Kitzingen
Vorleseabend

Fränkische Einstimmung auf die Weihnachtszeit

Seit fünf Jahren gibt es "frech, fromm, fränkisch." Ein Vorleseabend, bei dem nicht nur die Gäste ihren Spaß haben.
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Walter Vierrether und Karin Böhm haben ihren Spaß beim Vorleseabend in der Rathausdiele.  Foto: ezw
Walter Vierrether und Karin Böhm haben ihren Spaß beim Vorleseabend in der Rathausdiele. Foto: ezw
Was macht Weihnachten für einen Franken aus? Natürlich den Trubel um Geschenke, Festvorbereitung und Plätzchen backen, aber auch Besinnlichkeit und Herzenswärme. In Franken ist das wie überall auch - und doch eben ein klein wenig spezieller.

Das erfuhren die über 150 Gäste, die am Samstagabend in die Kitzinger Rathaushalle gekommen waren. Dort gaben Karin Böhm, Lothar Fuchs und Walter Vierrether beim Vorleseabend "frech - fromm - fränkisch" einen augenzwinkernden Blick in die fränkische Weihnachtszeit. An ihrer Seite die Erlacher Wirtshausmusikanten mit Uwe Hanselmann an der Gitarre, Günter Schmitt am Akkordeon und Herbert Neubauer an der Mundharmonika.
Die Zuhörer, die die Kitzinger Rathaushalle bis auf den letzten Platz füllten, hatten ihre wahre Freude an der Auswahl der "Gschichtli und Gedichtli" von fränkischen Heimatdichtern, die zeigten, was den Franken in der Weihnachtszeit so ausmacht.

Wenn beispielsweise die nörgelige Tante zu Besuch oder besser gesagt zur "Inspektion" bei der jungvermählten Nichte erscheint, wie in der Geschichte von Anneliese Lussert, die Karin Böhm zum Besten gab. Nach dem Motto "An bösen Hund schmeißt mer zwei Knochn hi," bemüht sich die junge Gastgeberin um besondere Höflichkeit - und kann sich dann aber doch nicht der Schadenfreude erwehren, als die böse Tante die Plätzchen mit Mäuseköttel genießt.

Viel Turbulenz gab es beim "Weihnachtsfestmenü", einer Geschichte von Wilhelm Wolpert, vorgetragen von Lothar Fuchs. Dort fiel der teure Stiftzahn dem zähen Gansbraten zum Opfer und tauchte erst nach etlichen Wirrungen wieder auf.

Sichtlichen Spaß hatte Walter Vierrether bei seinem Vortrag über ein vertauschtes Geschenk. Dadurch erreichten statt der beabsichtigten Lederhandschuhe ein paar Schlüpfer die Verlobte. Die Missverständnisse durch den zugehörigen Brief trieben nicht nur den Zuhörern, sondern auch dem Vorleser die Lachtränen in die Augen.
Vor fünf Jahren haben sich Karin Böhm und die Erlacher Wirtshausmusikanten in der Vorweihnachtszeit zusammengetan, um miteinander zu musizieren und "Gschichtli" zu erzählen. "Ich merkte damals, dass in dieser Richtung in Kitzingen etwas fehlte", berichtete Karin Böhm. Ein Jahr später gesellte sich Lothar Fuchs zu der kreativen Truppe. Dass auch mal "schräge Weihnachtsgeschichten" vorgetragen werden, war die Idee von Ralph Hartner und Walter Vierrether, die sich ab dem Jahr 2010 mit einbrachten.

Mittlerweile gibt es viele Kitzinger, die den besonderen Vorleseabend schon sehnsüchtig erwarten. So verwunderte es nicht, dass durch den großen Ansturm in diesem Jahr wieder zusätzliche Stühle herbei geschafft werden mussten.

Natürlich darf in der Weihnachtszeit das Thema Essen und Trinken nicht fehlen. In den verschiedenen fränkischen Gschichtli ging es dann auch um "Schweinsknöchli", "Bratwurst", Bier und Wein. Und zwischendurch erfuhren die Gäste, dass der Papa schon am ersten Advent regelmäßig turnen muss, weil er schon jetzt sein "Dreikönigsgewicht" habe.

Zwischen den verschiedenen Erzählungen und Gedichten aus der Feder fränkischer Heimatdichter wie Alfred Buchner, Helmut M. Krieger, Heinz Werb, Wilhelm Wolpert, Hans Rupp, Egon Helmhagen, Anneliese Lussert, Engelbert Bach und vielen anderen mehr, streuten Uwe Hanselmann und seine Musikerkollegen passende Weihnachtslieder, zu denen die Texte auf den Tischen auslagen. Angesteckt von der heimeligen Atmosphäre bei Kerzenschein, Glühwein und Gebäck sangen die Gäste auch lauthals mit und ließen sich zum Mitmachen hinreißen, wie beispielsweise beim Lied "oh du fette Weihnachtsgans".

Bei der "Schlittenfahrt" kam Walter Vierrether richtig in Fahrt. Vorher hatte er Glöckchen unter dem Publikum verteilt und machte dann auf der Bühne vor, wie diese rhythmisch zum Einsatz kommen müssen. Denn auch das kann der Franke: einfach mal ausgelassen fröhlich sein.


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