IPHOFEN

Freitags-Fragen: Lebenslust statt Perfektion

Perfekt sein zu wollen – das wird schnell zum Problem. Perfektionismus kann in Familien, Beziehungen und am Arbeitsplatz zu Unstimmigkeiten führen. „Wenn gut noch nicht gut genug ist – Ab wann Perfektionismus krank macht“ lautet ein VHS-Vortrag der Heilpraktikerin Silke Rautenbach (Foto Koch) am Mittwoch, 25. Juni, in Iphofen (Anmeldungen bei der VHS).
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Freitags-Fragen: Lebenslust statt Perfektion

Perfekt sein zu wollen – das wird schnell zum Problem. Perfektionismus kann in Familien, Beziehungen und am Arbeitsplatz zu Unstimmigkeiten führen. „Wenn gut noch nicht gut genug ist – Ab wann Perfektionismus krank macht“ lautet ein VHS-Vortrag der Heilpraktikerin Silke Rautenbach (Foto Koch) am Mittwoch, 25. Juni, in Iphofen (Anmeldungen bei der VHS).

Frage: Der Vorteil, ein Perfektionist zu sein?

Silke Rautenbach: Es gibt viele Bereiche, in denen genau gearbeitet werden muss. Der Perfektionist wird solche Aufgaben 'stets zur vollsten Zufriedenheit' ausführen. Ehrgeiz spornt zu Leistungen an. Aber zwischen diesem Ehrgeiz und dem Anspruch perfekt zu sein, liegen Welten.

Welche Nachteile hat Perfektionismus?

Rautenbach: Der Perfektionist sieht immer nur, was noch fehlt, was verbessert werden könnte. Niemals stellt sich Zufriedenheit ein über das, was er erreicht hat. Dadurch steigt der Druck und es sinkt die Lebensfreude. Der Perfektionist lebt nur in der Zukunft, weil die erstrebten 100 Prozent fast nie erreicht werden.

Woher kommt das Streben nach Perfektionismus?

Rautenbach: Oft ist es so, dass der Perfektionismus Mängel und Defizite ausgleicht. Die Jagd nach Liebe und Anerkennung steht meist an erster Stelle. Wir haben schon als Kind gelernt, wenn wir etwas gut machen, bekommen wir Lob und Zuwendung. So hat sich der Glaubenssatz geprägt: Wenn ich etwas leiste, werde ich geliebt.

Perfekt sein zu wollen – machen wir uns da nicht etwas vor?

Rautenbach Wir sind Menschen mit unseren Stärken und Schwächen. Nur wollen wir uns das manchmal nicht eingestehen. Wir sind keine Maschinen.

Wann kippt das Streben nach Perfektionismus ins Negative?

Rautenbach: Wenn das Gefühl der Überforderung immer stärker wird und der Perfektionist das Erwartete – Zuwendung, Bestätigung, Anerkennung und Liebe – nicht bekommt. Dann ist der Weg zur psychischen Erkrankung nicht weit.

Was passiert bei zu viel Druck?

Rautenbach: Unter dem Druck des großen Rucksacks der Perfektion, den sich der Mensch aufschultert, schwinden bald Lebenslust und Lebensfreude. Nicht selten kommt es zu Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, Überforderungsgefühle, Schlaflosigkeit. Zuletzt stellt man sich die Frage: Wofür mache ich das eigentlich?

Wie entkommt man der Perfektionisten-Falle?

Rautenbach: Hilfreich ist eine Differenzierung, in welchen Bereichen man gut sein möchte. Das Wichtigste ist, seine eigenen oft unbewussten Bedürfnissen herauszufinden, die der Perfektionismus vermeintlich kompensiert.

Ihre Tipps für ein entspannteres Leben?

Rautenbach: Mensch sein mit allen Stärken und Schwächen, seine Bedürfnisse wahrnehmen, Mut haben zur Unvollkommenheit – sind es nicht oft die kleinen Schwächen, die uns Menschen liebenswert machen?

Was bedeutet Lebensqualität für Sie?

Rautenbach: Genussfähigkeit, aktive Lebensplanung, gesundes Verhältnis von Arbeit und Freizeit.

Was passiert bei dem Kurs am 25. Juni?

Rautenbach: Wir beschäftigen uns mit Zusammenhängen, Ursachen, Wirkung und Lösungen.

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