Kitzingen

Feuerwerk verärgert Anwohner: Es gelten feste Regeln

Aus heiterem Himmel wurden Anwohner in Kitzingen von einem Feuerwerk böse überrascht. Sie fragen sich: Ging alles mit rechten Dingen zu? Und warum wussten sie von nichts?
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Ein Feuerwerk, wie hier am Mainufer in Marktbreit, ist zu bestimmten Anlässen ein Augenschmaus. Kommt es für Anwohner völlig unerwartet, kann die Böllerei erschrecken und für Unmut sorgen. Foto: Karl Schönherr
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"Ich habe gedacht, der Krieg bricht aus!" Der Anwohnerin aus der Tännigstraße in Kitzingen ist es unschwer anzuhören, was sie von dem Feuerwerk hält, das am Samstag, 29. Juni, gegen 22 Uhr abgefeuert wurde. Und zwar in ihrer Nachbarschaft, in der Parallelstraße, dem Drosselweg. Was sie gestört hat, ist nicht nur die Dauer des Feuerwerks – etwa 45 Minuten – und dessen Lautstärke. Sie hat sich auch ernsthaft gesorgt, dass bei der herrschenden Trockenheit leicht ein Feuer ausbrechen kann; allein in ihrem Garten lagert einiges an Holz und Schnittgut. Und sie fürchtete um das Wohlbefinden der vom Lärm aufgeschreckten Tiere – ihre Katzen flüchteten erschreckt, berichtet sie im Gespräch mit dieser Redaktion.

Das Feuerwerk war deutlich länger als es der Polizei gemeldet war

Eine Nachfrage bei der Polizei in Kitzingen ergibt: Die Anwohnerin war nicht die Einzige, die das Feuerwerk böse überrascht hat. Mehrere Anrufer, heißt es, haben sich bei der Polizei über das Feuerwerk beschwert, über das die Polizei vorab informiert worden war. Laut Polizei war ihr ein achtminütiges Feuerwerk eines professionelles Veranstalters im Rahmen einer privaten Geburtstagsfeier angekündigt worden. Tatsächlich, bestätigt die Polizei, fiel das Feuerwerk mit rund einer Dreiviertelstunde deutlich länger aus.

Was die Anwohnerin zusätzlich erbost, ist die Frage, weshalb sie und andere Anwohner beziehungsweise die Öffentlichkeit nichts von dem bevorstehenden Feuerwerk wussten. Deshalb, meint sie, hätte sie sich nicht vorbereiten und beispielsweise ihre Haustiere, wie an Silvester üblich, in Sicherheit bringen können. Die Antwort liegt auf der Hand: Es besteht keine Vorschrift, ein solches Feuerwerk publik zu machen.

Der Feuerwerker muss das Feuerwerk bei der Regierung anmelden

Diese Auskunft stammt von der Regierung von Unterfranken in Würzburg. Laut deren Pressesprecher Johannes Hardenacke ist ein solches, von einem gewerbsmäßigen Feuerwerker vorbereitetes und abgefeuertes Feuerwerk wie das Ende Juni in Kitzingen auch nicht erlaubnispflichtig. Der Feuerwerker muss – unter Beachtung bestimmter Fristen und sprengstoffrechtlicher Vorschriften (siehe Infobox) – das Feuerwerk lediglich bei der Regierung von Unterfranken rechtzeitig anzeigen. Dies ist im vorliegenden Fall passiert. Anders ist es bei Feuerwerken von Laien außerhalb des Jahreswechsels. Solche Feuerwerke, etwa bei Hochzeiten, müssen bei der jeweiligen Kommune angemeldet und von dieser genehmigt werden. Dies bestätigt auf Nachfrage auch die Stadt Kitzingen.

Die Regierung informiert nach Angaben ihres Pressesprechers dennoch immer die zuständige Kommune über die bei ihr angezeigten Feuerwerke. Diese könne dann für sich entscheiden, ob und an wen sie diese Information weitergibt.

