Das waren noch Zeiten, als beim Sportverein Willanzheim (SVW) der Vereinsbeitrag bei 20 Pfennig im Monat stand. Das war 1932. Heute zahlen die Mitglieder 42 Euro jährlich und der Verein kann sein 80-jähriges Bestehen feiern, offiziell mit einem Ehrenabend an diesem Samstag im Sportheim.

Auf Initiative von Franz Brühl wurde der Verein als Sportclub Willanzheim gegründet. Davon zeugen Mitgliedskarten aus der Vorkriegszeit. Erster Vorsitzender in der Vereinsgeschichte war Albin Ganz. Im Jahr 1934 organisierten die Willanzheimer ihr erstes Sportfest und es gab auch die ersten Theateraufführungen der Laienspielgruppe. Im gleichen Jahr stellte die Gemeinde einen Sportplatz zur Verfügung und die Fußballer jagten dem runden Leder hinterher.

„Wir waren ein Jahr lang jeden Samstag auf der Sportplatz-Baustelle eingespannt.“

Hans Stöcker, Vorsitzender beim SV Willanzheim

Aufzeichnungen belegen, dass schon 1924 in Willanzheim Fußball gespielt wurde. Damals formierte sich eine Mannschaft unter dem Namen 1. FC Willanzheim. Nach den Kriegswirren schritten die Willanzheimer im Jahr 1946 zur Wiedergründung des Vereins und gaben ihm den Namen Sportverein. SV-Vorsitzender wurde Oskar Schiffmeyer.

Was heute undenkbar wäre: Damals schufteten die Fußballer lange Jahre bei der Getreide-Erntezeit beim Landwirt Albert Dorsch, der im Gegenzug sein Feld zur Verfügung stellte, damit die Fußballer ihr Spielfeld verlängern konnten.

1950 bekam der Sportverein eine weitere Abteilung dazu, als sich mit Michael Hein an der Spitze eine Gesangsgruppe formierte.

Einen weiteren Meilenstein setzten die Willanzheimer 1951, als die Fußballer sich den Meistertitel holten und in die damalige B-Klasse aufstiegen und sich die Mitglieder zudem anschickten, komplett in Eigenleistung eine der ersten Sporthallen im Landkreis zu errichten. „Ein Dorf darf stolz auf seine Leistung sein“, titelte diese Zeitung am 19. September 1952 nach der Einweihung des so genannten „Sportjugendheims“.

Ab 1953 gingen die Theaterabende im „Sportjugendheim“ über die Bühne, 1956 war der Bau komplett finanziert und der SVW hat erstmals die Schallmauer von 100 Mitgliedern gebrochen. Als nächstes Kind des Vereins kam im Jahr 1971 die Damen-Gymnastikgruppe hinzu. Später folgte eine Kinderturngruppe.

An den Sportanlagen und im Sportheim waren immer wieder Sanierungen und Erweiterungen nötig. So installierte der SV eine Flutlichtanlage.

Den sportlich größten Erfolg feierten die Fußballer 1981 mit dem Meistertitel in der B-Klasse und dem erstmaligen Aufstieg in die A-Klasse (heutige Kreisliga), passend zum 50-jährigen Vereinsjubiläum ein Jahr danach. Mitte der 90er-Jahre tat sich der Verein im Jugendbereich mit dem SV Hüttenheim in einer Jugend-Spielgemeinschaft zusammen und bis heute funktioniert die gemeinsame Nachwuchsarbeit.

Anfang des neuen Jahrtausends packten die Willanzheimer erneut engagiert an – und im Jahr 2005 konnten sie ihr neues Sportgelände oberhalb des Baugebiets Ebental einweihen. „Wir waren ein Jahr lang jeden Samstag auf der Sportplatz-Baustelle eingespannt“, berichtet Hans Stöcker, der seit 1985 an der Vereinsspitze steht.

Anschließend renovierte der SV die Sporthalle von Grund auf, sie erstrahlt seit 2008 in neuem Glanz. Rechtzeitig zum Jahr des 80-jährigen Bestehens setzten die Fußballer der Ersten Mannschaft einen weiteren Glanzpunkt: der SV hat sich in der Kreisklasse souverän durchgesetzt und feierte nach dem Titelgewinn im Mai im August die Kreisliga-Premiere.

An diesem Samstagabend, 30. September, blickt der SVW bei einem Ehrenabend auf 80 Vereinsjahre zurück und wird treue und engagierte Mitglieder ehren und die aktivsten zu Ehrenmitgliedern ernennen.