Kitzingen

Erbitterter Streit ums Erbe endet vor Strafrichterin

Aus dem Gericht: Enkel räumte die Konten der verstorbenen Oma widerrechtlich ab. Kitzinger Strafrichterin verhängt Bewährungsstrafe.
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Weil er eine Erbengemeinschaft prellen wollte, bekam ein 30-Jähriger am Kitzinger Amtsgericht eine Bewährung- und Geldstrafe. Foto: Christopher Schulz (dpa?

Die Familienverhältnisse sind - gelinde gesagt - äußerst kompliziert. Der 30-Jährige bezeichnet sich selbst als "Buhmann der Familie". Wobei er zu den zerrütteten Verhältnissen gar nichts kann: Er wuchs bei den Großeltern auf, Vater und Opa hatten miteinander gebrochen. Nach dem Tod des Großvaters blieb der junge Mann bei seiner Oma.

Besprochen war, so erzählt es der 30-Jährige dem Gericht, dass er eines Tages die Oma beerben wird. Nur: Ein Testament, in dem genau das auch festgehalten wurde, wurde nie gemacht. Als schließlich die Oma dement wurde, war es dazu auch zu spät. Der Enkel hatte zwar alle Vollmachten, was die Oma anbelangte - nur eben keinerlei schriftlichen Unterlagen, was das Erbe anbelangt. Was um so schlimmer war, als der Vater seinen Sohn inzwischen enterbt hatte.

Nach dem Tod der Oma im Frühjahr 2016 löste der Enkel deren Konten und das Sparbuch auf: Um die 21000 Euro ließ er sich auszahlen, weil es gefühlt ihm gehörte. Nur: Ohne Testament greift die gesetzliche Erbfolge. In diesem Fall hieß das: Den drei Kindern stand das Geld zu. Die Erbengemeinschaft bekam von dem Alleingang des Enkels Wind und es begann ein erbitterter Streit.

Gehaltspfändung

Zivilrechtlich ist die Sache inzwischen entschieden: Über eine Gehaltspfändung muss der 30-Jährige die 21000 Euro nach und nach monatlich abstottern. Um die 8000 Euro wurden auf diesem Weg bisher zurückgezahlt. Die strafrechtlichen Konsequenzen folgten nun auf dem Fuß: Wegen Unterschlagung musste sich der 30-Jährige vor der Kitzinger Strafrichterin verantworten.

Eine Verantwortung, mit der sich der Mann nicht einfach tut: Zu einem ersten Termin war er erst gar nicht erschienen, weshalb ihn im zweiten Anlauf die Polizei einkassierte und ins Gericht brachte. Dort ging die Verhandlung dann zügig über die Bühne. Das Abräumen der Konten wurde mit einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe geahndet, die zu einer zweijährigen Bewährungszeit ausgesetzt wurde. Außerdem muss der Angeklagte 500 Euro an einen Krankenhaus-Förderverein zahlen.

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