KITZINGEN

Erinnerung an die Zeit der Vertreibung

Die Reihen derer, die vor knapp 70 Jahren ihre Heimat in den ehemaligen deutschen Ostgebieten verlassen mussten, lichten sich. Obwohl in den vergangenen Jahren auch die Vereinigung Deutsche aus Rußland zum Bund der Vertriebenen (BdV) stieß, versammelten sich gerade einmal 40 Teilnehmer zum Totengedenken am Gedenkstein vor dem Alten Friedhof in Kitzingen.
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Totengedenken: Am Gedenkstein vor dem Alten Friedhof stellte der Kreisvorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Claus Lux, eine Blumenschale ab und gedachte der Opfer und Verstorbenen. Foto: Foto: Gerhard Bauer

Die Reihen derer, die vor knapp 70 Jahren ihre Heimat in den ehemaligen deutschen Ostgebieten verlassen mussten, lichten sich. Obwohl in den vergangenen Jahren auch die Vereinigung Deutsche aus Rußland zum Bund der Vertriebenen (BdV) stieß, versammelten sich gerade einmal 40 Teilnehmer zum Totengedenken am Gedenkstein vor dem Alten Friedhof in Kitzingen.

„Deutschland geht nicht ohne uns“, eröffnete der Kreisvorsitzende des BdV, Claus Lux, die Feierstunde im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes. „Durch Alter und Tod werden wir immer weniger“, beklagte er. Mit Christian Knauer war es ihm gelungen, den Landesvorsitzenden und stellvertretenden Bundesvorsitzenden des BdV als Festredner nach Kitzingen zu holen.

In der Öffentlichkeit sei Heimatbewusstsein immer belächelt worden, so Lux. Das habe sich geändert, denn die Jugend verlange nach Informationen über die Herkunft der Eltern und Großeltern. Mit Blick auf die Flüchtlingssituation im Nahen Osten bekannte Lux, dass die Vertriebenen das alles schon mitgemacht hätten.

„An schlimme und schlechte Zeiten muss erinnert werden, damit sie nicht in Vergessenheit geraten“, unterstrich stellvertretender Landrat Robert Finster. Das Jahresmotto erinnere die Vertriebenen an ihr Schicksal, das sie selbst in die Hand nahmen, die Deutschland mit aufbauten und in Städten und Dörfern eine neue Heimat fanden. Den Tag der Heimat bezeichnete Finster als Mahnung, sich mit der Geschichte auseinander zu setzen.

In einer leidenschaftlichen Festrede stellte Knauer fest, dass der Tag in diesem Jahr auf besonders tragische Weise jedermann deutlich mache, dass noch nie nach dem Zweiten Weltkrieg so viele Menschen auf der Flucht waren. Derzeit seien es weltweit rund 60 Millionen. Trotz dieser Zahlen könne sich kaum noch jemand vorstellen, was Vertreibung bedeutet.

Vertriebene, Aussiedler und Spätaussiedler hätten Deutschland nachhaltig verändert und auch den Landkreis wieder mitaufgebaut. Auch damals sei die Aufgabe, acht Millionen Flüchtlinge in der Bundesrepublik und vier Millionen in der damaligen sowjetischen Besatzungszone einzugliedern, schier unlösbar erschienen.

Heute würden Vertriebene wie in Ungarn mit offenen Armen empfangen, an ihrem erlittenen Schicksal werde öffentlich Anteil genommen und in einem landesweiten Gedenktag an die Opfer von Flucht und Vertreibung erinnert. Einen bundesweiten Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung hat die Bundesregierung ab 2015 eingeführt. Damit werde auch das wichtige Signal gesetzt, dass Vertreibung weltweit zu ächten sei und Menschenrechte unteilbar sind.

Der Festredner zeichnete Valentina Albert vom Verein Deutsche aus Rußland für Nachhilfe und das Angebot zur Eingliederung, Betreuung, Unterstützung und Begleitung für Aussiedler mit der silbernen Ehrennadel des BdV aus. Die Auszeichnung nahm ihr Bruder entgegen.

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