WÜRZBURG/KITZINGEN

Erpresser drohten massiv

Zwei Männer, 23 und 47 Jahre alt, sind wegen schwerer räuberischer Erpressung vor dem Hintergrund von Menschenhandel und Zwangsprostitution in Würzburg angeklagt.
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justice Foto: liveostockimages (iStockphoto)

Freiheitsstrafen von höchstens acht und sechs Jahren hat eine Große Strafkammer des Landgerichts Würzburg nach zwei Verhandlungstagen zwei rumänischen Staatsangehörigen für den Fall zugesichert, dass sie doch noch ein glaubwürdiges Geständnis ablegen. Wenn nicht, kann auch mehr „herauskommen“. Die beiden Männer, 23 und 47 Jahre alt, sind wegen schwerer räuberischer Erpressung vor dem Hintergrund von Menschenhandel und Zwangsprostitution angeklagt. Einer hat an den ersten zwei Verhandlungstagen zur Sache überhaupt nichts ausgesagt, der andere sprach von einem Missverständnis.

Laut Anklage haben die Männer an einem Sonntag im März, sie kamen mit Fahrer aus Frankfurt, eine Frau (28) im Landkreis Kitzingen aufgesucht, von ihr 5000 Euro verlangt und wiederholt damit gedroht, dass sie sonst der acht Jahre alten Tochter die Ohren und einige Finger abschneiden würden. Die beiden haben bis zum nächsten Verhandlungstag am 26. November Zeit, in ihren Zellen über das Angebot der Richter nachzudenken. Der Angeklagte, der am Tatort das Kind festgehalten und mit einem Messer „gespielt“ haben soll, hatte in Rumänien zuletzt eine Freiheitsstrafe von über zehn Jahren für Raub, Vergewaltigung und Körperverletzung verbüßt.

Die Frau, die 5000 Euro zahlen sollte, kannte die beiden Männer – Landsleute – nicht, wusste aber, wofür sie zahlen soll: Die Forderung stand im Zusammenhang mit Menschenhandel und war eine Art Abstandszahlung für Aussteiger. Den Auftraggeber des Inkasso-Einsatzes kannte sie, denn der hatte ihr in Rumänien einen guten Job in Deutschland versprochen.

Am Tatort hat der „Wortführer“ sehr viel telefoniert: Nach der Auswertung des Handy-Verkehrs durch Techniker der Polizei stellte sich später heraus, dass er unter anderem eine Nummer in Dublin (Irland) wählte, die einem Rumänen gehörte.

„Von Bedrohung keine Spur, nur eine kleine Diskussion.“
Einer der Angeklagten zum Richter

Der wollte wissen, wie die Sache läuft. Als er hörte, dass die Frau keine 5000 Euro zahlen kann, ließ er sich laut Anklage das Opfer geben und drohte damit, dass die Männer dann eben wiederkommen würden. Gegen den Mann wird derzeit wegen Menschenhandels ermittelt. Über den Ablauf der Aktion hat sich, live vom Tatort, auch ein weiterer Rumäne berichten lassen, der nach den Ermittlungen der Polizei von Frankfurt aus Mitglieder einer Bande einsetzte.

Der Mann, der im Landkreis Kitzingen die Tochter des Opfers mit einem Messer bedroht haben soll, war erst wenige Tage vorher bei der Frankfurter Polizei wegen eines Gelddiebstahls erkennungsdienstlich behandelt worden und bereits einen Tag nach dem Erpressungsfall schon wieder wegen eines Diebstahls in anderer Sache festgenommen worden. Seine DNA-Spur fand man am Tatort an einer Saftflasche.

Für die Fahrt von Frankfurt in eine Gemeinde im Landkreis Kitzingen hatte der Mann eine Erklärung: Er habe die junge Frau vor Jahren in Rumänien kennengelernt, habe ihr 750 Euro geliehen und da sie ihm das Geld nicht zurückgegeben hatte, habe er es sich holen wollen. „Von Bedrohung keine Spur, nur eine kleine Diskussion“, sagte er. Und als Beweis seiner Friedfertigkeit schilderte er, dass auf dem Küchentisch des Opfers ein Messer lag. Da habe er zu seinem Kumpel gesagt, er soll das Messer entfernen, „nicht dass da noch etwas passiert“.

Mit 282 Euro statt der erhofften 5000 Euro sollen die Angeklagten die Wohnung verlassen und versprochen haben, wiederzukommen: Mehr als 82 Euro hatte die Frau nicht im Haus, 200 Euro hatte sie sich von einem Verwandten geliehen.

Der zweite Mann sagte bisher überhaupt nichts zur Sache aus. Den habe er, so sein Komplize, nur mitgenommen für die Unterhaltung unterwegs im Auto. Der, so der Angeklagte, sei ein richtiger Spaßmacher, wo der ist, werde immer viel gelacht. Der Prozess wird am 26. November fortgesetzt.

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