Regierung erkennt beim Feuerwerk keine Regelverstöße

Im konkreten Fall in Kitzingen war laut Hardenacke ein Feuerwerk der Stufen T1 (Figurenlichter) und F2 (normales Silvesterfeuerwerk) angezeigt worden. Laut Verwaltungsvorschrift muss ein solches im Zeitraum von Mai bis Juni bis spätestens 23 Uhr abgefeuert sein; die Dauer eines solchen Feuerwerks ist übrigens nicht beschränkt. Nachdem diese Vorgabe in Kitzingen beachtet wurde und auch andere allgemeine Regeln, wie ein Mindestabstand zu Gebäuden, erkennbar nicht verletzt wurden, geht die Regierung von Unterfranken von einem ordnungsgemäß veranstalteten Feuerwerk aus, das nicht zu beanstanden ist. Interessant ist in diesem Zusammenhang noch: Behördliche Vorschriften zur maximalen Lautstärke eines Feuerwerks gibt nicht. Die Lautstärke ist aber durch Gesetze, die für die Herstellung von Feuerwerkskörpern gelten, geregelt.

Dass die Vorschriften zum Abbrennen eines professionellen Feuerwerks eingehalten werden, dafür ist allein der Feuerwerker verantwortlich. Verstößt er dagegen, drohen ihm Konsequenzen, unter Umständen kann er seine Erlaubnis zum berufsmäßigen Abbrennen von Feuerwerk verlieren. Eine Kontrolle, heißt es seitens der Regierung, findet nicht statt. Verstöße müssen also gemeldet werden. Für das Feuerwerk in Kitzingen liegen der Regierung allerdings keinerlei Hinweise für etwaige Ordnungswidrigkeiten vor, auch keine Hinweise durch die Polizei.

Auch in Iphofen gab es zuletzt immer wieder Probleme mit Feuerwerken . Anfang Juli wurden bei einer Feier in einer Gastwirtschaft innerhalb der Altstadt Raketen gezündet – unangemeldet und verbotswidrig, wie Bürgermeister Josef Mend seinerzeit in der Stadtratssitzung feststellte. "An Silvester verbieten wir Feuerwerkskörper in der Altstadt, und dann werden unter dem Jahr Raketen dort abgeschossen", sagte Mend. Und an die Adresse des Gastwirts: "Da frage ich mich schon, was sich der Unternehmer dabei denkt." Die Stadt will nun Sanktionen prüfen lassen und demnächst generell Regeln im Umgang mit Feuerwerk aufstellen.

Vorschriften und Regeln für Feuerwerke
Grundsätzlich ist jedes Abbrennen von Feuerwerk anzeige- oder genehmigungspflichtig, je nach der Kategorie des Feuerwerks und der Fachkunde (nachgewiesen etwa durch den Besitz einer sprengstoffrechtlichen Erlaubnis oder eines Befähigungsscheins) desjenigen, der das Feuerwerk durchführt. Ausnahme ist das Abbrennen von Silvesterfeuerwerk zum Jahreswechsel, am 31. Dezember und 1. Januar, informiert der Freistaat Bayern  im Internet im Bayernportal.
Beim Abbrennen des Feuerwerks sind die Vorgaben des Sprengstoffgesetzes zu beachten, das den Umgang mit den explosiven Stoffen sowie Sicherheitsvorkehrungen vorschreibt. Das Feuerwerk muss mindestens zwei Wochen vor dem geplanten Termin angezeigt werden; für die Umgebung von Eisenbahnanlagen, Flughäfen oder Wasserstraßen gilt eine Mindestfrist von vier Wochen
Gemeldet werden müssen unter anderem Ort, Art und Umfang sowie Beginn und Ende des Feuerwerks, ebenso die Entfernung zu brandempfindlichen Gebäuden. Die Anzeige (Anmeldung) eines Feuerwerks ist kostenlos.

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