Wiesentheid

Frauenpower: Männer nur als heiße Feger erlaubt

Die 11. Frauensitzung der Kokage begeistert 800 verkleidete Zuschauerinnen in der Wiesentheider Steigerwaldhalle.
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Da schlagen Frauenherzen höher: Die Artisten Jim und John Förster wurden nicht nur bei den Elferrätinnen zu Lieblingen in der Frauensitzung der Kokage in Wiesentheid. Foto: Andreas Stöckinger
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Die Antike mit Ägyptens sagenumwobener Königin Kleopatra und dem alten Rom ihres Verehrers, Kaiser Julius Cäsar, hatten sich die Frauen der Wiesentheider Faschingsgesellschaft (Kokage) diesmal als Motto für ihre Jubiläumssitzung ausgesucht. Gemeinsam mit 800 Frauen, die sich getreu des Themas "Kleopatra küsst Cäsar" verkleidet hatten, wurde die elfte Auflage der Frauensitzung gefeiert. Vier Stunden lang ging alleine bei der Sitzung die Post ab, zur Party hinterher heizte erstmals eine Live-Band noch einmal richtig ein. Männer durften nur als Helfer für die Bewirtung, oder als Akteure auf der Bühne, für Unterhaltung der Damen sorgen.

Schon der Einzug beim närrischen Abend in der prächtig dekorierten Halle hatte es in sich. Auf einem riesigen Streitwagen stehend, ließen sich die beiden Sitzungspräsidentinnen Birgit Kober und Heidi Skorepa von zwei muskelbepackten Männern in die Halle ziehen. Passend dazu erklangen die Fanfaren der eigens engagierten Musiker vom Spielmannszug aus Wiesenbronn, so dass man sich gleich wie in der Antike fühlte.

Gelungener Mix

Zwei Gladiatoren knieten dann auf der Bühne neben den Sitzungspräsidentinnen. "Seid gegrüßt, ihr Römer und Ägypterinnen! Weder Rom, noch Cäsar regieren, heute regieren die Frauen", stellte Birgit Kober gleich einmal klar. Und das war auch so. Was folgte, war ein abwechslungsreicher und stimmungsvoller Mix aus Akrobatik, Tanz, und spitzigen Wortbeiträgen, ganz nach dem Geschmack der Zuschauerinnen.

Den Auftakt durfte mit Ines Procter gleich eine Frau machen, die bereits in Wiesentheid, aber auch bei "Fastnacht in Franken", aufgetreten ist. "Wenn die Männer heut' wieder allein daheim sind - ich will nicht wissen, wie es morgen bei euch daheim wieder aussieht", sprach sie wohl dem weiblichen Publikum aus dem Herzen. Als leid geprüfte Ehefrau und Mutter schilderte sie ihre Tätigkeit als Haushaltsmanagerin wieder fränkisch, frech, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Zielscheibe für ihre verbalen Spitzen war meist das männliche Geschlecht.

Dass er in jede Rolle schlüpfen kann, zeigte Verwandlungskünstler Stefan Dietrich. In seiner tollen und kurzweiligen Show legte hin. Zu Hits und bekannten Liedern der letzten Jahrzehnte ließ er die Puppen tanzen, teilweise auch deren Hüllen fallen. Der Wirbelwind begeisterte den Saal, der bei den Schlagern lautstark mitsang. Genial war seine Zugabe, als er sich in ein Gestänge mit vier Puppen zwängte und dieses zu "YMCA" im Takt tanzen ließ. Über Stangen lenkte er das Ganze und ging dabei sogar ins Publikum.

Die feminine Seite

Nicht nur für diese Nummer gab es stehenden Applaus der närrischen Frauen. Die Damen ließen sich auch bei den Stimmungsliedern zwischendurch nicht bitten und verwandelten den Saal in eine riesigen Party-Tempel. Dabei durfte das Publikum auch mal auf der Bühne mit den Elferrätinnen tanzen.

Später folgte "Das Eich", alias Kabarettist Stefan Eichner. "Ich habe keine Ahnung, was ihr nehmt. Aber ich hätte auch gerne was davon", beeindruckte ihn die Stimmung des Publikums. Seine "feminine Seite" kehrte der Wortakrobat aus Kulmbach hervor. "Zynisch-bekloppten", wie er selber sagte, waren seine Geschichten, etwa die Erlebnisse auf Kreuzfahrten.

Zum absoluten Hingucker wurde die Berliner Akrobaten Jim und John Förster, die zunächst harmlos als Bühnenfeger mit dem Besen kehrten. Die beiden knackigen jungen Männer ließen bei ihren Kunststücken ihre Muskeln, aber auch ihren Charme, kräftig spielen, sehr zur Begeisterung der Damenwelt. Das Brüder-Duo ließ den Saal erst recht johlen, als sie zum Schluss die Hüllen fallen ließen. "Ihr seid zwei wirklich heiße Feger", zeigten sich nicht nur die Sitzungsleiterinnen recht angetan.

Ganz schön baff

Dazu wurde das Programm der Kokage-Frauen von Tanzeinlagen der Extraklasse bereichert. Mit dabei war mit der Formation "Members of the Dance" aus der Gegend von Erding eine Tanz-und Akrobatiktruppe, die zu "Romeo und Julia" ihre Künste eindrucksvoll zeigten. "Wow! Mir fehlen die Worte", war nicht nur Präsidentin Heidi Skorepa hinterher baff.

Garniert wurde der Abend zudem mit zum Teil weit angereisten Männerballetts, die in ihrem Genre zu den Besseren zählen. Die "Windboys" aus Herxheim in der Pfalz, die "Lackschuh" aus Thalau in der Nähe von Fulda, oder die "Gang 2.0" aus Steinbach in Hessen zeigten ihr Können. Wahrlich nicht zu verstecken brauchten sich dabei die "Gentlemen" der gastgebenden Kokage mit ihrer schwungvollen Nummer. Zum Anfang wirbelte die Truppe aus Oberthulba auf der Bühne, den krönenden Abschluss machten mit den "Turdedancer" aus Zellingen der Deutsche Meister, der im Vorjahr als erstes Männerballett bei Fastnacht in Franken ran durfte.

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