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WIESENTHEID

Firma Göpfert: Gut eingepackt in die Zukunft

Wenn wir einkaufen, haben wir es oft mit Verpackungen aus Karton zu tun. Das ist die Grundlage für den Erfolg der Firma Göpfert in Wiesentheid (Kreis Kitzingen).
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Solche Kartons aus Wellpappe wie im Vordergrund lassen sich mit den Göpfert-Maschinen formen und bedrucken. Foto: Jürgen Haug-Peichl
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Wenn wir einkaufen, haben wir es oft mit Verpackungen aus Karton zu tun. Doch was wir Verbraucher meistens achtlos wegwerfen, lässt ein mainfränkisches Unternehmen auf der Welle des Erfolgs schwimmen: Göpfert in Wiesentheid (Lkr. Kitzingen) stellt Maschinen für Kartons aus Wellpappe her – und ist damit in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Eine Erfolgsgeschichte in Familienhand.

In all den Jahren gab es immer wieder Erweiterungen

Dass die Göpfert Maschinen GmbH immer wieder nicht mehr in den eigenen Anzug passte, war zuletzt 2015 zu sehen: Für 15 Millionen Euro erweiterte das Unternehmen sein Gelände im Industriegebiet im Süden der 4700 Einwohner zählenden Gemeinde. Bereits in den Jahren davor hat es Zug um Zug Erweiterungen gegeben.

Schon von der Größe her ist Göpfert der unumstrittene Platzhirsch in dem Industriegebiet: Die beiden neuen Lager- und Montagehallen haben die Dimension eines Flugzeughangars. Der Betrieb ist der größte Arbeitgeber in Wiesentheid.

Diese Ausmaße sind auch dem geschuldet, was Göpfert anbietet: Maschinen, mit denen Wellpappe-Verpackungen aller Art hergestellt und bedruckt werden können. Sind diese bis zu 200 Tonnen schweren und begehbaren Maschinen fertig, haben sie die Ausmaße eines Eisenbahnwaggons.

Der Branche geht es gut - wovon Göpfert profitiert

1973 zog das Unternehmen von Marktbreit ins gut 20 Kilometer entfernte Wiesentheid um – mit sechs Mitarbeitern. Heute sind es 60-mal so viele. Der Umsatz ist nach Firmenangaben in all den Jahren ebenfalls permanent gestiegen.

Man muss in die Branche blicken, die Göpfert beliefert, um dieses Wachstum zu verstehen. Da ist zum einen die Tatsache, dass wir alle immer mehr im Internet einkaufen. Was wir dort bestellt haben, muss für den Versand verpackt werden, oft in Wellpappe-Kartons. Was genau der Online-Handel den Wiesentheidern eingebracht hat, „ist nicht zu beziffern“, sagt Geschäftsführer André Göpfert. Unstrittig sei aber, dass der Online-Handel die Nachfrage nach Karton-Maschinen beflügelt hat.

Kartons sollen die Gefühle der Kunden ansprechen

Ein anderer Aspekt ist mindestens genauso wichtig: die Tatsache, dass Verpackungen nicht mehr nur schnöde Kartons sind, sondern Werbeträger. Gut zu erkennen zum Beispiel bei Aldi, Lidl, Media Markt und Co., wo die (verpackten) Produkte wiederum in Kartons stehen, die mit Werbung bedruckt sind und mitunter Regale ersetzen. Dabei zielen die Anbieter auf die Gefühle der Kunden im Laden. Davon ist zumindest Jens Lönneker vom Marktforschungsinstitut rheingold salon in Köln überzeugt. Produkte, die sachlich daherkommen, müssten emotionaler präsentiert werden. „Und diese Anforderungen spiegeln sich in den Verpackungen wider“, sagte er laut einer Mitteilung des Verbandes der Wellpappen-Industrie (VDW) im Oktober auf der Messe FachPack in Nürnberg.

Mittlerweile gibt es auch Möbel aus Wellpappe

In der Welt der Wellpappe geht indes noch mehr: Mittlerweile werden daraus Möbel hergestellt, womit etwa das Berliner Start-up „Room in a Box“ in Fachkreisen für Aufsehen gesorgt hat. So oder so, der Branche rund um den Karton geht es in Deutschland gut. So stieg nach Angaben des VDW (Darmstadt) in diesem Jahr der Absatz in allen Quartalen, zuletzt um 1,1 Prozent. Alles Umstände, die der Firma Göpfert in Wiesentheid zweifellos in die Karten spielen. Doch Geschäftsführer André Göpfert sieht noch einen anderen Grund für den Aufstieg der Firma seit der Gründung vor 66 Jahren: die eigene Familie. Der Zusammenhalt habe stets für Kontinuität gesorgt. Zwischen den Generationen „gab es bei uns nie Probleme“.

Göpfert ist Mainfranken treu

Für den Maschinenbauingenieur gibt es keine Alternative zum Firmenstandort: Wegziehen von Mainfranken, „diese Frage hat sich nie gestellt“. Die Region habe immer genügend Fachkräfte für das Unternehmen hergegeben. Zudem setze sein Haus auf die Auszubildenden: 90 Prozent von ihnen wurden bisher übernommen. Derzeit hat Göpfert 35 Lehrlinge, was knapp ein Zehntel der Belegschaft ausmacht.

Längst ist das Unternehmen international unterwegs. 800 Kunden sind es allein in Europa, wo Göpfert 80 Prozent seines Umsatzes macht. Zehn Prozent kommen aus den USA, Tendenz steigend, wie der Geschäftsführer darlegt. Den Rest der Geschäfte macht er unter anderem in Australien. Nur in Asien sei seine Firma noch nicht aktiv.

Bedarf an Kartons „ist gigantisch gestiegen“

Der Bedarf an bedruckten Wellpappe-Kartons „ist in den vergangenen zehn Jahren gigantisch gestiegen“, freut sich André Göpfert. Da müssen Maschinen her, die große Mengen ausspucken können: Auf bis zu 40 000 Schachteln pro Stunde bringt es eines der Göpfert-Fabrikate. In den Hallen in Wiesentheid können nach Angaben des Geschäftsführer bis zu acht Maschinen gleichzeitig gebaut werden. Bis zu sieben Wochen dauere es, bis eine fertig ist.

Göpfert Maschinen GmbH

Das 1950 in Marktbreit (Lkr. Kitzingen) gegründete Unternehmen ist bis heute in Familienhand. Geschäftsführer André Göpfert (43) ist der Enkel von Firmengründer Albin Göpfert. Andrés Vater Karl Franz Göpfert (69) ist geschäftsführender Gesellschafter, Andrés Schwester Esther Göpfert (47) ist ebenfalls Geschäftsführerin.

• Mitarbeiter: 379

• aktueller Jahresumsatz: 100 Mio. Euro

• Betriebsgelände in Wiesentheid: 12 Hallen, 50 000 Quadratmeter Fläche, 20 000 Quadratmeter davon überbaut. aug

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