MÖNCHSONDHEIM

Feldpost: Draht zwischen Front und Heimat

Das Kirchenburgmuseum Mönchsondheim nutzt die 100-jährige Wiederkehr des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges, um in einer Sonderausstellung an das Leid der Kriegsbeteiligten an der Front und in der Heimat zu erinnern. Und das sehr authentisch. Gerade aus den Feldpostbriefen sprechen die Betroffenen direkt den Besucher an.
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100 Jahre später: Ausstellungsbesucher betrachten eine Bildtafel mit den Namen der Weltkriegsteilnehmer aus Mönchsondheim. Foto: Foto: Gerhard Bauer
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Das Kirchenburgmuseum Mönchsondheim nutzt die 100-jährige Wiederkehr des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges, um in einer Sonderausstellung an das Leid der Kriegsbeteiligten an der Front und in der Heimat zu erinnern. Und das sehr authentisch. Gerade aus den Feldpostbriefen sprechen die Betroffenen direkt den Besucher an.

Als die Pfarrgasssänger aus Kleinlangheim zur Eröffnung ein auf die Feldpost an einen Pionier im Felde bezogenes Lied mit der Frage anstimmten, ob er denn die Heimat und die Angehörigen jemals wiedersehen oder in der Ferne ruhen würde, wurde die Bedeutung der Feldpost als einzige schriftliche Verbindung zwischen Heimat und Feldlager offenbar.

Das Leitwort „Es geht mir Gott sei Dank noch gut“ nutzte Bürgermeister Josef Mend vor Bürgermeister-, Stadt- und Gemeinderatskollegen, Kreisräten, S. D. Albrecht Fürst zu Castell-Castell, Geistlichen, Kreisheimatpfleger Karl-Heinz Wolbert sowie Vertretern von Schulen, Ämtern und Behörden, um auch auf die Eröffnung der Museumssaison hinzuweisen. „Sonderausstellungen sind das Salz in der Suppe des Museumsalltags“, fand Mend. Die Sonderausstellung soll vor allem zeigen, welche Auswirkungen der Krieg auf ein kleines Dorf wie Mönchsondheim hatte.

„Es ist eine spannende Ausstellung“, sagte Landrätin Tamara Bischof. Keiner der Anwesenden sei zur Zeit des Ersten Weltkrieges geboren gewesen und könne ermessen, was die Verwandten damals erdulden und mit Verzweiflung lesen mussten, was von der Front in die Heimat kam. „Keiner wusste: Kommt er wieder?“ Diese Frage sei in allen Karten und Briefen in einer Zeit gegenwärtig, als man auch zuhause versuchen musste, zurecht zu kommen.

In der Ausstellung geht es nach Worten von Museumsleiter Reinhard Hüßner nicht um Kriegsgeschehen und Frontverläufe, sondern „um das Nicht-Militärische beim Militär“. Dazu könne auch ein Freilandmuseum einen wichtigen Beitrag leisten.

Rund 500 Feldpostkarten erwiesen sich als gute Quelle und wahrer Goldschatz. Die sentimental, traurig und gefühlsbetont vorgetragenen Lieder zeigten, dass es damals nicht nur um Marschmusik gegangen ist, sondern Sentimentalität auch beim einfachen Soldaten ankam. Besonders sensible Text seien oft von einfachen Soldaten und nicht von Dichtern verfasst worden. Als Praktikantin hat sich Nora Farnbacher durch die Unterlagen gearbeitet, um die Sonderausstellung zu konzipieren. „Bis dahin hatte ich mit dem Ersten Weltkrieg noch nie zu tun“, räumte sie bei der Eröffnung ein. Schnell habe sie die Aussagekraft von Lebenszeichen wie „unversehrt und gesund“ erkannt. Immerhin nahmen rund 50 Männer des Dorfes an den Kriegshandlungen teil und nicht alle kehrten zurück.

Traurige Hinweise darauf, dass liebe Kameraden nicht mehr lebten und die Hoffnung, dass der Krieg bald ein Ende nehme, seien die wichtigen und stimmungsvollen Nachrichten aus dem Feld gewesen. Aus der Heimat seien Nachrichten über Arbeitskräftemangel und Not, rationierte Lebensmittel und anderes gekommen. Die Ausstellung zeigt sowohl die Nachrichtenseiten der Postkarten wie auch deren Bildseite. Letztere schilderten allerdings ein Leben in Heldenhaftigkeit, mit Nationalstolz und Durchhalteparolen.

Die Sonderausstellung „Es geht mir Gott-sei-dank noch gut“ ist noch bis zum 8. Juni im historischen Gasthof Schwarzer Adler zu sehen; die Öffnungszeiten: Dienstag, Sonntag und Feiertag von 10 Uhr bis 18 Uhr.

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