HELLMITZHEIM

Es flutscht bei den Flummis

Man würde es als Erwachsener natürlich ganz anders sagen, politisch korrekter. Aber als Kind wird man wohl noch reden und singen dürfen, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Also: „Bin nicht mehr dumm wie das bunte Huhn auf dem Feld und verdien 'nen Haufen Geld.&
Artikel drucken Artikel einbetten
Musikalische Gemeinschaft: Den Kinderchor in Hellmitzheim gibt es – in wechselnden Besetzungen – seit zehn Jahren. Foto: Foto: Eike Lenz

Man würde es als Erwachsener natürlich ganz anders sagen, politisch korrekter. Aber als Kind wird man wohl noch reden und singen dürfen, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Also: „Bin nicht mehr dumm wie das bunte Huhn auf dem Feld und verdien 'nen Haufen Geld.“ Wobei: Ganz so überzeugend kommt das alles noch nicht. „Wenn ihr von einem Haufen Geld sprechen würdet, würdet ihr euren Mund viiiel weiter aufmachen“, ruft Angelika Dornberger. Und so heben der Junge und die elf Mädchen, besser bekannt als musikalische Flummis, erneut die Stimme. Bis zur großen Geburtstagsrevue des Hellmitzheimer Kinderchores an diesem Sonntag in Iphofen soll alles passen.

Als Angelika Dornberger und Steffi Götz vor zehn Jahren zur Singstunde ins Gemeindehaus luden, standen da plötzlich 28 Kinder. Die Geburtsstunde der Flummis. Götz war damals mit ihrer Familie nach Franken gezogen, die drei Kinder hatten in ihrer norddeutschen Heimat im Kinderchor gesungen. „Das hat mir hier furchtbar gefehlt, also habe ich herumgefragt.“ Es dauerte nicht lange, da traf sie Angelika Dornberger, studierte Kirchenmusikerin und staatlich geprüfte Musiklehrerin. „Zu zweit“, sagt Dornberger, „tut man sich leichter.“ Von nun an hatte Hellmitzheim einen Kinderchor, der mit Begeisterung bei der Sache war.

„Wenn die Flummis kommen, hockt die Bude voll.“
Chorleiterinnen Steffi Götz und Angelika Dornberger

„Mehr Stimme!“, ruft Dornberger an diesem Novemberabend in einen Raum, in dem das ganze Jahr die Sonne von einem leicht bewölkten Himmel scheint; jedenfalls vermittelt das die bunte Dekoration, die an der Decke hängt. Einmal wöchentlich, immer donnerstags, ist Chorabend. Ein Dutzend Kinder – sechs bis vierzehn Jahre alt – kommt dann ins Gemeindehaus, mitunter auch aus umliegenden Dörfern. Das nächste Lied verrät viel über das Selbstverständnis dieser rührigen Gruppe. „Wir sind ein kleiner Chor mit tollen Stimmen.“ Steffi Götz und Angelika Dornberger würden dies sofort unterschreiben. Doch bis zur großen Gala bedarf es noch einiger Übung.

Der Auftritt vor großem Publikum in der Iphöfer Karl-Knauf-Halle ist inzwischen fast schon Routine für den Chor. Anfangs sangen die Kinder in der Dorfkirche oder gaben eine kleine Einlage beim Gemeindefest. Zwei Jahre nach der Gründung folgte das „erste richtige Konzert“, wie Götz erzählt: an Weihnachten 2007 im Festsaal des Knauf-Museums. „Eine Stunde haben die Kinder gestanden und gesungen.“ Ein Jahr später führte der Chor ein erstes kleineres Musical auf.

Die Kinder hatten so viel Spaß daran, dass die Sache ein Jahr später wiederholt wurde – und im Jahr darauf erneut. Sie inszenierten den Turmbau zu Babel, die Vogelhochzeit oder den Regenbogenfisch, dramaturgisch bearbeitet von Götz, vertont von Dornberger mit Liedtexten von der Mainbernheimerin Angelika Sander. Zehn Musicals sind auf diese Art schon entstanden. Sogar die Kostüme wurden selbst genäht.

„Wir wollten keinen steifen Chor haben, der immer bloß irgendwo herumsteht und singt“, sagt Götz. Also übten die beiden Frauen mit den Kindern auch Tänze oder Theaterstücke ein. Immer wurden die Kinder in die Projekte eingebunden, und die Eltern standen hinter dem, was ihre Kinder machten. „Sonst hätte es über all die Jahre nicht funktioniert“, sagt Dornberger. Wohin sich die Flummis entwickeln werden, ist offen. Götz sagt: „Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Wir machen es, solange die Kinder Spaß haben.“ Und Dornberger fügt hinzu: „Wir sind mit den Kindern gewachsen.“ Nachwuchsprobleme hat es nie gegeben, aber mit wachsendem Alter der Kinder merkt man, dass sie heute viel stärker gefordert sind als früher. Manche kommen direkt vom Nachmittagsunterricht zur Chorprobe ins Gemeindehaus.

Vielleicht, sagt Steffi Götz, müsse man sich künftig verstärkt auf einzelne Projekte konzentrieren statt auf regelmäßige Veranstaltungen. Erst einmal wird an diesem Sonntag (15 Uhr) aber Geburtstag gefeiert. Musikalisch und spielerisch blicken die Kinder in der Iphöfer Karl-Knauf-Halle auf die vergangenen zehn Jahre zurück. Eins hat sich in all der Zeit nicht geändert: Der Chor mit den bunten Stimmen ist im 330-Seelen-Dorf Hellmitzheim so populär wie eh und je. „Wenn die Flummis kommen“,sagen Steffi Götz und Angelika Dornberger, „hockt die Bude voll.“

Am Sonntag, 15. November, singen die Flummis um 15 Uhr in der Karl-Knauf-Halle in Iphofen.

Kommentare (0)

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.