KITZINGEN

Erneuerung der Kreisstraßen: Eine Rechnung mit Unbekannten

Die Generalsanierung seiner Straßen wird für den Landkreis immer unkalkulierbarer – und im Zweifelsfall teurer.
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Straßenausbau
Straßenbau kann Probleme verursachen – der Landkreis Kitzingen hat gerade einige dieser Probleme zu bewerkstelligen. Foto: Foto: Stefan Sauer/dpa
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Bei der Generalsanierung seiner Kreisstraßen gerät der Landkreise zunehmend an seine Grenzen: Ausgebuchte Baufirmen, steigende Preise und Unabwägbarkeiten, was beispielsweise die Entsorgung der Altlasten anbelangt, machen die Planung zu einer Rechnung mit mehreren Unbekannten. Für den Landkreis besonders bitter: Während die lukrativen Großprojekte kostenmäßig noch einigermaßen normal über die Bühne gehen und bei den Planungen Vorrang haben, verteuern sich kleinere Ausbauten, wie sie bei den Kreisstraßen an der Tagesordnung sind, zusehens. Zudem kommt nicht zuletzt auch regelmäßig zu Verzögerungen.

Planung an Realität angepasst

Bei der jüngsten Sitzung des Kreistages im Kitzinger Landratsamt wurde einmal mehr deutlich, dass die Anforderungen an den Straßenbau enorm gestiegen sind. Weshalb sich in den Planungsunterlagen inzwischen gerade bei der Kostenplanung oft dieser eine Vermerk auftaucht: „Lässt sich nicht abschätzen.“

Wie schnell sich die Dinge verändert haben und welche Teuerungen da mitunter zu Buche schlagen, zeigte sich bei dem Maßnahmenplan für die Jahre 2019 bis 2022. Hier wurde versucht, die ursprüngliche Planung an die Realität anzupassen. Was zu Folge hatte, dass die Gesamtkosten mal eben um 15 Prozent angehoben werden mussten. Wobei auch das unter Vorbehalt steht: Die Kostenanhebung seit letztlich nur „eine Schätzung“, wie es in der Tischvorlage der Verwaltung heißt. Oder anders ausgedrückt: Es kann alles noch um einiges teurer werden.

Beispiel KT 15: Ein 1,5 Kilometer langes Teilstück vom Weingut Behringer bis zum Friedrichsberg. Dort wurde 1999 der Belag erneuert, jetzt muss generalsaniert werden. Der Abschnitt mit Hanglage hat Risse, die Tragfähigkeit ist nicht mehr gegeben. Der Ausbau läuft unter dem Vermerk „dringend“.

Verkehrszählung

Die Arbeiten müssen gemacht werden – unabhängig davon, dass die Straße wenig befahren ist: Gut 750 Fahrzeugen kommen in 24 Stunden zusammen, so zumindest das Ergebnis einer Zählung aus dem Jahr 2015. Ursprünglich sah die Planung hier Kosten von 1,9 Millionen Euro vor. Inzwischen geht man im Landratsamt von 3,3 Millionen Euro aus.

Bei der Maßnahme ist die Lage ganz besonders verzwickt. Neben Auflagen des Naturschutzes ist eine weitere Herausforderung, dass die Straße teilweise serpentinenartig entlang des Stickelsberges führt. Mit den Arbeiten soll im März begonnen werden, Ende des Jahres soll der Verkehr dann wieder rollen.

Immer teurer

Bei den weiteren Maßnahmen im kommenden Jahr sieht es in Sachen Kostensteigerung ähnlich aus: Für den Ersatzneubau eines Durchlasses an der KT 51 bei Reihweiler sind statt 300.000 jetzt 357.000 Euro veranschlagt. Beim Ausbau einer Teilstrecke der KT 8 in Buchbrunn ab kommenden März kommen zu den 200.000 Euro noch einmal 75.000 Euro dazu. Statt der ursprünglich insgesamt geplanten 2,2 Millionen werden somit im kommenden Jahr fast vier Millionen Euro fällig.

Der Blick in die darauf folgenden Jahre zeigt das gleiche Bild: Wenn 2020 die KT 18 zwischen der B 13 und Gnodstadt auf 1,2 Kilometer Länge ausgebaut wird, kostet das 1,9 Millionen Euro (geplant: 1,6 Millionen Euro). Der Ausbau der KT 38 innerhalb von Stadelschwarzach ist nunmehr mit 480.000 Euro veranschlagt (geplant: 300.000 Euro). Insgesamt werden 2020 dann 2,7 Millionen Euro ausgegeben (geplant: 2,3 Millionen Euro).

Für das Jahr 2021 stehen dann 2,1 Millionen Euro zur Verfügung. Den dicksten Brocken verschlingt die KT 9. Auf 1,4 Kilometer wird für 1,5 Millionen Euro eine Teilstrecke zwischen Kitzingen und Albertshofen erneuert. Für 600.000 Euro als erste Rate beginnen die Arbeiten auf der KT 12 auf 2,2 Kilometer zwischen Mainbernheim und Rödelsee. Genau dort gehen die Arbeiten dann 2022 weiter – dann stehen laut der aktuellen Planung gut drei Millionen Euro zur Verfügung.

Entsorgung ein Kapitel für sich

Immer mehr ins Blickfeld rückt bei den Straßenbaumaßnahmen auch die Entsorgung – längst ein Kapitel für sich. Die Auflagen bei Verwertung und Beseitigung steigen und steigen – und damit auch die Kosten. Der alte teerhaltige Asphalt beispielsweise muss thermisch behandelt werden. Und das funktioniert so: Für die Altlast wird zunächst ein gesonderter Lagerplatz von einer dafür zugelassenen Firma hergerichtet. Das gesammelte Material kommt schließlich auf ein Schiff und wird in die Niederlande gebracht. Wobei dieser Aufwand immer noch geringer ist als die Kosten für eine mögliche Aufbereitung, so die Ausführungen der Verwaltung.

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