NENZENHEIM

Franken-Metaller mit Durchhaltevermögen

Wenn es aus dem Proberaum in einem ersten Stock mitten in Nenzenheim dumpf dröhnt und dabei rockt, dann sind sie am Werk: Nump, die alternative Metal-Band mit den Art-Rock-Einflüssen, die am 20. April bereits ihre dritte CD vorlegt. Ein großer Schritt für die Band um Sänger Christian Seynstahl, der im Interview allerdings erklärt, wie schwer man es als junge, fränkische Band heutzutage hat.
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Metal aus Franken: „Nump“ mit Sänger Christian Senstahl (Zweiter von rechts) und dem Nenzenheimer Schlagzeuger Jochen Waigand (links) wollen es mit ihrer dritten CD endlich wissen. Foto: Foto: Melanie Kirschner

Wenn es aus dem Proberaum in einem ersten Stock mitten in Nenzenheim dumpf dröhnt und dabei rockt, dann sind sie am Werk: Nump, die alternative Metal-Band mit den Art-Rock-Einflüssen, die ihren Sitz bundesweit offiziell mit „Würzburg“ angibt, deren Mitglieder jedoch unter anderem aus Nenzenheim, Schwarzach und Hohenfeld stammen und die im kleinen Iphöfer Ortsteil nicht nur ihre Songs proben, sondern dort sogar aufnehmen.

Mit „Eruption“ legen die Musiker am 20. April bereits ihre dritte CD vor, die über das Osnabrücker Label Time Zone Records vertrieben wird. Ein großer Schritt für die Band um Sänger Christian Seynstahl, der im Interview allerdings erklärt, wie schwer man es als junge, fränkische Band heutzutage hat.

Frage: Neues Label, neues Album – geht's jetzt so richtig los bei euch?

Christian Seynstahl: Im Musikbusiness hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert: Während Bands früher live gespielt haben, um für ihre Alben Werbung zu machen und den Absatz zu steigern, hat sich das spätestens mit der Etablierung des Web 2.0 und der MP3 genau ins Gegenteil gekehrt. Das hat auch bei den kleinen Bands Spuren hinterlassen. Wir erhoffen uns natürlich, dass wir mit diesem Album unseren mittlerweile überregionalen Bekanntheitsgrad ausbauen und neue Auftritte an Land ziehen können. Im Radio und im Fernsehen waren wir ja schon. 2010 waren wir beispielsweise beim Besuch von „On3-Südwild“ in Kitzingen zu Gast und unsere Songs werden bei diversen Web-Radios gespielt. Bei Radio Gong waren wir auch schon bei den „10 Minutes Of Fame“ im Studio. Das steigert definitiv unseren Bekanntheitsgrad – damit hat man es aber noch längst nicht geschafft.

Wie habt ihr „Eruption“ produziert, und inwiefern unterscheidet sich die neue Scheibe von ihren Vorgängern?

Seynstahl: Diesmal haben wir fast schon eine Eigenproduktion gemacht: Die Gitarren wurden im Musikzimmer von Thorsten in Schwarzach, das Schlagzeug im Keller von Jochen in Nenzenheim, der Bass in Kais Wohnung in Plauen, die Keyboards in meiner Wohnung in Würzburg und der Gesang im Nenzenheimer Proberaum aufgenommen. Das Ganze haben wir dann unserem Produzenten auf seinen Server hochgeladen. Der Vorteil ist natürlich, dass jeder von uns sich richtig viel Zeit für seine Aufnahmen nehmen konnte. Aber auch stilistisch haben wir neue Wege beschritten: Die Songs auf „Eruption“ sind im Gegensatz zur letzten Platte deutlich grooviger und eingängiger.

Inwiefern würdest du sagen, habt ihr euch seit der Bandgründung als Gruppe entwickelt?

Seynstahl: Wir haben als junge, kleine Rockband angefangen, die mit Spaß, aber auch einem gewissen Anspruch an die Sache heran gegangen ist. Das hört man dann auch in der ersten Scheibe „Sigh of Relief“. Über die Jahre hinweg haben wir eine zunehmend progressivere und etwas düstere Stimmung aufgenommen. „Eruption“ zeigt nun eine völlig neue Seite: Die Songs sind noch vielseitiger, teilweise etwas härter, aber mit so viel Freude und einer hörbaren Aufbruchsstimmung geschrieben, das man das gar nicht so krass wahrnimmt. Ich glaube, wir sind einfach erwachsener geworden, haben alle ein eigenes Leben aufgebaut, aber uns in der Band einen Freiraum für ein bisschen Rest-Verrücktheit erhalten. Wir nehmen uns nicht mehr so ernst und tragen wieder eine positivere Grundstimmung in unsere Musik.

Beschreib doch mal, wie das Leben einer jungen, fränkischen Metalband sich so darstellt, wenn sie erfolgreich werden will?

Seynstahl: Ich denke, das wichtigste ist, das man sich möglichst gut vernetzt. Einerseits sollte man gute Kontakte zu Veranstaltern aufnehmen, andererseits ist es wichtig auch mal mit anderen Bands zusammen eigene Veranstaltungen abzuhalten. In Franken sehe ich in den letzten Jahren eine ziemlich traurige Entwicklung: Es gehen immer weniger Leute auf Auftritte regionaler Bands und auch sonst haben die kleinen Konzerte und Festivals zugunsten von Großveranstaltungen mit international erfolgreichen Gruppen und vor allem Beatabendbands bei Sauffeten abgenommen. Es gibt durchaus hervorragende Gruppen in Franken – wenn die Leute die nicht unterstützen, werden die sich aber nicht ewig halten können.

Wie ist euer Video zustande gekommen?

Seynstahl: Das Video haben wir zu unserer Single „Reborn“ am 13. April veröffentlicht. Und der Dreh? Ich sag nur: drei Drehtage, neun verschiedene Sets an vier unterschiedlichen Drehorten mit verschiedensten Kamera-Einstellungen und dem ständigen Umbau von Schienensystemen und alles in den einzigen drei Winterwochen, die es dieses Jahr gab? Wir wollten ein klassisches Musikvideo machen, bei dem die Band im Mittelpunkt steht – also keine Hintergrund-Stories, keine Schauspieler, Animationen, Green-Screen-Tricksereien oder sonst etwas. Einzig beim Schnitt hat sich der Christian von CHG-Multimedia aus Dornheim stark an moderneren Videos orientiert. Wir haben bei einem Konzert gedreht, in einigen düsteren Kitzinger Kellern, bei Dornheim auf breiter Flur im Schnee und in einer alten Scheune bei gefühlten -20°C.

Wann stehen die nächsten Gigs an, was ist als nächstes geplant?

Seynstahl: Wir spielen am 11. Mai im B-Hof in Würzburg. Mit am Start sind The New Black, Tieflader mit Axel Scholpp und A Million Miles aus Hamburg. Am 19. Mai sind wir zur Rock-Night im Ochsenfurter Postkeller und am 23. Juni beim Umsonst & Draußen in Würzburg. Außerdem veranstalten wir am 3. Juni unter dem Motto „Art und Alternative Rock“ zusammen mit der Hamburger Band „Panama Picture“ ein Konzert im Café Cairo. In der Planung sind außerdem noch Gigs in Thüringen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Wir würden gerne in Franken zwei größere Veranstaltungen anleiern mit überregional bekannten Bands. Wenn das Ganze spruchreif wird, werden wir's auf unserer Homepage (www.nump.de) und bei Facebook bekannt geben.

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