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Es läuft

Wasser ist Lebenselixier. Und deshalb schützenswert. Regelmäßig werden Grund- und Trinkwasser analysiert. Die Ergebnisse geben keinen Grund zur Freude. Aber Trübsal blasen ist auch nicht angebracht.
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Kostbares Gut: Die Wasserqualität wird ständig überprüft, wie hier bei einer Grundwassermessung bei Gnötzheim. Foto: ARCHIVFoto: HELGA SCHNEIDEr
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Wasser ist Lebenselixier. Und deshalb schützenswert. Regelmäßig werden Grund- und Trinkwasser analysiert. Die Ergebnisse geben keinen Grund zur Freude. Aber Trübsal blasen ist auch nicht angebracht.

50 Milligramm pro Liter. Das ist der Grenzwert für Nitrat im Grund- und Trinkwasser. Wird er überschritten, darf es nicht als Trinkwasser abgegeben werden. Nitrate bestehen aus Stickstoff und Sauerstoff und kommen im Boden natürlicherweise vor. Nitrat wird aber auch zusätzlich in chemischen Dünger zugeführt, um die Ernte-Erträge zu verbessern. Giftig sind Nitrate nicht, aber die Vorstufe zum gesundheitsschädigenden Nitrit. Das gilt als krebserregend. Bei zu hohen Nitrat-Werten sind vor allem Säuglinge gefährdet. Es kann bei ihnen den Sauerstofftransport im Blut behindern.

Die schlechte Nachricht: Der Grenzwert wird in einigen Regionen Unterfrankens überschritten. Sowohl im Grundwasser, als auch im Rohwasser von Trinkwassergewinnungen: Die gute Nachricht: Das Wasser wird vor dem Genuss aufbereitet. Aus dem Wasserhahn kommt kein belastetes Wasser. Das bestätigt der Hygienekontrolleur am Gesundheitsamt in Kitzingen, Willi Weiß. „Wir haben seit ungefähr 20 Jahren eine stabile Qualität.“ Ende der 80er Jahre war das noch anders. Da gab es noch viele Brunnen im Landkreis Kitzingen, die mit sehr einfachen Methoden gebaut wurden. Das Motto lautete vielerorts: Hauptsache Wasser. „Die Versorgung ist viel besser geworden“, sagt Weiß. Kommunen haben neue Brunnen gebaut oder sich der Fernwasserversorgung Franken angeschlossen. Die erfreuliche Konsequenz: Bei keiner Trinkwasser-Kontrolle wurde der Nitrat-Grenzwert überschritten. Beim Grundwasser schaut das ein wenig anders aus.

311 Wasserversorger gibt es im Regierungsbezirk Unterfranken, knapp 900 Brunnen und Quellen. Etwa 13 Prozent des Rohwassers ist zu stark mit Nitrat belastet, wie Christian Guschker vom Sachgebiet Wasserwirtschaft an der Regierung von Unterfranken bestätigt. „Wir haben in Unterfranken ein Problem mit Nitrat“, sagt er. „Aber wir sind auf einem guten Weg.“ Die Statistik untermauert diese Aussage: Zur Jahrtausendwende betrug der Anteil des übermäßig belasteten Rohwassers noch 20 Prozent. Dennoch: Von 45 so genannten Grundwasserkörpern in Unterfranken sind 17 in einem „schlechten chemischen Zustand“, wie es Guschker formuliert. Verantwortlich dafür ist in erster Linie die Landwirtschaft. Geringe Niederschläge und damit fehlende „Verdünnung“ verschärfen die Problematik.

Jährlich fallen deutschlandweit Millionen Tonnen an Gülle und Kot an. Und die landen auf den Feldern. Zusammen mit den Gärresten aus den Biogasanlagen. Für die Pflanzen bedeutet das vielerorts zu viel an Stickstoff. Der Überschuss wird in Nitrat umgewandelt und sickert ins Grundwasser. In Unterfranken zum Teil fast ungefiltert, besteht der Boden doch in weiten Bereichen aus Karst- und Kluftgesteinen.

„Wir müssen darauf achten, dass unsere Pflanzen optimal mit den Nährstoffen versorgt werden“, sagt der Obmann des Bayerischen Bauernverbandes im Kreis Kitzingen, Alois Kraus. Gülle und Gärreste seien als Dünger besonders wertvoll, weil sie die Bodenstruktur verbessern und weil sich Mineraldünger einsparen ließen. Der Winterweizen müsse beispielsweise intensiv gedüngt werden. „Sonst nehmen uns die Mühlen das Getreide gar nicht ab.“

Dennoch: Die Landwirte im Kreis Kitzingen nehmen laut Kraus den Gewässerschutz ernst. Sie bauen vermehrt Dinkel statt Weizen an. Auch die Sonnenblumen sind gut für die Bilanz. Nach deren Ernte ist kaum noch Stickstoff im Erdreich. Nicht zuletzt kooperieren die Landwirte seit Jahren mit lokalen Wasserversorgern, wie zum Beispiel mit den Licht-, Kraft- und Wasserwerken.

„Das Grundwasser hat ein langes Gedächtnis“
Christian Guschker Regierung von Unterfranken

Deren Prokurist Roger Lindholz ist mit der Zusammenarbeit, die Mitte der 80er Jahre begann, sehr zufrieden. Neben zwei Informationsveranstaltungen pro Jahr besteht die Kooperation vor allem in Bodenproben. Die werden von der LKW bezahlt und liefern den Landwirten wichtige Erkenntnisse über ihre Bodenstruktur und damit über die notwendige Düngemenge. „Der Erfolg gibt uns recht“, bilanziert Lindholz. „Die Nitratwerte sind im Lauf der Jahre leicht gesunken.“

Das bestätigt Thomas Karl vom Amt für Landwirtschaft in Kitzingen. Viele Landwirte würden sich intensiv mit dem Gewässerschutz auseinandersetzen. Sie bauen Zwischenfrüchte wie Senf oder Leguminosen an, legen Pufferstreifen entlang von Gewässern an und lassen regelmäßig Bodenproben entnehmen. Dennoch: Wo die Standorte gut sind, beispielsweise im Gau, wird auch künftig die Gefährdung höher liegen. „Wir können nicht flächendeckend extensiv arbeiten, den Ackerbau stilllegen“, argumentiert Karl.

Demnach alles gut beim Trink- und Grundwasser im Landkreis Kitzingen? Christian Guschker mahnt: „Wir stecken mitten in einem Prozess und lernen immer etwas dazu. Aber das Grundwasser hat ein langes Gedächtnis. Beim Grundwasserschutz in Unterfranken gibt es trotz aller Erfolge noch viel zu tun.“

Definition: Das zu Trinkwasserzwecken gewonnene Wasser (in Bayern vor allem Grundwasser) wird als Rohwasser bezeichnet. Bevor es als Trinkwasser an den Endverbraucher abgegeben wird, kann es in seiner Beschaffenheit verändert worden sein. Beispielsweise durch Aufbereitung oder Mischung.

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