Laden...
Kitzingen

Familienstreit löst SEK-Einsatz aus

Aus dem Gericht: Die Eltern geraten sich mit der Tochter in die Haare – und plötzlich steht alles in Frage
Artikel drucken Artikel einbetten
Vor einigen Jahren überschrieben die Eltern das Haus auf ihre Tochter - inzwischen bereuen sie es und es gibt gerichtliche Auseinandersetzungen. Foto: Oliver Berg (dpa)

Es war ein spektakulärer Einsatz vor einem Jahr in Markt Einersheim und Dornheim. Die Polizei stellte mehrere  Handgranaten, Schuss- und andere Kriegswaffen sicher. Wenig später nahm ein Spezialeinsatzkommando (SEK) einen 67-jährigen Rentner als Eigentümer des Kriegsgeräts fest. Aufgeflogen war der Waffenfan nach einem  Familienstreit.

Der war Thema vor dem Amtsgericht. Die Waffen spielten nur eine Nebenrolle. Es ging um den Vorwurf der Körperverletzung und der Bedrohung. Richterin Patricia Finkenberger stellte nach einer kurzen Verhandlung das Verfahren gegen einen 24-Jährigen ein. Vom Tisch ist die Geschichte damit noch nicht.

Zum Hintergrund: Das Rentnerehepaar lebte zusammen mit der Tochter in einem Haus. Als der Vater ein Pflegefall wurde, überschrieben die Eltern das Haus auf ihre Tochter und ließen sich ein lebenslanges Wohnrecht garantieren. Zunächst ging alles  gut. "Alles war harmonisch" sagte die Tochter als Zeugin.

Das änderte sich, als der 24-jährige Freund bei der Tochter mit ins Haus einzog. Dann kippte die Stimmung. "Man konnte kein normales Leben führen", fasste der 24-Jährige die gemeinsamen Monate zusammen. Keine Chance auf Privatsphäre. Beleidigungen und Bedrohungen wurden zum Alltag.

Nur noch Streit

Die Eltern der Freundin, die meist im Süden lebten und nur gelegentlich im Haus wohnten, wollten den Mann aus der Wohnung werfen. Der weigerte sich gemeinsam mit der Tochter und Eigentümerin. "Ich hatte mit meiner Mutter nur noch Streit um das Haus", so die Tochter als Zeugin. Im Januar 2019 "ist das komplett eskaliert", sagte sie.

Zunächst verpasste der "hoch aggressive und impulsive Vater" dem ungeliebten Mitbewohner eine Backpfeife. Als er wenig später noch einmal auf ihn losging, schlug der zurück. Der Man fiel und verletzte sich. Dann kam auch noch die  Mutter dazu, die Rangelei ging weiter und auch die Mutter ging zu Boden. "Er hat sich nur gewehrt", sagte die Freundin. Die Polizei wurde gerufen. Das hatte Folgen.

Einmal erfuhr die Polizei bei der Gelegenheit wenig später  von den Waffen und setzte das SEK in Marsch. Dann gab es eine Anzeige gegen den 24-Jährigen wegen des Angriffs auf Vater und Mutter der Freundin. Die endete in einer Anklage wegen Körperverletzung und Bedrohung. Laut Anklage soll der junge Mann den Waffennarr ins Gesicht geschlagen und am Boden getreten haben. Dazu kamen massive Drohungen.

Nach den Zeugenaussagen  zeichnete sich aber die in Richtung Notwehr gehende Version der Tochter als eher wahrscheinlich ab. Folge: Die Richterin bat die "Robenträger" zum Gespräch. Ergebnis: Das Verfahren wird eingestellt, gegen die Zahlung von 200 Euro. Damit dürfte auch ein möglicher Strafbefehl oder ein Verfahren wegen des Angriffs auf die Mutter vom Tisch sein.

Strafrechtlich ist der Familienstreit erst mal aufgearbeitet.  Zivilrechtlich geht es weiter. Die Eltern wollen die Rückgabe des Hauses, "wegen groben Undanks", war in der Verhandlung zu hören. Die Tochter möchte das in einem Gütegerichtsverfahren lösen, kommt aber an die Unterlagen für das Haus nicht ran. Und offen ist zudem, was auf den Waffensammler zukommt. In der noch ausstehenden Verhandlung steht ein Verbrechen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz ebenso im Raum wie ein Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz und/oder gegen das Waffengesetz. Alles ausgelöst durch einen Familienstreit.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren