Kitzingen
Gericht

Entfesselt in der Klinik

Im Alkoholrausch hat ein junger Mann in einer Würzburger Klinik mehrere Personen verletzt und beleidigt. Vor dem Richter kann er sich nicht erinnern, die Zeugen schon.
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Symbolbild
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Ein Jahr absolutes Alkoholverbot und Freizeitarrest. So lautet das Urteil gegen einen 18-jährigen Schüler. Im Alkoholrausch hatte er in Würzburg drei Krankenpfleger leicht verletzt sowie Krankenhauspersonal und herbeigerufene Polizei massiv beschimpft.

"Es waren nur zehn bis dreizehn Bier, eigentlich gar nicht so viel", meinte er vor Gericht.Viel weniger sei es gewesen, als er sonst am Wochenende trinkt, wenn er mit seinen Freunden feiern geht. Jetzt stand der 18-Jährige wegen mehrfacher Körperverletzung und Beleidigung vor dem Kitzinger Amtsgericht. Erinnern kann er sich an den Vorfall nicht mehr.

In einer Januarnacht diesen Jahres war der junge Mann in der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg im Eingangsbereich zusammengebrochen. Die herbeigeeilten Pfleger versuchten, den sichtlich Betrunkenen auf einer Liege zur Intensivstation zu bringen.
Auf dem Weg dorthin kam er jedoch wieder zu sich und begann wild um sich zu schlagen und das Krankenhauspersonal zu beleidigen. Die Pflegekräfte versuchten immer wieder, den jungen Mann zu beruhigen und ihm die Situation zu erklären. Dies war jedoch aussichtslos.

Immer wieder beschimpfte und schlug er die Pfleger. Die Folge: mehrere Kratzer und eine Zerrung. Da die Lage nicht unter Kontrolle zu bringen war, wurde die Würzburger Polizei zur Verstärkung gerufen.

Einer der Polizeibeamten, der als Zeuge vor Gericht geladen war, berichtete, dass der Angeklagte in derselben Nacht bereits vor einer Diskothek auffällig geworden war. Auch die Versuche der Polizisten, den Betrunkenen zur Vernunft zu bringen, zeigten keinerlei Wirkung. Unter massiver Gegenwehr und wüsten Beschimpfungen wurde er von den Polizeibeamten schließlich gefesselt und in Gewahrsam genommen.

"Alkohol hat hier sicher eine Rolle gespielt, es war aber nicht so, als hätte er von der Sache nichts mitbekommen", sagte der Polizist aus. Sein Eindruck: Der junge Mann wollte sich in dieser Nacht prügeln.
Der Angeklagte hielt auch nach dieser Zeugenaussage daran fest, dass er sich an die Tatnacht nicht mehr erinnert. Sein Verhalten von damals könner er sich nicht erklären. "Ich schätze mich selber nicht als aggressiv ein, meine Art ist das sonst nicht".

Dem Schüler, der im September eine Dachdeckerausbildung beginnt, wird außerdem zur Last gelegt, zwei Monate nach dem Vorfall eine SMS an die Exfreundin eines Freundes geschickt zu haben, in der er sie als "Hure" bezeichnete. Durch eine Wiederholungsfunktion kam die Nachricht gleich einhundert Mal bei der Empfängerin an. Hierfür habe er sich jedoch schon mit einem Brief sowie persönlich entschuldigt und die Angelegenheit mit einer Schulsozialarbeiterin besprochen.

Der Angeklagte, der vor Gericht allein erschienen ist, antwortet meist einsilbig, als habe er der ganzen Angelegenheit nichts mehr hinzuzufügen. Auch die Ausführungen von Richter und Staatsanwaltschaft hört er sich ruhig an und nickte meist zustimmend. Dass er jetzt nichts mehr trinkt, das nahm ihm der Richter nach dieser Geschichte nicht wirklich ab. Seine Glaubwürdigkeit hat der Angeklagte auch deshalb eingebüßt, weil er innerhalb der letzten beiden Jahre bereits zweimal wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis verurteilt worden ist. Und trotzdem ist er so schnell wieder auffällig geworden.

"Das Problem ist nicht sein nüchterner Zustand. Unter Alkohol fallen die Hemmungen und er wird aggressiv." So beschrieb die Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe den ansonsten freundlich und höflichen, wenn auch etwas blauäugig und unreifen jungen Mann.

Die kommenden Erfahrungen bieten eine Chance, dass der junge Mann reift und künftig nicht mehr straffällig wird. Der Richter sprach ihn schuldig wegen fahrlässigem Vollrausch sowie Beleidigung. Er verhängte zwei Freizeitarreste gegen den Schüler. "Er soll lernen, dass es jetzt ernst ist und dass man mit Freiheitsentzug zu rechnen hat, wenn man eine Straftat begeht."

Da auch der Richter das Problem hauptsächlich im übermäßigen Alkoholkonsum sieht, wird dem Angeklagten zudem ein absolutes Alkoholverbot von einem Jahr auferlegt sowie drei Gespräche bei der Suchtberatung. Sollte er gegen diese Auflagen verstoßen, droht dem jungen Mann ein Arrest von bis zu vier Wochen.
Ilka Mann

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