Kitzingen

Flucht und Vertreibung dürfen nie vergessen werden

Der Tag der Heimat führte rund 30 Heimatvertriebene am Denkmal am Alten Friedhof in Kitzingen zum traditionellen Totengedenken zusammen. Die Totenehrung, so der Vorsitzende des Kreisverbandes des Bundes der Vertiebenen Claus Lux, gelte den Opfern von Flucht und Vertreibung, die meist nur am Wegesrand verscharrt wurden, aber auch den Toten in der alten Heimat. Krieg löse unermessliches Leid aus, daher dürfe nie vergessen werden, was damals geschah.
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Zum Totengedenken senkte Peter Roswora die Fahne, zum Gedenken traten (von links) Albina Baumann, Claus Lux, Pfarrer Gerhard Spöckl und Günther Rinke von Bund der Vertriebenen in Würzburg an den Gedenkstein. Foto: Gerhard Bauer
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Der Tag der Heimat führte rund 30 Heimatvertriebene am Denkmal am Alten Friedhof in Kitzingen zum traditionellen Totengedenken zusammen. Die Totenehrung, so der Vorsitzende des Kreisverbandes des Bundes der Vertiebenen Claus Lux, gelte den Opfern von Flucht und Vertreibung, die meist nur am Wegesrand verscharrt wurden, aber auch den Toten in der alten Heimat. Krieg löse unermessliches Leid aus, daher dürfe nie vergessen werden, was damals geschah.

Das Totengedenken sprach Albina Baumann vom Verein der Deutschen aus Russland. Sie betonte, die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation seien keine anonyme Menschen, sondern Verwandte und Freunde. Pfarrer Gerhard Spöckl erinnerte sich an die Erzählungen seines Vaters über die Vertreibung und dass er sich dessen Erlebnisse nie habe vorstellen können.

Lux bezeichnete es bei der Feierstunde im Landratsamtskeller als Kernanliegen, den Weg der Verständigung zu festigen. Es sei historischer Ballast, dass Menschen vertrieben und unbestraft ermordet werden durften. Auch nach 74 Jahren sei das Erinnern an die zurückgelassene Heimat Verpflichtung. Kinder und Kindeskinder seien wieder neugierig auf die Heimat ihrer Vorfahren geworden. Landrat Paul Streng beschrieb Heimat als den Ort, wo man aufwachse, aber auch wo man ankere. Vertriebene hätten damals keine Wahl gehabt. Bayern habe die meisten von ihnen aufgenommen. Der hohe Lebensstandart heute sei also auch den Vertriebenen zu verdanken.

In ihrer Festansprache erinnerte Landtagsabgeordnete Barbara Becker an den Mauerfall vor 30 Jahren. Heute lebe Europa ohne Grenzen und Mauern. In ihre Erinnerungen führte sie Erlebnisse aus dem Schüleraustausch in Frankreich und Polen an, wo sie selbst erfahren habe, was Völkerverständigung sei. Das Jahr 2019 stehe für 75 Jahre Vertreibung, die 1944 begann und 15 Millionen Deutsche betraf. Im Osten wachse eine Generation heran, die die deutsche Vergangenheit historisch hinterfrage. Bis heute verstießen die bestehenden Benesch-Dekrete in Tschechien gegen Menschenrechte. Die Vertreibung habe zu einem Netzwerk in der Welt geführt. Das mache deutlich, wie wichtig Heimat sei. Albina Baumann bedauerte, dass Heimatvertriebene in der Vergangenheit bei ihren Feiern immer wieder verlacht worden seien. Sie beklagte, dass auch keine Jugend mehr an den Treffen teil nähmen. Der Chor Druschba, unter der Leitung von Helene Bausenwein, umrahmte die Feierstunde.

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