IPHOFEN

Es fühlt sich an wie eine kleine Krönung

Auszeichnungen sind sie mittlerweile gewöhnt. Und dennoch: Der Samstagabend war für Ernst Popp und seinen Bruder Johannes ein ganz besonderer Moment. Den Bayerischen Staatsehrenpreis bekommt man eben nicht alle Tage überreicht. „Das fühlt sich an wie eine kleine Krönung“, sagt Johannes Popp. Iphofen, Rödelseer Straße: Hier steht das Weingut Ernst Popp, hier arbeiten die Urenkel des Gründers zusammen mit ihrer Mutter Maria und drei Mitarbeitern an der Qualität ihrer Produkte. Das ständige Experimentieren und Ausprobieren ist ein Erfolgsgeheimnis der Iphöfer Familie. „Forscherdrang gehört zu diesem Berufsfeld einfach dazu“, erklärt der 33-jährige Johannes, der nach einer kaufmännischen Ausbildung in den Weinbau eingestiegen ist.
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Familienerfolg: Der Staatsehrenpreis für Weinbaubetriebe zwischen 15 und 50 Hektar ging an das Weingut Ernst Popp in Iphofen. Für den Erfolg verantwortlich sind die Brüder Johannes (links) und Ernst Popp sowie Mutter Maria; rechts Jagdhund Panja. Foto: Foto:Sibylle Rohr

Auszeichnungen sind sie mittlerweile gewöhnt. Und dennoch: Der Samstagabend war für Ernst Popp und seinen Bruder Johannes ein ganz besonderer Moment. Den Bayerischen Staatsehrenpreis bekommt man eben nicht alle Tage überreicht. „Das fühlt sich an wie eine kleine Krönung“, sagt Johannes Popp. Iphofen, Rödelseer Straße: Hier steht das Weingut Ernst Popp, hier arbeiten die Urenkel des Gründers zusammen mit ihrer Mutter Maria und drei Mitarbeitern an der Qualität ihrer Produkte. Das ständige Experimentieren und Ausprobieren ist ein Erfolgsgeheimnis der Iphöfer Familie. „Forscherdrang gehört zu diesem Berufsfeld einfach dazu“, erklärt der 33-jährige Johannes, der nach einer kaufmännischen Ausbildung in den Weinbau eingestiegen ist.

In Neuseeland absolvierte er ein mehrmonatiges Praktikum und studierte dann in Geisenheim „Internationale Weinwirtschaft.“ Sein Bruder Ernst hat ebenfalls in Geisenheim studiert, allerdings Weinbau- und Önologie. Seinen ein Jahr älteren Bruder bezeichnet Johannes scherzhaft als „Herrn der Weinberge“. Die Arbeit im Keller teilen sich die Brüder. Wobei: Ist die Ernte erst einmal eingebracht, ist die hauptsächliche Arbeit getan. „Im Weinberg entscheidet sich die Qualität eines Jahrgangs“, sagt Johannes Popp. „Im Keller lässt man den Dingen am besten freien Lauf.“

Der Familienerfolg basiert nicht nur auf einer fundierten Ausbildung und harter Arbeit, sondern auch auf intensiven Absprachen. Zwei Meister und ein Techniker gehören zum Betrieb. Sie bringen ihre Meinung ebenso ein wie Mutter Maria. „Bei uns wird öfters mal intensiv diskutiert“, sagt Johannes und muss schmunzeln. Die Meinungen sind durchaus kontrovers. Irgendwann ist aber eine Einigung erzielt – und das Ergebnis gibt den Popps Recht: Goldene Rebschere, Best of Gold, Auszeichnungen bei Wettbewerben in Wien, Berlin und Canberra, der beste deutsche Riesling 2014. Dazu lobende Anerkennungen in Fachzeitschriften. „Die Kunden registrieren das sehr wohl“, freut sich Mutter Maria. „Manche Weine sind dann ruckzuck ausverkauft.“

Rund 35 Hektar Weinfläche bewirtschaften die Popps. In Iphofen, Rödelsee und Ingolstadt. „Da staunen unsere Kunden nicht schlecht“, sagt Johannes Popp und muss lachen. Die wenigsten wissen, dass es auch in Mainfranken ein Ingolstadt gibt, nur wenige Kilometer von Nenzenheim entfernt.

