ESCHERNDORF/VOLKACH

Escherndorfer Ortstreff auf wackligen Beinen

Es ist zwar nur ein grob zusammengezimmertes Phantomgerüst, hat aber am Dienstagabend rund 60 Escherndorfer in den Schatten der Pfarrkirche geführt: Das geplante Gemeindehaus, das viele Stadträte zum Ortstermin lockte, genießt offensichtlich großen Rückhalt. Ob das im Stadtrat auf offene Ohren trifft, ist dagegen fraglich.
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Ortstermin am geplanten Gemeindehaus: Neben dem Phantomgerüst für den geplanten Escherndorfer Ortstreff informierte Bürgermeister Peter Kornell rund 60 Bürger über das Vorhaben, das die Stadt rund 390 000 Euro kosten könnte. Foto: Foto: Harald Meyer

Es ist zwar nur ein grob zusammengezimmertes Phantomgerüst, hat aber am Dienstagabend rund 60 Escherndorfer in den Schatten der Pfarrkirche geführt: Das geplante Gemeindehaus, das viele Stadträte zum Ortstermin lockte, genießt offensichtlich großen Rückhalt. Ob das im Stadtrat auf offene Ohren trifft, ist dagegen fraglich. Der Bau inklusive neuem Dorfplatz kostet die Stadt nach einer Schätzung rund 390 000 Euro.

Ein Holzgerüst und Plastikplanen vor der Kirche rund um die Abrissgrube des alten Rathauses skizzieren das Projekt: Ein erhöhter Dorfplatz, unter dem auf einer Fläche von rund 150 Quadratmetern sich das geplante Gemeindezentrum duckt. „Der Platz wirkt wie ein Balkon in der Ortsmitte“, beschreibt Bürgermeister Peter Kornell das Vorhaben, dem er äußerst skeptisch gegenüber steht.

Grund des Widerstands sind die Kosten. Wenn Escherndorf nur einen neuen Dorfplatz kriegt, muss die Stadt 130 000 Euro in das Dorferneuerungsprojekt (mit abgehaktem Abriss des alten Rathauses) stecken. Den Rest des auf 440 000 Euro geschätzten Vorhabens übernähmen Kirche und das Amt für ländliche Entwicklung (220 000 Euro).

Unverständnis

Richtig teuer wird's, wenn das Gemeindehaus mit dem Platz kombiniert wird. Dann werden laut Kornell 780 000 Euro fällig – und Volkach müsste davon 390 000 Euro finanzieren. Für das Geld gibt's laut Architekt Roland Schicker ein Souterrainhaus mit Toiletten, Foyer und einem Versammlungsraum mit 48 Quadratmetern. Der hohe Preis für so wenig Raum stieß – hörbar – bei einigen Stadträten auf Unverständnis.

Um Zustimmung warb dagegen der Escherndorfer Stadtrat Herbert Römmelt. Aus seiner Sicht sei die Kostenfrage nicht entscheidend, sondern die Funktion des Hauses für die Dorfgemeinschaft. Ohne das Gebäude besitze der Ort keinen Raum mehr für Zusammenkünfte. Dass das Gebäude unterm Platz nicht jedem gefällt, weiß auch Römmelt. Allerdings sieht er die Stimmungslage wie Kollegin Katrin Blendel: „Die Mehrheit sagt nach wie vor, wir brauchen es.“

Dafür sind im Stadtrat mindestens elf Befürworter nötig. Zu denen gehört Bürgermeister Kornell nicht: „Ich werde nicht für so ein Gebäude stimmen“, sagt er – und erntet dafür kritische Blicke. Denen begegnet Kornell mit dem Hinweis auf die schrumpfende Bevölkerung im Ort und zu erwartende Leerstände. Es sei besser, in bestehende Gebäude zu investieren, als teuer neu zu bauen.

Ein Gegenargument ist für ihn auch der Vergleich der Ortsteile. In Astheim werde ebenfalls ein eigener Treffpunkt gewünscht, für den die Stadt dann – dem Gleichbehandlungsgrundsatz folgend – ebenfalls aufkommen müsste. Gegen das „Aufrechnen“ sprach sich Römmelt aus. Es gehe bei dem Bauprojekt um die Neubelebung von Escherndorf.

Die nimmt auf jeden Fall die Kirche in die Hand. Die Innenrenovierung des Gotteshauses werde noch in diesem Jahr beginnen, betonte Pfarrer Johannes Hofmann. 2013 sei die Außenrenovierung dran. Er appellierte am Ende des Ortstermins an das Engagement der Escherndorfer: „Überlegt selbst, was können wir denn machen. Wir wollen diesen Ortsteil voranbringen, dass auch die jungen Leute hier bleiben.“

Was im Ort kommt, wird laut Kornell in der nächsten oder übernächsten Stadtratssitzung entschieden. Und bis dahin sei wohl auch geklärt, ob die Diözese das Gesamtprojekt stärker unterstützt als bisher.

Die Diözese war ohnehin der Auslöser für die jetzt recht wacklige Situation der Gemeindehauspläne. Die waren eigentlich schon so gut wie abgehakt, bis die Kirche aus der Mitfinanzierung ausstieg und die Sakristei als Teil des Gebäudes zu den Akten legte.

Konsequenz war eine Steigerung des Kostenanteils der Stadt, der jetzt der aktuelle Knackpunkt ist.

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