OBERNBREIT

Erinnerungen an das Sängerhaus

Lesung mit Musik und Bildern
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Das Sängerhaus in Obernbreit Foto: Foto: Friedrich Heidecker

Mehr als vage ist die Erinnerung an Leopold und Rudolf Sänger unter den älteren Obernbreiter Bürgern. Ganz vergessen sind die Eigentümer des Textilgeschäftes Ecke Würzburger/Enheimer Straße, die 1942 deportiert wurden, aber nicht, heißt es in einer Pressemitteilung. Von ihrem Laden aus versorgten sie den Ort und weite Teile des Oberlandes bis nach Mittelfranken mit Stoffen und Kurzwaren.

Das wenige, das über Persönlichkeiten der Junggesellen bekannt ist, nutzt der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit unter dem Motto „Mehr als Schatten“ in einer Lesung mit Musik und Bildern, um an die letzten Vertreter der einst sehr wichtigen Rolle der jüdischen Gemeinde für die Wirtschaft Obernbreits zu erinnern. Termin ist am Freitag, 26. Januar, um 20 Uhr im Bürgersaale des Rathauses Obernbreit.

In dem Feature werden Episoden aus dem Leben der beiden Kaufleute in den historischen Zusammenhang gestellt: Die rechtliche Diskriminierung durch die NS-Rassegesetze, polizeiliche Schikanen und die Erinnerungslücken der Zeitgenossen zeigen das politische Klima in der Zeit, als der NS-Staat praktisch alle Gesellschaftsbereiche im Griff hatte.

Das Haus wurde verkauft, das Mobiliar peinlich genau registriert und versteigert. Beim Beschuss Obernbreits 1945 wurde es schwer beschädigt und blieb lange eine Ruine. 1952 schrieb der Marktbreiter Anzeiger über den Vorschlag in der Bürgerversammlung in Obernbreit: „Die Ruine des Sänger?schen Anwesens soll abgerissen und auf dem Platz ein modernes Geschäftshaus errichtet werden.“

Ein Jahr später berichtete die selbe Zeitung aus der jährlichen Bürgerversammlung den Wunsch: „Es wäre nunmehr an der Zeit, dass die Ruine des Sänger'schen Hauses am Marktplatz, ein Schandfleck des Ortes, endlich aus dem Dorfbild verschwinden würde.“

Erst 1956 meldete die Zeitung: „Am vergangenen Kirchweihsamstag konnte Bürgermeister Fritz Döller Richtfest seines neu errichteten Geschäftshauses feiern. Er hat [...] einen stattlichen Neubau erstehen lassen, durch den der Marktplatz das lang ersehnte Aussehen erhält. An der einen Hausecke ist der unter Denkmalschutz stehende Stein wieder angebracht worden [...], der beim Abbruch in Stücke ging.“

In dem Haus eröffnete ein Geschäft für Haushaltswaren, später wurde es ein Blumenladen mit Postagentur und jüngst wurde es in ein modernes Wohnhaus umgebaut. Die Kopie des Ecksteins mit der Inschrift: „1590 AM TAGE URBANI GING DAS WASSER BIS AN DIESES +“ an der Ecke zur Würzburger Straße erinnert noch an das alte „Sängerhaus“.

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