Kitzingen

Freispruch vor Gericht: Ein Fingerabdruck allein reicht nicht

Eine vierfache Mutter aus dem Ruhrgebiet soll Gold und Schmuck aus der Wohnung eines kranken Mannes in Kitzingen gestohlen haben. Zu beweisen war ihr die Tat nicht.
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Justitia (Symbolbild) Foto: Arne Dedert

Der Diebstahl einer feuerfesten Kassette mit Dokumenten, Goldmünzen und Schmuck aus einer Wohnung in Kitzingen vor fast vier Jahren bleibt ungeklärt. Eine 28-Jährige, die sich dafür wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht verantworten musste, ist freigesprochen worden. Der Tatnachweis war nicht zu führen. Ein Fingerabdruck auf einem der Dokumente reichte aus Sicht der Gerichts nicht für eine Verurteilung. Die Frau, die in Handschellen aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde, konnte den Gerichtssaal ohne Fesseln verlassen.

Auch wenn der Staatsanwalt in seinem Plädoyer betonte "ich glaube Ihnen nicht", war der Diebstahl nach der Hauptverhandlung und vier Zeugen nicht nachzuweisen. Auch die Version der Frau, mit der sie ihren Fingerabdruck auf einem der Dokumente erklärte, war nicht zu widerlegen. Mehr Beweise gab es nicht.

Die Anklage war davon ausgegangen, dass die Frau im November 2016 "einen alten und dementen Mann" vermutlich mit der Frage nach etwas Essbarem überrumpelt und sich Zugang zu dessen Wohnung verschafft hat. Nach dem Besuch waren Chips aus der Küche und ein Feuerschutztresor mit Urkunden und Dokumenten sowie acht Goldmünzen, Schmuck und Zahngold im Wert von rund 450 Euro aus dem Schlafzimmerschrank verschwunden.

Angeklagte wird in Handschellen gebracht

Die Kassette wurde einen Tag später in einem Wäldchen neben einem Autobahnparkplatz gefunden und zur Polizei gebracht, Dort  stellte sich heraus, dass alle Dokumente da waren, Schmuck und Gold allerdings fehlten. Bei der Spurensicherung fiel ein Fingerabdruck auf. Die Spur führte zu der 28-Jährigen, die im Ruhrgebiet wohnt und angeklagt wurde. Nachdem sie einen Termin hatte platzen lassen, erging Haftbefehl. Seit dem 1. Januar saß sie in Untersuchungshaft und wurde jetzt in Handschellen in den Sitzungssaal gebracht.

Dort erklärte die vierfache Mutter, sie sei nie in der Wohnung gewesen. "Ich schwöre bei meinen Kindern, dass ich nichts geklaut habe", sagte sie. Die Geschichte mit dem Fingerabdruck erklärte sie mit einem Familienausflug. Die Tagestour habe sie nach Franken und hier auf einen Autobahnparkplatz geführt. Während der Pinkelpause der Kinder sei ihr die aufgebrochene Kassette aufgefallen. "Ich habe da reingelangt", sagte sie, aber alles liegen lassen. "Wenn ich gewusst hätte, was das für Folgen hat, hätte ich die Finger weggelassen."

Zeuge ist mittlerweile gestorben

Damit wurde der Tatnachweis schwierig. Da halfen auch vier Zeugen nicht weiter. Niemand hat die Frau am oder in dem Haus gesehen. Der Mann, der nach Angaben des Sohnes "höchstens für eine halbe Stunde allein war" und die Frau in die Wohnung gelassen hat, war nach Angaben seiner Ehefrau zu "hundert Prozent dement". Er ist inzwischen gestorben. "'Eine Frau, eine Frau', mehr hat er nicht gesagt", so die Witwe als Zeugin. Auch der Sohn hatte keine weiteren Hinweise. Weil eine Spurensicherung in der Wohnung nicht stattgefunden hatte, blieb nur der Daumenabdruck.

Nach dem Ende der Beweisaufnahme ging es schnell. Der Staatsanwalt sah keine andere Möglichkeit und plädierte auf Freispruch, der Pflichtverteidiger der Frau schloss sich an. Strafrichterin Helga Müller konnte sich kurz fassen, verkündete den Freispruch und ordnete die Aufhebung des Haftbefehls an. Zudem erhält die Frau für die erlittene Untersuchungshaft eine Entschädigung.

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