Iphofen

Fluch und Segen der Dorfsanierung

Öffentliche Gelder haben die Iphöfer Stadtteile attraktiv und lebenswert gehalten. Doch die Entwicklung birgt auch Risiken. Wohin treibt die Entwicklung ein Dorf?
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Beispiel einer gelungenen Dorfentwicklung: Blick über den Birklinger Weiher auf das Gasthaus Augustiner am See Foto: Harald Meyer (Archiv)

Das Städtebauförderprogramm von Bund, Ländern und Gemeinden ist ein gewaltiger Hebel. Knapp 3,8 Millionen Euro sind in den vergangenen 16 Jahren als Sanierungszuschüsse in die Iphöfer Stadtteile Birklingen, Dornheim, Hellmitzheim, Mönchsondheim und Possenheim geflossen. Etwa ein Drittel, also 1,2 Millionen Euro, kam aus der Stadtkasse. Die Investitionen bleiben meist in der Region, bei kleinen mittelständischen Handwerksfirmen. Allein das kleine Birklingen hat seit 2003 mit 617000 Euro profitiert. Der 67-Einwohner-Weiler hat sich als „Standort für die Landwirtschaft“ und als „Zielpunkt für Ausflüge, Freizeit und Erholung“ entwickelt, wie es in einem Papier von Städteplaner Franz Ullrich heißt.

Ein Quantensprung bei den Hühnern

Doch diese Entwicklung birgt aus Sicht mancher Beobachter nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. So stellte Stadtrat Rupert Maier in der Sitzung am Montagabend die eher bange Frage: „Wohin soll diese Entwicklung noch gehen?“ Der Aufbau von Biogasanlagen sei zwar positiv zu sehen, aber die landwirtschaftlichen Betriebe prägten und gestalteten mit ihrem hohen Wachstum den Ort. Die Einwohnerzahl sei in den vergangenen 20 Jahren nur um drei gewachsen, die Zahl der Tiere dagegen deutlich stärker. „Bei den Hühnern hat Birklingen einen Quantensprung gemacht.“

Auch Bürgermeister Josef Mend erkannte das Dilemma: eine relativ kleine Entwicklungsfläche einerseits und ein starkes Wachstum andererseits ; vor allem sei das „Ende der Fahnenstange“ noch nicht erreicht. „In der Landwirtschaft entstehen Betriebe in einer Größe, die mit dem kleinen bäuerlichen Betrieb von früher nichts mehr zu tun haben.“

Die zentrale Frage sei nicht nur bei den beiden Großbetrieben in Birklingen, wohin diese noch wachsen sollen. Schon jetzt sei der Ort nach allen vier Himmelsrichtungen zerschnitten: räumlich durch die Bundesstraße, die ihn in Nord und Süd teilt, strukturell durch die unterschiedliche Entwicklung, die ein West-Ost-Gefälle auslöst: hier der attraktive, kleine Ortskern mit Kirche, Gasthaus und See, dort ein Areal, das in seiner dörflichen Struktur mehr und mehr zerfällt.

Dörfer noch nie so schön wie heute

Lenkt man den Blick weg von diesen Prozessen, so ergibt sich vielerorts ein stimmiges Bild. „Noch nie sahen die Dörfer so schön aus wie heute“, sagte Mend. Vor 100 Jahren sei kaum Putz auf den Fassaden gewesen, und die Fensterläden hätten windschief an den Häusern gehangen. Was man heute beobachten könne, sei das Ergebnis persönlichen Wohlstands, aber auch großzügiger öffentlicher Förderung. Ziel von Bund, Ländern und Gemeinden ist es, mit den Zuschüssen den denkmalpflegerischen Mehraufwand abzufedern, den Bauherren bei einer Sanierung zu tragen haben.

Auch aus Sicht des Stadtplaners hat die Förderung dazu beigetragen, einen Großteil der 1998 gesteckten Sanierungsziele in den Dörfern zu erreichen. Missstände und Mangel seien konsequent aufgegriffen und beseitigt oder reduziert worden. Das gilt auch für die Stadt Iphofen selbst, die in Infrastruktur und öffentliche Gebäude investiert hat. Was diese Investitionen im Verbund mit hohem gesellschaftlichem Engagement bewirken kann, ist gerade im Stadtteil Hellmitzheim zu beobachten. Der 380-Seelen-Ort hat beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ Gold in Bayern und Silber im Bund gewonnen. Im Januar 2020 fährt eine Hellmitzheimer Delegation zur Preisverleihung nach Berlin.

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