„So langsam tun die Knie weh“, sagt Viktor Meshko und legt die rosafarbene Kreide aus der Hand. Der 17-Jährige ist Mitglied der Schülermitverantwortung (SMV) der Richard-Rother-Realschule in Kitzingen und am Montagvormittag voll im Einsatz.

Um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen, malten 16 Schüler in einer fünfstündigen Aktion ein buntes Kreidebild auf den Schulhof. Kurz vor Unterrichtsende entstand dann ein Gruppenfoto mit allen Schülern.

„Ausschlaggebend waren die angekündigten nationalsozialistischen Demonstrationen am ersten Mai“, erklärt der Verbindungslehrer Markus Düll die Motivation der Schule. Düll hat gemeinsam mit der SMV das farbenfrohe Mal-Projekt ins Leben gerufen, die Umsetzung erfolgte äußerst kurzfristig. „Am Freitag kam die Idee auf, drei Tage später wurde sie realisiert“, sagt Elke Anselm begeistert.

Die Lehrerin betreut das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an der Realschule und hat sich für die Aktion der SMV eingesetzt. „Wir haben hier viele Kinder mit Migrationshintergrund, da liegt dieses Thema nahe“, informiert Anselm. Ihr Projekt fördere das aktive Vorgehen gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere gegen Rassismus.

„Wir sind gegen jegliche Art der Ausgrenzung.“
Viktor Meshko, Schüler

Natürlich gebe es an jeder Schule Mobbing, an der Richard-Rother-Realschule sei man im allgemeinen Umgang miteinander aber sehr tolerant. Das bestätigt auch Viktor Meshko, der seinen Teil der Kunstwerks mittlerweile fertiggemalt hat. „Wir sind gegen jegliche Art der Ausgrenzung“, sagt der Schüler und stellt sich gemeinsam mit seinen Klassenkameraden um das Kunstwerk herum. Verbindungslehrer Markus Düll hat mittlerweile ein Megafon in der Hand. „So eine Großaktion muss gut koordiniert werden“, erklärt Düll.

Das funktioniert erstaunlich gut. Innerhalb von zehn Minuten haben sich alle rund 600 Schüler um das Gemälde in einem Halbkreis versammelt. Auf Ansage des Verbindungslehrers wird still gestanden, gelächelt und gewinkt.

„Ich bin sehr stolz“, sagt Schülersprecher Ferhat Kokud. Der 17-Jährige hat die Aktion mitorganisiert und ist nach dem stundenlangen Malen von oben bis unten mit Kreide verschmiert. „Wir waren uns einig, dass vor den Naziaufmärschen am 1. Mai noch irgendetwas geschehen muss“, erzählt der Zehntklässler. Eine gemalte Demonstration der Weltoffenheit und Toleranz habe allen Mitgliedern der SMV gefallen. Damit habe man auf jeden Fall ein Zeichen gesetzt, ist Kokud überzeugt. Auch über den nächsten Regenschauer hinaus.