Dettelbach
Auftrag

Fehrer: Die Mitarbeiter kämpfen weiter

Die IG Metall möchte mit Fehrer einen Sozialtarifvertrag aushandeln. Einen genauen Zeitrahmen gibt es nicht. Die Gewerkschaft sieht besonders die Öffentlichkeit und die Politik in der Pflicht, die Krise zu bewältigen.
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Symbolbild.
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Die Gewerkschaft IG Metall (IGM) geht mit dem nahezu einstimmig verabschiedeten Auftrag, einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln, auf das Unternehmen Fehrer zu. Dies ist das Ergebnis einer offenen Mitgliederversammlung der IGM am Samstag in Dettelbach, an der rund 350 Beschäftigte des Unternehmens teilnahmen. In der Versammlung ging es ausschließlich um den Produktionsstandort Kitzingen. Die Unternehmensleitung will dort 405 Arbeitsplätze abbauen.

Walther Mann, 1. Bevollmächtigter der IGM, kündigte an, dass das Angebot auf den Erhalt des Produktionsstandortes lauten werde. Sollten Arbeitnehmern daraus Nachteile erwachsen, sollen diese reklamiert und ausgeglichen werden.

Beschlossen wurde am Samstag auch, drei Arbeitsgruppen zu bilden. Deren Aufgabe ist es unter anderem, Strategien für Verbesserungsmaßnehmen am Standort Kitzingen zu entwickeln, Alternativen zu suchen, die Öffentlichkeitsarbeit zu bündeln und Möglichkeiten auszuloten, wie sich die Fehrer-Mitarbeiter gegen den Abbau von Stellen wehren können. "Um den Standort Kitzingen zu stärken, müssen auch Fördermittel ausgeschöpft werden. Das hat anderweitig schon funktioniert", betonte Mann.

Einen Zeitrahmen gebe es nicht. Der Sozialtarifvertrag für Kitzingen und Leipzig werde zunächst erarbeitet und dann den Mitgliedern vorgelegt. "Sie können auch nein sagen", erklärte Mann. Wichtig ist ihm, dass die betriebliche Kompetenz, also die Arbeitnehmer, beteiligt werden. Die Arbeitgeberseite rechne vor und stelle Zahlen gegenüber, deren Richtigkeit er anzweifele.


Verlagerung der Anlage?

Zur Bewältigung der Krise sieht Mann die Solidarität der Öffentlichkeit gefordert. Er rief dazu auf, dass auch die Politik - und zwar mit Druck - dahinter steht. Mit Blick auf anstehende Wahlen im Herbst unterstrich Mann, wer gewählt werden wolle, könne hier beweisen, dass er auch von den Beschäftigten gewählt werden soll.

Mit aktuellen Mitteilungen wie der Begründung zur beabsichtigten Werksschließung, das Unternehmen erwarte in Deutschland bis 2017 einen Umsatzrückgang um fast 40 Prozent, hatte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Kurt Wexlberger in die Versammlung eingeführt. Das bedeute, dass für Deutschland keine neuen Aufträge mehr kämen. Eine technische Lösung sei jedoch bis heute nicht berechnet, weder für die Verlagerung von Anlagen, die Bauteilfreigabe, die Werkstofffreigabe und anders."Für die Entscheidung das Werk in Kitzingen zu schließen, gibt es immer noch keine Amortisationsrechnung", schimpfte Wexlberger.

Vielmehr werde die chemische Lösung gehandelt - man gehe davon aus, dass nach Anpassung der Rezeptur Teile für alle Automobilhersteller in allen Werken geschäumt werden können. Angeblich übernähmen die Automobilhersteller anders als in der Vergangenheit die höheren Transportkosten, die nach Schließung des Werkes in Kitzingen entstehen.

Bis Ende Juni 2013 solle über den Kitzinger Heißschaum entschieden werden. Als mögliche Szenarien nannte Wexlberger die Verlagerung der Anlage, den Kauf einer neuen Anlage und den Verkauf der Aufträge. Aus Sicht des Betriebsrates macht die Schließung des Kitzinger Werkes aus wirtschaftlichen Gründen nach wie vor keinen Sinn.
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