KITZINGEN

Faschingsorden: Bunt, teuer und unverzichtbar

Faschingsorden waren einst gedacht als Persiflage, das ist heute ganz anders. Was sich die Fastnachtsbereine die bunten Plaketten kosten lassen.
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Orden gehören zum Fasching wie die Narrenkappe und Luftballons. Das lassen sich die Vereine richtig viel Geld kosten.

Es gibt sie in unzähligen Varianten, sie sind meist kunterbunt und werden vor allem zwischen November und Februar in Massen verliehen: Faschingsorden. Viele Faschings- und Karnevalsvereine vergeben die Auszeichnungen im Rahmen ihrer Prunksitzungen. Vor allem an rührige Vereinsmitglieder, aber auch an befreundete Karnevalsgesellschaften sowie Prominente und Politiker.

„Die Orden sind mittlerweile wichtig geworden“, sagt Norbert Schober. Er ist Ordenskanzler des Fastnacht Verbandes Franken (FVF). Früher, im 19. Jahrhundert, sei das noch eine Persiflage auf die Ordenswut der ungeliebten Preußen gewesen. „Heute sind sie unverzichtbar und haben mit einer Persiflage nichts mehr zu tun“, sagt der Experte aus Kitzingen weiter.

Ein enormer Kostenfaktor

Rund 30 000 Euro gibt der Verband jährlich für die meist metallenen Auszeichnungen aus. Geld, das auch über Sponsoren, Spenden, Mitgliedsbeiträge, Eintrittsgelder, Sommerfeste und andere Aktionen in die Kasse des Verbandes kommt. Manche Gesellschaften lassen sich die Orden mittlerweile sogar von Unternehmen stiften. „Die Orden sind ein enormer Kostenfaktor“, sagt Schober dazu.

Auch der Würzburger Karnevalsverein 1. KaGe Elferrat lässt sich die Orden jedes Jahr viel Geld kosten. „Das schlägt alleine mit etwa 10 000 Euro zu Buche“, sagt KaGe-Sprecher Dieter Blendel. Die Würzburger Orden zeigen jedes Jahr das Motto des jeweiligen Prinzenpaares. Verliehen werden sie an verdiente Vereinsmitglieder. „Die Orden sind für den Karnevalisten DIE Auszeichnung. Faschingsveranstaltungen leben ja nur von der Arbeit der Ehrenamtlichen. Der Orden soll eine Belohnung und Anerkennung für die Arbeit sein“, sagt Blendel weiter.

Fasching als Wirtschaftsmotor

Rund 5000 Vereine sind im Bund Deutscher Karneval (BDK) organisiert. Daniela Sandner, Leiterin des Deutschen Fastnachtmuseums in Kitzingen, geht davon aus, dass noch einmal so viele ohne BDK-Anbindung existieren. Und fast alle lassen sich jedes Jahr einen Sessionsorden gestalten. Bei einem Stückpreis von 15 bis 25 Euro kommt da einiges zusammen. Orden, Kostüme, Narrenkappen, Bonbons für den Umzug – „Fasching ist ein Wirtschaftsmotor. Es ist Wahnsinn, was es da alles gibt. Mittlerweile sogar eine Messe in Köln“, sagt Ordenskanzler Schober.

Im Deutschen Fastnachtmuseum lagern Tausende Orden aus den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten. „Wir können es schon gar nicht mehr zählen“, sagt Sandner dazu. Und weil die Orden in der Masse so schwer sind, können sie auch nur im Keller des mehrstöckigen Hauses gelagert werden. Die wertvollen und interessanten Orden aber hängen natürlich in der Ausstellung. „Die frühesten, die wir haben, sind aus den 1870er Jahren“, so Sandner. Die allerersten Faschingsorden seien noch aus Pappe gewesen.

Heute sind sie meist aus Metall, aber auch Kunststoff, Holz oder sogar Stoff sind möglich. „In der Rhön hat eine Karnevalsgesellschaft geschnitzte Orden aus Holz. Das sind richtig tolle Orden, ganze tolle Handarbeit. Die haben oft einen hohen Sammlerwert“, sagt Ordenskanzler Schober.

Museum hat Annahmestopp

Es gebe auch immer wieder Anfragen von Angehörigen an das Deutsche Fastnachtmuseum, wenn sie im Nachlass Hunderte Fastnachtsorden finden. Aber: „Wir haben mittlerweile einen Annahmestopp. Oft ist es besser, die Orden den Gesellschaften für ihre Sammlung anzubieten.

“ Das große Geld könne man mit den Orden meist nicht machen. „Die bekommt man schwer los, wenn sie nicht historisch sind“, sagt Museumsleiterin Sandner. Besondere Einzelstücke oder aufwendige Orden seien da eine Ausnahme.

Obwohl mittlerweile Sessionsorden bei den Faschingsgesellschaften dazugehören, mag Ordenskanzler Schober nicht von einer Inflation der Faschings- und Karnevalsorden sprechen. Im Gegenteil: „Es gibt auch eine Hierarchie dafür. Zuerst bekommt man beispielsweise eine Nadel. Man muss sich den Orden verdienen. Sonst verliert er ja auch an Wert.“

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