Obervolkach

Feuerwehr-Oldie: Ein 40. Geburtstag zum Heulen

Vier Jahrzehnte hat das Einsatzfahrzeug der Feuerwehr Obervolkach auf dem Buckel. Einen Ersatz hat die Stadt bislang nicht beschafft. Das ärgert die Kameraden. Sie fürchten auch um ihre Sicherheit.
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40. Geburtstag: Keinen Grund zum Lachen haben Maschinist Thomas Martin (links) und Kommandant Roland Seufert von der Obervolkacher Feuerwehr. Sie müssen immer noch in einem Oldtimer zu den Einsätzen fahren. Foto: Peter Pfannes
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Wenn bei der Feuerwehr Obervolkach normalerweise ein 40-jähriges Dienstjubiläum gefeiert wird, dann gibt es nur lachende Gesichter. Am Dienstagabend saßen die Floriansjünger im Feuerwehrhaus zusammen, um der Inbetriebnahme ihres Einsatzfahrzeugs vor 40 Jahren zu gedenken. Diesmal gab es allerdings ausschließlich traurige Augen, denn mit dem museumsreifen Dienstfahrzeug ist man schon lange nicht mehr auf der Höhe der Zeit. "Die Stadt lässt uns seit fünf Jahren im Stich", erklärt Kommandant Roland Seufert. Der Obervolkacher Feuerwehrchef und seine Kameraden sind sichtlich verärgert, weil die Kommune dem damaligen Antrag der Wehr auf ein Ersatzfahrzeug bisher nicht nachgekommen ist.

Blickt man auf den Fahrzeugschein des LF 409, wird deutlich, es handelt sich bei dem Einsatzvehikel um einen echten Oldtimer. Das am 11. Juni 1979 zugelassene Sonder-Kfz-Löschfahrzeug Daimler-Benz ist zwar dank der ausdauernden Arbeit von sieben Maschinisten immer noch gut in Schuss, doch in Sachen Sicherheit und Einsatztempo liegt so gut wie alles im Argen: Keine Kopfstützen, keine Sicherheitsgurte, keine Airbags. Mit dieser Null-Sicherheits-Ausrüstung fahren die ehrenamtlich tätigen Feuerwehrleute im Ernstfall mit Blaulicht zu Bränden und Verkehrsunfällen, um Schwerverletzte zu bergen oder Schlimmeres zu verhindern. "Ich habe meine Gruppenführer angewiesen, dass bei den Einsatzfahrten vorausschauend gefahren wird und kein Risiko eingegangen wird", erklärt der Kommandant.

Wenn auf dem Weg zum Unfallort das Adrenalin den Körper der Kameraden in Besitz genommen hat, dürften die Worte Seuferts schnell in Vergessenheit geraten. Schließlich besteht Gefahr im Verzug und Helfen ist die oberste Devise der Einsatzkräfte. Nicht selten wurden Feuerwehrfahrzeuge auf ihrem Weg zur Einsatzstelle in der Vergangenheit selbst in Unfälle verwickelt. Sollte ein solcher Fall für die Obervolkacher Feuerwehrmänner eintreten, könnte das ohne die lebensnotwendigen Sicherheitseinrichtungen wie Kopfstützen, Sicherheitsgurte und Airbags fatale Folgen haben.#

Leben retten wollen und das eigene dabei aufs Spiel setzen? Warum die Stadt bisher keine Lösung gefunden hat, liegt wohl daran, dass ein neues Fahrzeug nicht in das bestehende Obervolkacher Feuerwehrhaus passt. Das Gebäude ist viel zu klein und nicht mehr zeitgemäß. Der Stadtrat will ein neues Feuerwehr-Zuhause bauen und sucht nach einer Alternativlösung. Das passende Grundstück wurde aber noch nicht gefunden. Eine bedauerliche Hängepartie hat begonnen, deren Ende nicht absehbar ist.

Fünf Jahre nach Antragstellung haben es Seufert und seine Kollegen jetzt satt. Sie nehmen kein Blatt mehr vor den Mund und fordern ein zeitgemäßes Einsatzfahrzeug, das sie im Einsatzfall besser schützt. Auch bei der Suche nach einem Grundstück für das neue Feuerwehrhaus wünschen sie sich mehr Tempo. "Es tut sich einfach immer noch nichts", bedauert der langjährige zweite Kommandant Rainer Feuerbach. Dass man mit zweiter Bürgermeisterin Gerlinde Martin (Bezirksrätin) und Ratsmitklied Robert Amling zwei Vertreter aus den eigenen Reihen im Stadtrat hat, trug bisher zur Problemlösung nicht bei. "Eigentlich müsste das Problem Chefsache sein", meint Seufert.

Der Kommandant und seine Mitstreiter sind von den Stadtoberen enttäuscht. Sie wenden sich jetzt an die Öffentlichkeit: "Es kann nicht sein, dass wir auf den Einsatzfahrten zu Unfallorten unser Leben riskieren, um Leben zu retten." In den Privat-Autos der Floriansjünger sind Sicherheitsgurte und Kopfstützen seit vielen Jahren eine Selbstverständlichkeit, in ihrem Löschfahrzeug nicht.

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