Volkach

Freundschaft: Soldaten und Feuerwehrler löschen gemeinsam

Alarm bei der Feuerwehr! Es brennt und keiner ist zum Löschen da. Das passiert gerade an Werktagen in vielen Ortswehren. Nicht so in Volkach.
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Soldaten üben das Bergen von Unfallverletzten mit schwerem Gerät. Foto: Hanns Strecker
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Die Feuerwehrsirene tönt durch Volkach. Es ist Dienstagvormittag und die Mitteilung über den Alarmpiepser verheißt nichts Gutes: "Zimmerbrand in einem Mehrfamilienhaus im Stadtgebiet." Jetzt sind alle Mann gefragt. Doch gerade unter der Woche können viele Feuerwehrleute nicht kommen , da sie außerhalb arbeiten. Ein Problem nicht nur in Volkach.

Als die ersten Löschfahrzeuge aus dem Feuerwehrhaus rollen, bremst vor dem Hof ein Auto. Drei Bundeswehrsoldaten springen heraus, rennen in den Umkleideraum und werfen sich über ihre Flecktarn-Uniform die Schutzkleidung der Feuerwehr. Der Löschzug ist einsatzbereit, in kürzester Zeit. Dass dies so hervorragend funktioniert, ist eine über lange Zeit gepflegte Kameradschaft zwischen der Volkacher Feuerwehr und der Bundeswehr. "In der Kaserne gibt es etliche Soldaten, die zu Hause aktiv in der Feuerwehr sind. Und für uns ist es ein riesiger Vorteil, wenn wir von denen unterstützt werden", sagt Feuerwehr-Pressesprecher  Moritz Hornung. Beruhigend ist es natürlich auch, wenn die Verantwortlichen wissen, dass immer ausreichend Personal für die Alarmbereitschaft erreichbar ist.

Bundeswehrler sind top ausgebildete Glücksfälle

Zumal die auswärtigen Kameraden top ausgebildet sind, wie Hornungs Stellvertreter Robin Tschischka ergänzt: "Was wir werktags zusätzlich dringend brauchen, sind Lkw-Fahrer und Atemschutzgeräteträger." Ein Glücksfall sind da Karsten und Peter Wundrak. Die Zwillinge aus Sachsen sind von Jugend an von der Feuerwehr fasziniert. Über die Jugendfeuerwehr kamen die 33-Jährigen, die meist zu zweit auftreten, zur Ortswehr. Gelernt haben sie – gemeinsam natürlich – Landwirtschaft und Berufskraftfahrer. Vor etwa zehn Jahren verpflichteten sie sich bei der Bundeswehr.

Als sie 2014 nach Volkach versetzt werden sollten, haben sie sich zuerst erkundigt, was es da für eine Feuerwehr gibt: "Wer ist der Kommandant? Wie groß ist die Wehr?" Karsten Wundrak hat das alles erst einmal gegoogelt und dann mit dem Kommandanten Fred Mahler Kontakt aufgenommen. "Als der hörte, was wir für eine Ausbildung hatten, war sein erster Kommentar: 'Ihr kommt zu uns!'", erinnert sich der Soldat.

Sprachproblem zwischen Sachsen und Franken

Aus der gleichen sächsichen Ortschaft kommt übrigens ein weiterer feuerwehrbegeisterter Soldat: Jonathan Kunath, der damals mit den Zwillingen zum Bund gegangen ist. Aktuell unterstützen bis zu neun Soldaten die Volkacher Wehr, je nach Lage und Verfügbarkeit. "Die Hälfte kommt aus Sachsen und da gibt es gerade beim Funken etwas Verständigungsschwierigkeiten", verrät Pressesprecher Hornung schmunzelnd. "Die Franken und Sachsen müssen sprachlich noch etwas üben!"

Doch nicht nur im Einsatzfall wird die Feuerwehr von der Bundeswehr unterstützt. Etliche Soldaten sind Gruppenführer, Kraftfahrer und Gerätewarte bei der Wehr. Der aus dem Erzgebirge stammende und jetzt hier wohnende Chris Rother ist sogar im Vorstand des Feuerwehrvereins. Daniel Hechtfischer, zuständiger Offizier für die Pressearbeit im Volkacher Bataillon, bringt es auf den Punkt: "Die Zusammenarbeit ist für uns eine Win-win-Situation. Wir profitieren davon, wenn die Feuerwehr bei uns in der Kaserne die Kraftfahrer über Gefahrguttransporte unterrichtet." Mehrfach im Jahr wird auch an einer Felgenbrand-Simulationsanlage das schnelle Löschen eines Reifenbrandes geübt, zählt er ein weiteres Beispiel der Zusammenarbeit auf. Regelmäßig wird gemeinsam über den Brandschutz in der Kaserne gesprochen und Brandschutzhelfer in den Reihen der Bundeswehr werden von den Volkacher Floriansjüngern ausgebildet.

Lehrreiche Fahrten auf dem Truppenübungsplatz

Von einem ganz tollen Erlebnis schwärmt Tschischka noch heute: "Als wir unseren Unimog erhielten, hat uns der damalige Kommandeur zu Fahrerausbildungen auf die Truppenübungsplätze Hammelburg und Wildflecken eingeladen." Dort übten die Kraftfahrer unter Anleitung von Panzerfahrerausbildern das Fahren auf schwierigstem Gelände. "Das war unheimlich lehrreich für uns. Die Erfahrungen haben uns schon mehrmals geholfen", sagt er. Denn: Unter Freunden hilft man sich.

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