Kitzingen

Freispruch: Messereinsatz bleibt ungeklärt

Aus dem Gericht: Mit einem Teppichmesser soll ein 31-jähriger Asylbewerber einen Landsmann verletzt haben – nachzuweisen war das nicht
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Um einen Streit unter Asylbewerbern ging es vor der Kitzinger Strafrichterin. Foto: Thinkstock

Mit einem Freispruch endete ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen einen 31-Jährigen in Kitzingen. Die Anklage hatte dem Mann vorgeworfen, bei einer Auseinandersetzung in der Asylbewerberunterkunft am Steigweg einen 21-jährigen Mitbewohner mit einem Teppichmesser und mit Steinen attackiert zu haben. Nach gut einer Stunde Verhandlung und widersprüchlichen Aussagen war völlig unklar, wer das Opfer und wer der Täter war. Die Folge war ein Freispruch nach dem Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten.

Und Zweifel gab es genügend, nachdem der Angeklagte und sein ehemaliger Mitbewohner ihre jeweils eigene Sicht der Dinge dargelegt hatten. "Wir haben zwei sich diametral widersprechenden Aussagen", sagte dazu der Staatsanwalt. Der einzige neutrale Zeuge entlastete zudem eher den Angeklagten und belastete das vermeintliche "Opfer". "Es passt hinten und vorne nicht zusammen", sagte der Staatsanwalt und beantragte Freispruch. Der Pflichtverteidiger hatte nicht viel zu ergänzen. Das Gericht sprach den 31-Jährigen frei. Die Kosten trägt die Staatskasse.

Verletzung mit Teppichmesser

Damit stand am Ende mehr oder weniger das fest, was im Dezember 2018 schon im Polizeibericht gestanden hatte. Danach ist es an dem kalten Tage zwischen den zwei Bewohnern in der Unterkunft offenbar zum Streit um ein geöffnetes Fenster gekommen. Es gab eine Schlägerei, Faustschläge und leichtere Schnittverletzungen durch ein Teppichmesser. Später ging es vor dem Gebäude mit weiteren Schlägen weite, offenbar auch mit Steinen. Die Auseinandersetzung endete für beide in der Ambulanz des im Krankenhaus.

Über den genauen Ablauf gab es zwei Versionen. Das gilt für den Auslöser der Schlägerei ebenso wie für die Frage, wie das Messer zum Einsatz kam und wer es benutzt hat. Und auch bei den Schlägen oder Würfen mit Steinen präsentierte jeder seine eigene Version. Der einzige Zeuge konnte auch nicht wirklich weiter helfen. Seiner Aussage nach war nicht der Mann auf der Anklagebank der Angreifer, sondern eher sein jüngerer Zimmernachbar, das als Zeuge und "Opfer" auftrat.

Keine Fragen mehr

Nach gut einer Stunde hatte das Gericht genug gehört. Die Richterin bat die "Männer in den Roben", also Staatsanwalt und Verteidiger, zu einem Gespräch. Danach sagte sie: "Wir haben beschlossen, dass wir keine Fragen mehr haben" und bat um "möglichst kurze Plädoyers". Die fielen knapp und eindeutig aus und endeten mit den Anträgen auf Freispruch. Den gab es und den Hinweis des Gerichts an den Angeklagten: "Gehen Sie und kommen Sie nie wieder."

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