GIEBELSTADT

Franken in Flammen

Feuer, Leidenschaft, Pyrotechnik: Der Regisseur der Florian-Geyer-Spiele hat aus dem Historienspektakel eine Trilogie gemacht.
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Franken in Flammen: Renier Baaken hat die Geschichte des Reichsritters Florian Geyer neu geschrieben. Als Trilogie ist das actiongeladene Spektakel rund um den Bauernaufstand auf der Freilichtbühne in Giebelstadt zu erleben. Foto: Foto: Geyer-Festspiele
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Reichsritter Florian Geyer war aus besonderem Holz geschnitzt. Der jüngste von drei Brüdern aus dem fränkischen Adelsgeschlecht „Geyer von Giebelstadt“ erbte schon als junger Bursche um das Jahr 1500 ein beachtliches Vermögen und umfangreiche Ländereien – sein Vater Dietrich und seine beiden älteren Brüder waren früh gestorben. Doch er verzichtete auf ein Leben im Luxus und stand seinen Mann im Kampf gegen die Unterdrückung der Bauern.

Die heldenhafte, historisch belegte Geschichte um den Ritter Florian Geyer fesselt die Franken seit langem. Auf der Freilichtbühne in seinem Geburtsort Giebelstadt schlagen der renommierte Regisseur Renier Baaken und sein Team heuer ein neues Kapitel der Florian-Geyer-Spiele auf. Baaken hat eine Trilogie geschrieben, die neue Charaktere, Episoden und Effekte ins Spiel bringt. „Franken in Flammen“ heißt der erste Teil, der die Anfänge des Bauernaufstandes schildert: die Wut der Bauern auf Adel und Klerus, die immer größere Abgaben fordern – bis Ritter Florian Geyer nicht mehr tatenlos zusehen will...

Frage: Herr Baaken, aus einem abendfüllenden Stück über das Leben des Florian Geyer haben Sie nun drei gemacht. Warum?

Renier Baaken: Ganz einfach: Weil Geyers Leben jede Menge Stoff für mitreißende, actiongeladene und fesselnde Szenen ergibt – viel zu viel für einen Abend. Vor der alten Burgmauer der Giebelstadter Freilichtbühne beginnt mit „Franken in Flammen“ ein historisch belegtes Abenteuer...

... dessen Ausgang Sie aber nicht umgeschrieben haben, oder?

Baaken: Nein, natürlich nicht. Am Ende stehen nunmal Blut, Tränen und Untergang. Aber die Geschichte hat ja jetzt drei Teile – 2017 folgt „Die Macht des Blutes“ und 2018 „Der Herr des Zorns“ – und der erste Teil geht auf jeden Fall positiv für Reichsritter Florian Geyer aus. Mehr verrate ich jetzt aber lieber nicht.

Sie sind bereits seit 26 Jahren der künstlerische Leiter der Florian-Geyer-Spiele. Was reizt Sie an dieser Aufgabe so besonders?

Baaken: Ich bin gebürtiger Rheinländer und habe viele Jahre an Stadttheatern zugebracht, zuletzt als Chefdramaturg in Würzburg. Als ich diese Stelle 1989 gekündigt hatte, kam mein Vorgänger bei den Geyer-Spielen auf mich zu und sagte: „Du wirst mein Nachfolger.“ Und ganz im Ernst: Mir hatte es in Unterfranken unheimlich gut gefallen – so gut, dass ich mir gewünscht hatte, hier einmal ein Standbein zu haben. Also hab' ich bei den Geyern angefangen. Zuerst hab' ich wegen des fränkischen Dialekts fast nichts verstanden. Aber die ganz eigene Atmosphäre hat mich schnell begeistert.

Was ist daran so „ganz eigen“?

Baaken: Zum einen natürlich die Kulisse der alten Burg. Zum anderen die Tatsache, dass hier Amateurschauspieler aus ganz Franken mit anspruchsvollen künstlerischen Ambitionen den Großteil ihrer Freizeit „opfern“, um dem Publikum etwas Besonderes zu bieten. 130 Menschen spielen mit, die Gruppe ist sozial äußerst vielschichtig. Da schmeißt sich der Schlosser neben dem Oberregierungsrat in den Dreck.

