KITZINGEN

Es läuft richtig rund

Das hätte Heidi nie gedacht. Joggen? Die 65-Jährige schüttelt energisch den Kopf. „Das war überhaupt kein Thema.“ Die Mainsondheimerin hat nie großartig Sport getrieben. Bis vor acht Wochen. Da begann sie, mit elf weiteren Frauen ganz verschiedener Herkunft zweimal pro Woche zu laufen. Erst ganz langsam und mit vielen Pausen, inklusive Dehn- und Kräftigungsübungen. Mittlerweile hält Heidi - wie alle anderen - locker einen 30-Minuten-Lauf durch. „Das geht toll! Ich bin richtig glücklich darüber.“ Heidi strahlt übers ganze Gesicht.
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Sie bewegen was: Heidi, Ismael, Kursleiterin Petra Hösch, Ismaels Mama Tabea, Nancy, Rosa, Sahar und Renate.
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Das hätte Heidi nie gedacht. Joggen? Die 65-Jährige schüttelt energisch den Kopf. „Das war überhaupt kein Thema.“ Die Mainsondheimerin hat nie großartig Sport getrieben. Bis vor acht Wochen. Da begann sie, mit elf weiteren Frauen ganz verschiedener Herkunft zweimal pro Woche zu laufen. Erst ganz langsam und mit vielen Pausen, inklusive Dehn- und Kräftigungsübungen. Mittlerweile hält Heidi - wie alle anderen - locker einen 30-Minuten-Lauf durch. „Das geht toll! Ich bin richtig glücklich darüber.“ Heidi strahlt übers ganze Gesicht.

Ihr Leben hat eine flotte Wendung genommen, als ihr ein Info-Blatt des Arbeitskreises Solidarität Kitzingen (AK SoliKi) in die Hände flatterte. „Komm wir gehen“, lautete die Überschrift für einen Kurs, von dem es hieß, dass man darin „laufend die eigenen Kräfte aktivieren“ werde. „Ich kannte die Kursleiterin und habe beschlossen, da mal mitzumachen“, erzählt Heidi und fügt hinzu: „Zum Glück!“ Denn durch den Lauftreff hat sie nicht nur physisch Bewegung in ihr Leben gebracht. „Es hat auch menschlich sehr viel gebracht.“ Heidi hat kulturübergreifende Beziehungen geknüpft, ja sogar Freundschaften geschlossen.

Die ersten Gruppentreffen verliefen noch „sehr ruhig“, erinnert sich Kursleiterin Petra Hösch, Diplom-Sozialpädagogin und Lauftherapeutin. Die Frauen aus Italien, Afghanistan, Papua-Neuguinea, aus dem Irak und aus dem Iran, aus Mittel- und Unterfranken brauchten ein bisschen Zeit zum gegenseitigen „Beschnuppern“. Doch ab dem vierten Treffen - Petra Hösch erinnert sich lachend daran - „gab's schon ein ziemliches Gequassel und Gelächter“.

Seit Anfang Juni treffen sich die 29- bis 65-Jährigen jeden Montag- und Donnerstagmorgen. Petra Hösch erklärt: „Wir gehen das ganz locker an und steigern uns langsam. So stellt sich schnell Erfolg ein, wenn man dranbleibt.“

„Rosa hat keine Bremsen“

Renate aus Fröhstockheim nickt. „Das überfordert einen nicht und man freut sich immer wieder aufs nächste Mal.“ In der Gruppe sei es viel leichter, sich zu motivieren, als alleine, findet die mehrfache Oma.

Manche seien so voller Tatendrang gewesen, dass man sie sogar bremsen musste. „Unsere Rosa ist ein italienischer Ferrari“, erzählt Heidi - und alle lachen. „Ja, Rosa hat keine Bremse!“, fügt Nancy grinsend hinzu. Petra Hösch habe es jedoch immer geschafft, dass die Gruppe das richtige Tempo fand.

Tabea aus Kitzingen formuliert es so: Statt Leistungsdruck habe es „eine Super-Anleitung von Petra Hösch“ gegeben. Und Sahar, die mit Kopftuch läuft, sagt strahlend: „Es macht sooooo viel Spaß!“

Die Frauen sind sich einig: Wenn am kommenden Montag die letzte Kursstunde zu Ende geht, soll ihr internationales Team weiterleben. Jetzt, wo sie einander gerade näher kennen gelernt haben - und schon in mehreren Sprachen das Zählen geübt haben -, wollen sie weder die sportliche noch die kulturelle Bereicherung ihres Lebens wieder aufgeben.

Für September haben sie daher schon ein Gartenfest geplant, bei dem besprochen wird, wie die Gruppe künftig geführt werden soll. Heidi gibt schon mal das Motto vor: „Wir wollen weiter was bewegen.“

Gemeinsam läuft's

Angebot: Der Arbeitskreis Solidarität Kitzingen (AK SoliKi) bietet heuer kostenlose interkulturelle Kurse verschiedener Art an, etwa den Lauftreff, Stadtführungen oder Koch-Workshops mit Kinderbetreuung. Infos: Petra Hösch, Diakonisches Werk (KASA), Tel. 09321/133816.

Team

Der AK wird getragen von Beratungsstellen der freien Wohlfahrtspflege (Kirchl. Allgemeine Sozialarbeit KASA, Beratungsstelle für seelische und soziale Gesundheit, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche & Erwachsene, Allg. Sozialer Beratungsdienst,evang. sowie kath. Beratungsstelle für Schwanbergschaftsfragen).

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