Am kommenden Sonntag, 15. Juni, findet in der Kirchenburg Mönchsondheim der elfte Unterfränkische Volksmusiktag statt. Wir sprachen mit Museumsleiter Reinhard Hüßner über das Fest und Volksmusik im Allgemeinen.

Frage: Seit wann ist Mönchsondheim der Veranstaltungsort und wie viele Besucher werden erwartet?

Reinhard Hüßner: Den „Tag der Volksmusik“ gibt es seit 1994. 2004 wurde er auf Vorschlag von Bezirksheimatpfleger Klaus Reder in „Unterfränkischer Volksmusiktag“ umbenannt. Ich rechne mit 1000 Besuchern plus X, die erfahrungsgemäß aus der Region, der Rhön, vom Untermain und aus dem Großraum Nürnberg zu uns kommen.

Im alpenländischen Raum erlebt die Volksmusik derzeit auch bei jüngeren Menschen einen Boom. Stichwort Alpenrock, bei dem sich Tradition und Moderne verbinden. In Unterfranken spricht die Volksmusik doch eher ein älteres Publikum an?

Hüßner: Im Alpenraum war und ist die Tradition der Volksmusik ungebrochen. Sie ist stark im Leben der Menschen verwurzelt. Die Franken begannen erst in den 70er und 80er Jahren, ihre Volksmusiktradition wieder zu entdecken. Federführend waren dabei mit Kurt Becher, Volksmusikberater beim bayerischen Landesverein in München, ein Oberbayer und mit dem ehemaligen Bezirksheimatpfleger Reinhard Worschech ein Vertriebener.

Ist die unterfränkische Volksmusikszene zu sehr in Traditionen verhaftet und nicht offen genug für Neues?

Hüssner: Die fränkische Volksmusik ist natürlich offen für Neuerungen. Oft schreiben Gruppen eigene Texte zu traditionellen Melodien wie zum Beispiel der „3Klang Wiesenbronn“, oder es werden bewusst neue Melodien mit älteren Musikstücken „zusammengestrickt“. Da kann es schon vorkommen, dass ein altes Tanzlied plötzlich verjazzt daherkommt. Gerade das macht jungen Musikanten und Sängern unheimlich viel Spaß. Das fränkische Volkslied ist geduldig, aber die fränkische Volksmusik muss sich nicht mit Gewalt verbiegen, nur um modern zu sein. Nicht was für einige Wochen oder Monate gehört und gesendet wird, ist Volksmusik, sondern das, was vom Volk gesungen und gespielt wird. So können übrigens auch moderne Schlager zum Volkslied werden.

Auch das Wirtshaussingen erfreut sich weiter südlich zunehmender Beliebtheit. Und bei uns?

Hüssner: Zum Wirtshaussingen ist zu sagen, das ist keine oberbayerische Erfindung. Es hat hier schon eine längere Tradition. Seit rund zehn Jahren gibt es auch in Franken immer mehr Wirtshaussingen. Veranstalter sind Vereine, Wirte und Privatpersonen. Ein Beweis dafür sind die 30 000 verkaufte Exemplare der beiden Liederbüchlein „Wirtshauslieder“ der Arbeitsgemeinschaft fränkische Volksmusik.

Gute Voraussetzungen also für die fränkische Volksmusik?

Hüssner: Fränkische Volksmusik ist meist Tanzmusik, also zum Mitmachen gedacht. Gleiches gilt für die Volkslieder, die eben vom Volk, also von allen gesungen werden. In unserer heutigen Gesellschaft ist in dieser Hinsicht eher ein passives Verhalten angesagt. Dabei wären Singen, Tanzen und Musizieren dem Wohl und der Gesundheit sehr förderlich. Man bewegt sich, die Stimme und das Ohr werden geschult, man erlebt Gemeinschaft und hat Freude daran.