KITZINGEN/WÜRZBURG
PROZESS

Ex-Polizist aus Afghanistan drohte mit Brandstiftung

Ein 28-Jähriger hatte angekündigt, in Kitzingen und Würzburg Brände zu legen. Jetzt wurde er vom Gericht verurteilt, das vom respektlosem Auftreten mancher Zeugen schockiert war.
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Justitia (Symbolbild)
Justitia (Symbolbild) Foto: Peter Steffen (dpa)

Aus Verärgerung darüber, dass Polizeibeamte seine Personalien überprüfen wollten, hat ein Asylbewerber angekündigt, in Kitzingen und Würzburg Brände zu legen. Ein Schöffengericht in Würzburg verurteilte den 28-Jährigen jetzt wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten. Fünf davon hat er bereits in Untersuchungshaft abgesessen, der Rest wurde zur Bewährung ausgesetzt. Zu den Auflagen gehören 100 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Auffälliges Verhalten

Der Mann, der nach seinen Angaben in Afghanistan drei Jahre lang Polizist war, ist bei der Kontrolle vor der Unterkunft am Steigweg in Kitzingen durch aggressives Verhalten plus Alkoholfahne aufgefallen. Die Polizei war gegen 22 Uhr verständigt worden, dass eine Gruppe junger Männer im Stadtgebiet einen Altkleider-Container ausräumte, die Textilien musterte und dann auf der Straße liegen ließ. Da die Fluchtrichtung bekannt war, steuerte eine Streife die Unterkunft an und dort kam es zu dem unerfreulichen Dialog.

Nicht ernst gemeint

„Die Drohung ist natürlich nicht ernst gemeint gewesen“, erklärte Verteidiger Jan Paulsen für seinen Mandanten. Der habe nur seinem Ärger Luft machen wollen. Aber, so Oberstaatsanwalt Dieter Brunner, solche Äußerungen bewerte man inzwischen anders als vor zehn Jahren. Sie führen schneller zu einer Anklage und in die Untersuchungshaft.

Gefährlichen Körperverletzung

Angeklagt war der 28-Jährige auch wegen gefährlicher Körperverletzung: In der Küche der Unterkunft soll er einen älteren Landsmann krankenhausreif geschlagen und getreten haben, weil der immer wieder den hohen Alkoholkonsum des Angeklagten und dessen Freundes angesprochen habe. Bei einem Zwischenfall am Bleichwasen soll der Angeklagte zudem mit Begleitern eine drei-Mann-Gruppe von Kitzingern mit türkischen und kosovarischen Wurzeln ohne Anlass angegriffen und auch verletzt haben.

Aufklärung verweigert

Diese Fälle sind allerdings eingestellt worden, weil Zeugen ihre Mitwirkung am Aufklären der Straftaten weitgehend verweigerten. Bei der Bestrafungsaktion in der Küche sollen sich über zehn Hausbewohner dort aufgehalten haben: Es war Fastenmonat und sie bereiteten das Abendessen zu. Manche konnten sich zwar an eine Auseinandersetzung erinnern, „aber nur mit Worten“.

Einer sagte, er habe gerade sein Geschirr gespült und sich daher nicht dafür interessiert, was hinter ihm ablief. Ein anderer, der dabei gewesen sein soll, will zu der Zeit schon geschlafen haben.

Respektloses Auftreten

So kam es, dass der Vorsitzende Richter Dr. Frank Glöckner bei der Urteilsbegründung von einem zum Teil so bisher nicht erlebten „respektlosen Auftreten“ der Zeugen aus der Gemeinschaftsunterkunft sprach. Wenn er noch einmal eine Vorladung erhalte, werde er nicht kommen, hatte einer der Zeugen dem Gericht mit ausgestrecktem Zeigefinger angekündigt. Dass der Richter bei seiner Aussage wiederholt nachfragte, hatte ihm überhaupt nicht gefallen. Er sei nach Deutschland gekommen, so der Zeuge, um hier in Ruhe zu leben, und nicht, um sich hier bei Gericht Kopfschmerzen zu holen und sich durch Fragen Angst einjagen zu lassen. Er sei Muslim und lüge nicht.

Ein Wunsch am Ende

Dass er in Deutschland viel getrunken hat, gab der Angeklagte zu, legte aber Wert auf die Feststellung, dass er in Afghanistan keinen Tropfen Alkohol konsumierte habe und in den vergangenen fünf Monaten auch nicht. Das hat die Prozessbeteiligten aber auch nicht weiter beeindruckt, denn da saß er ja im Knast.

Der Vorsitzende Richter wünschte dem Angeklagten, dass er, wenn er jetzt wieder draußen ist und Alkohol trinken könnte, die Finger davon lässt.

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