Kitzingen

Freitagsfragen: Obstanbau in Zeiten des Klimawandels

Die Erdbeeren-Zeit geht zu Ende, die Zwetschgen-Ernte beginnt. Wie es beim Obst läuft, weiß Thomas Riehl, Obstanbau-Berater am Amt für Landwirtschaft in Kitzingen.
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Die Erdbeerernte geht gerade ihrem Ende entgegen. Foto: Patrick Seeger, dpa
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Zu warm, zu wenig Regen – auch die Obstanbauer müssen sich auf neue Gegebenheiten einstellen. Der Aufwand wird größer, sagt Thomas Riehl, Obstanbau-Berater am Amt für Landwirtschaft in Kitzingen, voraus. Ein Blick in die Zukunft – und auf die aktuelle Ernte.

Frage: Wie sehr hat der Obstbau im vergangenen Jahr unter dem Wassermangel gelitten?

Thomas Riehl: Geringe Niederschläge sind in Franken ja schon immer ein Problem. Der vergangene Sommer war aber extrem. Zum Glück konnten wir letztes Jahr anfangs aber noch von einer guten Bodenfeuchte vom Winter her profitieren. Insbesondere bei jüngeren Bäumen gab es zum Herbst hin dann aber Probleme mit der Fruchtgröße.

Wie ist die Lage in diesem Jahr?

Riehl: Die bisherigen Niederschläge reichen bei Weitem nicht aus, um das Regendefizit auszugleichen. Das Nachlieferungsvermögen der Böden ist daher schlechter als im Vorjahr. Bei weiter anhaltender Trockenheit dürfte es große Probleme geben. Ohne Zusatzbewässerung geht auch im Obstbau nichts mehr.

Was sind hier Ihre Befürchtungen mit Blick auf die nächsten Jahre?

Riehl: Der Klimawandel hat aus meiner Sicht für den Obstbau überwiegend negative Aspekte. Die sommerlichen Trockenperioden werden laut den allgemeinen Prognosen zunehmen. Extrem heiße Temperaturen wie vorletzte Woche führen vermehrt zu Sonnenbrandschäden an den Früchten. Eine Zunahme von Hagelereignissen ist ebenfalls zu beobachten. Zum Glück kann man gegen einen Teil dieser Risiken Vorsorge treffen. Der Obstanbau wird aber auf jeden Fall aufwändiger werden.

Wie hat sich das Frühjahr aus Sicht der Obstbauern gezeigt?

Riehl: Für den Obstbau ist die Witterung um die Blütezeit immer sehr entscheidend. Die hat insgesamt gepasst, so dass wir fast überall einen guten Fruchtansatz haben.

Waren Frostschäden ein Problem?

Riehl: Zum Glück hatten wir verbreitet nicht so heftige Nachtfröste wie im Jahr 2017. An einigen wenigen Standorten sank das Thermometer allerdings Anfang Mai bis auf minus vier Grad. Dort hat es leider in Einzellagen sehr starke Ausfälle gegeben.

Ein Blick auf die Erdbeerernte ...

Riehl: ... die ist weitgehend beendet. Nur sehr spät reifende Sorten und noch einmal blühende (remontierende)  Erdbeeren werden jetzt noch geerntet.

Wie sieht's bei den Kirschen aus?

Riehl: Die Kirschernte hat 2019 etwa zwölf Tage später begonnen als im Vorjahr. Zur Zeit hängen noch spätreifende Süßkirschensorten und Sauerkirschen an den Bäumen.

Was wird als nächstes geerntet?

Riehl: In dieser Woche beginnt die Ernte der ersten Frühsorten bei Zwetschgen. Auch hier liegen wir etwa 14 Tage später als im Vorjahr. Der Zwetschgenanbau zeichnet sich durch eine besonders große Sortenvielfalt aus. Die Zwetschgensaison dauert von Juli bis Oktober.

Ein Blick auf die Preisentwicklung ...

Riehl: Obstkäufe sind wichtige Beiträge zu einer gesunden Ernährung. Steigende Löhne und Produktionskosten können, wie in anderen Branchen auch, langfristig aber nur über steigende Preise kompensiert werden.

Was gibt es ansonsten an Neuerungen oder Entwicklungen im Obstanbau?

Riehl: Der Anbau und die Nachfrage beim Beerenobst ist steigend. Insbesondere Himbeeren und Heidelbeeren sind stark im Trend. Auch die Vielfalt an Apfelsorten nimmt weiter zu. Hier sind besonders knackige Sorten mit gutem Aroma beim Verbraucher gefragt.

Thema Bienen und Bestäubung: Wie sehen Sie die Lage?

Riehl: Viele Obstbauern setzen schon seit einigen Jahren verstärkt auf die Hilfe natürlich vorkommender heimischer Wildbienenarten, indem sie diesen Nisthilfen in der Obstanlage anbieten. Das klappt hervorragend. Geeignete Ansaaten zwischen den Bäumen bieten den Insekten zusätzlich ein vielfältiges Nahrungsangebot. Bestäubungsprobleme können wir nicht beobachten.

Wie viele Obstanbauer mit welchen Flächen gibt es im Landkreis Kitzingen?

Riehl: 129 Betriebe bauen Kern- und Steinobst auf einer Fläche von 230 Hektar an. Auf 76 Hektar Fläche werden Erdbeeren und Beerenobst erzeugt.

Ist beim Obstanbau eigentlich alles Handarbeit?

Riehl: Überwiegend. Eine maschinelle Ernte ist nur bei der Erzeugung von Verwertungsobst möglich. Tafelobst für den Frischverzehr muss sorgsam von Hand geerntet werden.

Wie sieht es beim Thema Nachwuchs im Bereich der Obstanbauer aus – gibt es da Probleme?

Riehl: Es gibt sicher Branchen, die höhere Ausbildungszahlen vorweisen können. Da es sich bei unseren regionalen Erzeugern um Familienbetriebe handelt, schlagen zumeist die Betriebsnachfolger den Weg zu einer Obstbauausbildung ein. Nach der Ausbildung zum Gärtner, Fachrichtung Obstbau folgt dann in der Regel noch eine Weiterqualifizierung zum Obstbaumeister. Die Betriebsleiter sind also bestens ausgebildet.

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