Volkach

Freibad: Lautstarker Protest überlagert Stadtratssitzung

Trotz Regens protestierten 200 bis 300 Menschen in Volkach mit Pfeifen, Hupen und Plakaten gegen die Freibad-Schließung. Das Thema eroberte die Stadtratssitzung.
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Zwischen 200 und 300 Bürger protestierten am Montagabend vor dem Volkacher Rathaus vor und während der Stadtratssitzung gegen den Entschluss von Bürgermeister Peter Kornell, das marode Freibad in Volkach in diesem Sommer aus Sicherheitsgründen nicht mehr zu öffnen. Foto: Michael Mößlein
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So ähnlich muss sich ein Kabinett in Zeiten der Revolution fühlen: Während am Montagabend im Sitzungssaal des Volkacher Rathauses der Stadtrat tagt, protestiert auf dem Marktplatz davor eine Menschenmenge dagegen, das Freibad in diesem Sommer – womöglich für immer – nicht mehr zu öffnen. Trillerpfeifen, Tröten und Hupen machen kräftig Lärm. Dazwischen fordern Sprechchöre immer wieder "Freibad auf!", während der Regen die selbst gestalteten Plakate aufweicht.

Die Polizei, die mit zwei Beamten vor Ort ist, spricht von gut 200 Protestierenden. Der Förderverein Volkacher Bäder, der zum Protest aufgerufen hat, vermeldet in Sozialen Medien 300 Teilnehmer. Darunter sind viele Junge. Im Ratssaal ist zwischendurch kaum eine Wortmeldung zu verstehen, so laut schallt es durch die geschlossene Tür herein. Die Protestler bevölkern die Rathaustreppe und das Foyer vorm Sitzungssaal. Zwischenfälle und Probleme verzeichnet die Polizei keine, wie sie am Dienstag berichtet.

Zuhörer im Saal bleiben ruhig

Probleme haben drinnen die Stadtratsmitglieder, eine geordnete Sitzung abzuhalten. Den kurzen Part des Bauausschusses spult Bürgermeister Peter Kornell routiniert ab. Doch dann, mit Beginn der Stadtratssitzung, drängt sich das Thema "Freibad" zwangsläufig auf, obwohl es laut Tagesordnung nicht vorgesehen ist. Im Saal sind mittlerweile alle Zuhörerplätze besetzt; dort bleibt es ruhig. Dafür ist es vor der Tür umso lauter. "Wenn jemand die Verantwortung übernimmt, machen wir auf", sagt der Bürgermeister. Doch diesen Schritt wagt keiner im Stadtrat.

Dann wagt er selbst den Versuch. Er möchte mit den Bürgern vor der Tür sprechen. Doch es bleibt beim Versuch: Nach wenigen Augenblicken und einem Schwall von "Buh"-Rufen schließt Kornell die Tür wieder. "Ich glaube nicht, dass jemand hören möchte, was ich zu sagen habe", hat er schon vorher vermutet.

Laut Bürgermeister scheitert die Freibad-Sanierung am Geld

Im Sitzungssaal verteidigt er seinen Entschluss, das Freibad nicht zu öffnen . Weil Mitarbeiter ihm schriftlich mitgeteilt hätten, dass sie keinen sicheren Betrieb gewährleisten könnten, sei ihm als Bürgermeister nichts anderes übrig geblieben. Doch das bedeute nicht, dass er das Bad für immer schließen möchte: "Das ist Blödsinn." Wenn das Geld vorhanden wäre, würde er sofort den Auftrag vergeben, das Bad zu sanieren, erklärt Kornell.

Er hat Zahlen mitgebracht, die widerlegen sollen, dass die Stadt die vergangenen Jahre ins Freibad nichts investiert hat. 914 000 Euro habe man seit 1999 ins Bad gesteckt, für Reparaturen und den Unterhalt, berichtet der Bürgermeister. Zugleich sanken die Besucherzahlen. Im Hitzesommer 2018 waren es 45 000 Badegäste, im ähnlich heißen Sommer 2003 noch 103 000 Besucher.

Vier Jugendliche wenden sich mit Fragen an den Bürgermeister

Vier klatschnassen Jugendlichen, die plötzlich als eine Art Delegation der Demonstranten im Saal stehen, erklärt Kornell, dass er verantwortungsbewusste Politik darin sehe, ihrer Generation und ihren Kindern keine Schuldenberge zu hinterlassen. Eine Sanierung des Freibads koste mindestens sechs Millionen Euro – netto. Als die Jugendlichen wissen möchten, wofür die Stadt das meiste Geld ausgibt, zählt der Bürgermeister die jüngsten Großprojekte auf: Kläranlage und Hallenbad, und die Mittelschule stehe an.

Als Kornell ein mögliches Bürger- oder Ratsbegehren erwähnt, das einer Freibad-Sanierung den Weg ebnen könnte, erntet er den Widerspruch von Herbert Römmelt (FW): "Das wird der Stadtrat nicht genehmigen, weil er die Verhältnisse kennt." Tags darauf verteidigt Kornell auf Nachfrage dieser Redaktion ein, wie er es nennt, "ehrliches Bürgerbegehren". Das würde den Volkachern die Entscheidung übertragen, ob und in welcher Höhe sich die Stadt für eine Badsanierung verschulden sollte. Für ein Ratsbegehren sehe er derzeit zu viele Bedenken im Stadtrat – und man solle erst den Runden Tisch im Sommer (ein Termin steht noch nicht fest) abwarten und mögliche Fördermittel klären, argumentiert Kornell.

Förderverein wirft der Stadt Unwillen vor

Als nach einer Stunde das Pfeifkonzert abebbt und schließlich verstummt, bleibt die Frage, was die Aktion bewirkt hat. Der Förderverein Volkacher Bäder meldet sich tags darauf per Stellungnahme zu Wort. Darin erneuert er den Vorwurf, die Verantwortlichen der Stadt hätten den Traum vom Freibadbetrieb absichtlich platzen lassen . Die Fliesen- und Fugenschäden an den Schwimmbecken hätten repariert werden können, womit Helfer bereits begonnen hätten. Der Stadt wirft er vor, quasi mit der Lupe nach Stellen gesucht zu haben, von denen eine Verletzungsgefahr ausgehen könnte. Nicht Sicherheitsverantwortung, sondern der Unwille der Stadt habe dazu geführt, dass das Bad geschlossen bleibe, so bilanziert der Verein.

Einem Vorwurf des Vereins, im Freibad sei zufällig ein Lager mit circa 3000 Fliesen im Wert von 20 000 Euro entdeckt worden, obwohl die Stadt behauptet hat, zur Reparatur geeignete Fliesen müssten als Sonderanfertigung hergestellt werden, entgegnet der Bürgermeister: Das Lager sei längst bekannt, aber diese Fliesen seien nicht zum Ausbessern aller defekten Stellen geeignet.

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