MAINSTOCKHEIM

Enthärtung macht Wasser teurer

Die Eigenwasserversorgung ist für Gemeinden unter Umständen teuer Angelegenheit. Das merkt Mainstockheim gerade. Es geht um die EU-Richtlinien für die Wasserhärte.
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Trinkwasser
Das Wasser im Hollstädter Netz wird bis auf Weiteres gechlort. Foto: Foto: Roland Weihrauch/dpa

Die Eigenwasserversorgung ist für Gemeinden unter Umständen eine teure Angelegenheit. Das merkt Mainstockheim gerade: Um die EU-Richtlinien für die Wasserhärte einhalten zu können, werden in den kommenden Jahren wohl rund 1,5 Millionen Euro an Investitionen nötig. In der Ratssitzung am Donnerstagabend informierte Sven Müller vom Planungsbüro Baurconsult über die Möglichkeiten der Sulfatreduzierung.

Schon in den vergangenen Jahren hat Mainstockheim viel Geld in die Eigenwasserversorgung investiert: Die Quellen, die zwar weiches, dafür aber nitratreiches Wasser lieferten, mussten aufgelassen werden, da sie nicht mehr dem technischen Stand entsprachen. Dafür wurde der Tiefenbrunnen saniert und ein weiterer gebohrt. Diese Brunnen liefern zwar nitratarmes, dafür aber sulfatreiches Wasser. Gesundheitlich gibt es so nun keine Bedenken mehr, aber das Sulfat führt zu einer einen hohe Wasserhärte, die in Mainstockheim bei rund 40 Grad deutscher Härte liegt.

Dies lässt beim beim Kochen aber Rohre und Haushaltsgeräte schnell verkalken. Die Folge: Viele Mainstockheimer Haushalte haben eine private Wasserenthärtungsanlage im Keller stehen. Nach den neuesten EU-Richtlinien darf Trinkwasser nur noch einen Sulfatgehalt von maximal 250 Milligramm pro Kubikmeter haben, Mainstockheimer Wasser erreicht fast das Doppelte. Zwar hat die Gemeinde eine befristete Ausnahmegenehmigung, die noch neun Jahre lang gilt – Handlungsbedarf ist aber trotzdem gegeben.

Und den möchte das beauftragte Ingenieurbüro mit einer Nanofilteranlage lösen. Dabei wird das Wasser aus den beiden Brunnen durch Filter gepresst, die sowohl das Sulfat, aber auch einen Teil des Kalziums und des Magnesiums aus dem Trinkwasser entfernen. Am Ende steht Trinkwasser mit einer Härte von von 12 bis 13 Grad. Von je zehn Litern gefiltertem Wasser werden bei der Filtration acht Liter dem Trinkwasser und zwei Liter mit hoch konzentriertem Sulfat dem Main zugeführt. Bedenken, dieses Wasser in den Fluss zu leiten, gibt es von Seiten der Techniker keine, da den zwei Litern pro Sekunde Einleitung ein Fließvolumen des Mains von rund 45 Kubikmetern pro Sekunde gegenüber stehen und Sulfat zudem ein natürlicher Stoff ist.

Die drei vorgestellten Varianten unterscheiden sich vor allem in ihrer Bauart und in der technischen Ausstattung. Während Variante 1 und 2 in den meisten Technikbereichen doppelt ausgestattet sind, also etwa zwei Filterstraßen, hat Variante 3 diese nur ein Mal. Das ist vor allem bei technischen Problemen und bei der Wartung problematisch, da die Vorschriften „redundante“ Anlagenteile fordern, also mindestens in zweifacher Ausführung.

Die Kosten für die ersten beiden Varianten, die sich nur in der Bauweise unterscheiden, belaufen sich je auf rund 1,5 Millionen Euro, Variante 3 kostet rund 1,2 Millionen Euro. Dazu kommen jährliche Betriebskosten von rund 44 000 Euro bei den ersten beiden und rund 37.500 Euro bei der dritten Variante, was bei gleichbleibendem Wasserverbrauch zu einer Erhöhung des Preises von rund 50 Cent pro Kubikmeter führen würde.

Dem stehen allerdings Vorteile gegenüber, denn zum einen werden die privaten Wasserenthärtungsanlagen überflüssig, die Belastung der Kläranlage dadurch wird reduziert, der Verbrauch von Waschmitteln sinkt und Rohre verkalken kaum noch.

Für die Räte war die Fülle der Information denn doch ein wenig groß, so dass sie am Ende lediglich einer Übernahme der Varianten 1 und 2 für weitere Behördengespräche zustimmten. Die weiteren Schritte, wie etwa eine Festlegung auf ein Haushaltsjahr für den Bau der Anlage und mögliche Finanzierungslösungen wurden zurückgestellt.

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