Gute Lagen wie am Iphöfer Julius-Echter-Berg, alte Rebstöcke und ein relativ niedriger Ertrag: Drei Gründe, die für Johannes Popp neben der Experimentier- und Diskussionsfreude für den Erfolg des Familienunternehmens stehen. Das Mikroklima am Schwanberg begünstigt den Anbau des ansonsten so anspruchsvollen Rieslings, manche Silvanerbestände sind 40 Jahre und älter. Und der durchschnittliche Ertrag liegt bei 50 bis 70 Hektoliter pro Liter. „Gerade in den kühleren Jahren war das ein Erfolgsfaktor“, sagt der 33-Jährige. „Unsere Trauben waren trotz der ungünstigen Witterung hochreif.“

Aus jedem Jahrgang lernen die Brüder etwas dazu: 2014 das zeitgerechte Entblättern, in diesem Jahr das mengenmäßig richtige Bewässern. „Dieser Beruf wird nie langweilig“, freut sich Johannes Popp – und blickt optimistisch und tatendurstig in die Zukunft. Den Rotweinanteil, der aktuell bei rund 20 Prozent liegt, möchte er künftig ausbauen. Gerade die Burgundersorten liegen ihm am Herzen. Ansonsten gilt es, das erreichte Niveau zu halten und sich in Teilbereichen zu verbessern.

Der beste Zeitpunkt für die Ernte, die Art und Weise der Ernte, die optimale Ertragsregulierung: „Wir haben noch lange nicht ausgelernt“, sagt Johannes Popp. So gesehen dürfte der Bayerische Staatsehrenpreis noch längst nicht die letzte Auszeichnung für die Iphöfer Winzerfamilie gewesen sein.

Staatsehrenpreis

Den Staatsehrenpreis erhält jeweils der Betrieb, der in den vergangenen drei Jahren in seiner Betriebsgrößenklasse die beste Prämierungsquote erzielt hat und somit den höchsten Anteil

prämierter Weine an seiner Gesamtproduktion aufweisen kann.

Sieger 2015: Weingut Armin Heilmann aus Michelbach (Betriebsgröße bis zu fünf Hektar); Weingut A. & E. Rippstein aus Sand am Main (fünf bis 15 Hektar); Weingut Ernst Popp aus Iphofen (15 bis 50 Hektar) und das Weingut Bürgerspital zum Hl. Geist in Würzburg (über 50 Hektar).

Anstellungen: 2015 hatten sich 226 Weinbaubetriebe mit 2092 Weinen beteiligt – davon 480 Rotweine, was einer Quote von 22,9 Prozent entspricht. Der Silvaner ist nach wie vor die meist angestellte Rebsorte (503 Anstellungen), gefolgt von Riesling (251 Anstellungen) und Weißburgunder (185 Anstellungen). Bei den roten Rebsorten liegt Spätburgunder (171 Anstellungen) vor Domina (149 Anstellungen).

Die Ehrenpreise zur Weinprämierung gingen alle in den Landkreis Kitzingen, Regierung von Unterfranken: Weingut Horst Sauer (Escherndorf); Bezirk Unterfranken: Rainer Sauer (Escherndorf); Weinbruderschaft Franken: Arthur & Daniel Then (Sommerach); Weinbauverband: Winzergemeinschaft Franken (GWF/Repperndorf); Landkreispreis: Clemens Fröhlich (Escherndorf).

„Forscherdrang gehört zu diesem Berufsfeld einfach dazu.“
Johannes Popp Winzer
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