Die Kirchen bitten um Kostenübernahme

Sie haben dem Stadtrat einen Brief geschrieben, der das Datum vom 11. April trägt und der allen Mitgliedern des Gremiums zur Sitzung am Montagabend vorlag. Der Kernsatz der kurzen Botschaft lautet: „Als Vertreter der beiden christlichen Gemeinden in Iphofen möchten wir darum bitten, auf dem erweiterten Friedhofsgelände die Aufstellung christlicher Symbole in Form von modernen Skulpturen vorzusehen und die dafür entstehenden Kosten zu übernehmen.“ Ein Antrag, wie sie mehrfach im Stadtrat aufschlagen – und im Normalfall durchgewinkt werden. Diesmal nicht.

Um einen „Grundsatzbeschluss“ war Bürgermeister Josef Mend bemüht, doch genau darum ging es: ums Grundsätzliche. Denn Stadträte wie Otto Kolesch oder Rupert Maier waren nicht bereit, dem Antrag der Kirchen einfach ihren Segen zu geben. Kolesch wies mit Blick auf die derzeit etwas angespannte Haushaltslage der Stadt darauf hin, dass man „freiwillige Leistungen auf den Prüfstand stellen“ müsse und er sich eine „gewisse Beteiligung“ der Kirchen erwarte. Auch Maier sagte, man solle die Kirchen dazu „animieren, dass sie den Geldbeutel aufmachen“. Die Diskussion war entfesselt.

Von einer "absurden" Diskussion ist die Rede

Mend, der nicht nur Bürgermeister, sondern auch Kirchenpfleger ist, machte deutlich, dass die Kirche nicht so viel Geld habe, um derlei Projekte zu finanzieren. Im Übrigen sei der Friedhof eine der „Pflichtaufgaben der Gemeinden“. Ohne konkrete Gestaltungspläne auf dem Tisch zu haben, sprach Mend von einer Summe von 20 000 bis 30 000 Euro. Dritter Bürgermeister Jörg Schanow rief dazu auf, die Kirche im Dorf zu lassen. „Die Stadt zahlt jede Kirchenmauer. Es ist doch absurd, dass sich die Kirchengemeinde jetzt an diesen Kosten beteiligen soll.“ Er wisse aus Gesprächen mit den beiden Geistlichen, dass es ihnen nicht so sehr um aufwändig gestaltete Kunstwerke gehe, die am Friedhof aufgestellt werden sollen, sondern um Symbole. „Wir kaufen zwei Kreuze und einen Engel. Jeder Steinmetz hat das im Programm.“

Der Stadtrat einigte sich am Ende auf einen Kompromiss und die Formel, dass er die Idee der Kirche befürworte, das Projekt vorbereite und sich eine finanzielle Beteiligung der beiden Kirchen erwarte. Dieser Beschluss fiel einstimmig.

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