Im wahrsten Sinn des Wortes?

Baaken: Ja. Für die „wilden“ Szenen haben wir eine Dreckschleuse eingeführt, einen Schlammeimer, aus dem alle Akteure „bedient“ werden. Anfangs hab? ich dafür wüste Beschimpfungen bekommen, mittlerweile reißen sich Groß und Klein fast um einen Aufenthalt an der Schlammschleuse…

Klingt nach schmutzig viel Spaß – und so, als hätten Sie keine Nachwuchssorgen.

Baaken: Nachwuchssorgen müssen wir uns in der Tat nicht machen. Es kommen immer mal neue Leute dazu. Außerdem harmonieren Jung und Alt sehr gut. Es macht richtig Spaß, mit dem Geyer-Team zu arbeiten. Und die Nähe zum Publikum ist auch toll. Nach der Vorstellung unterhält man sich oft noch mit Gästen.

Was ist für Sie das Schönste an der Arbeit als Regisseur?

Baaken: Die Macht! (lacht) Nein, im Ernst: Ich liebe diesen ultimativ-kreativen Prozess, den jedes Stück bis zur Aufführung durchläuft. Wie bei einem Bildhauer, der mit einem Steinklotz anfängt und daraus ein Kunstwerk entstehen lässt, so ist es auch bei uns. Anfangs bin ich der Einzige, der weiß, wie das Gesamtwerk einmal aussehen soll. Aber dann entwickelt sich in Zusammenarbeit mit den Schauspielern noch einiges.

Welche unbekannten Facetten hat denn die Geschichte um den heldenhaften Ritter Florian Geyer noch?

Baaken: So einige. Zwölf Jahre lang hatten wir bisher immer eine ganz ähnliche Geschichte erzählt, so dass es beim Publikum hieß: „Da brauchen wir nimmer hin, das kennen wir ja schon.“ Daraufhin habe ich mal tief durchgeatmet und gesagt: Dann machen wir eine Trilogie daraus. Ich habe ein ganz neues Stück geschrieben, viel lockerer als das alte und mit noch viel größerem Unterhaltungswert.

Mehr „Action“ also und weniger Geklammere an historische Fakten?

Baaken: Die Leute kommen ja nicht zu uns, um sich Geschichtsunterricht erteilen oder sich belehren zu lassen. Sie wollen in erster Linie unterhalten werden. Auf so einer riesigen Freilichtbühne muss was passieren! Bisher haben wir den kompletten Bauernkrieg in zwei Stunden erzählt, jetzt gibt es die Abenteuer Florian Geyers an drei Abenden mitzuerleben. Unser Schneiderei-Team hat in den vergangenen Monaten wie wild genäht, um die vielen neuen Kostüme rechtzeitig fertig zu bekommen.

Korrupte Adlige, geknechtete Bauern, ein Reliquienskandal und Völlerei auf der Festung Marienberg in Würzburg: Woher haben Sie Ihre Ideen für einzelne Szenen genommen?

Baaken: Ich habe einen Riesenstapel Geschichtsbücher zuhause. Da war es nicht schwer, neue Rollen und Charaktere zu entwickeln, zum Beispiel den vom Fürstbischof herbeizitierten Reliquienhändler. 40 der 130 Mitspieler haben Sprechrollen. Außerdem kommen natürlich Pferde zum Einsatz. Und Pyrotechnik! Allein die Vorbereitung der Pyrotechnik benötigt pro Vorstellung acht Stunden. Bei „Franken in Flammen“ ist der Name Programm.

Eintrittskarten

Wo und wann?„Franken in Flammen“ ist freitags und samstags, 15./ 16. Juli, 22./23. Juli sowie 29./30.Juli jeweils ab 20.30 Uhr auf der Freilichtbühne in Giebelstadt zu erleben. Es ist der erste Teil einer Trilogie. Tickets gibt es unter www.florian-geyer-spiele.de (mit Platzauswahl) oder telefonisch (ADticket-Service) unter 0180/6050400.

Info: www.florian-geyer-spiele.de

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