„Alles rennet, rettet, flüchtet. Taghell ist die Nacht gelichtet. Durch der Hände lange Kette. Um die Wette fliegt der Eimer, hoch im Bogen, spritzen Quellen, Wasserwogen.“ Mit diesen Zeilen aus Friedrich Schillers Lied von der Glocke aus dem Jahr 1799 begann am Sonntag Feuerwehrreferentin Gertrud Schwab die Laudatio auf den Träger des Dr.-Erwin-Rumpel-Preises. Dies ist die Kitzinger Feuerwehr, die vor wenigen Tagen ihr 150-jähriges Bestehen feierte.

Der Preis wird seit 16 Jahren von der CSU-Stadtratsfraktion im Gedenken an den ehemaligen Kitzinger Oberbürgermeister Erwin Rumpel verliehen. Rund 80 Gäste, darunter als Ehrengäste Oberbürgermeister Siegfried Müller und der stellvertretende Landrat Paul Streng, waren zu der Veranstaltung in die Rathaushalle gekommen, die Ingrid Guckenberger, Anja Eckert und Jürgen Moser musikalisch begleiteten.

Vorbildfunktion

Schwab erinnerte in ihrer umfassenden Laudatio an die Entstehung der Kitzinger Feuerwehr im Jahr 1864 als der damalige Stadtmagistrat sich mit der Bitte um Gründung einer Wehr an die Turngemeinde Kitzingen (TGK) gewandt hatte und dort auf offene Ohren, ja sogar begeisterte Zustimmung gestoßen war. Die Kitzinger Wehr habe damals eine Vorbildfunktion für zahlreiche umliegende Gemeinden übernommen, die daraufhin nach und nach ebenfalls Feuerwehren gründeten, so Schwab.

„Die Kitzinger Feuerwehr wurde eine Erfolgsgeschichte“, so die Laudatorin, die in ihrer Rede auch an die dunklen Seiten der Geschichte erinnerte, als die Wehr im Dritten Reich dem Reichsinnenminister unterstellt und zur Feuerschutzpolizei umbenannt wurde. Schwab ließ die großen Kitzinger Katastrophen wie den Bombenangriff am 23. Februar 1945, den Rathausbrand 1984/85 oder den Brand des Fetzer Lagerhauses Revue passieren und erinnerte daran, dass die Wehr gemeinsam mit dem THW 1973 eine Umweltkatastrophe verhinderte, indem sie ausgelaufenes Kerosin auf dem Main kurzerhand abfackelte. Schwab erinnerte an die Brände der ehemaligen Gassner Brauerei, des Wittmann- und des Fessler-Gebäudes und die davon ausgehenden Gefahren für die eng bebaute Altstadt.

Auch die Ausstattung und zeitweise mangelhafte Unterbringung der Wehr waren Themen in Schwabs Rede. Dabei schlug sie den Bogen zum Namensgeber des Preises, Erwin Rumpel, in dessen Amtszeit als Oberbürgermeister der damals umstrittene Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses am Main fiel.

Führungsstarke Männer

Die Laudatorin ging auf das erschütternde Leid ein, mit dem die Mitglieder der Wehr bei ihrem Dienst konfrontiert werden und würdigte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der 2001 gegründeten Notfallseelsorge. Ebenfalls einen breiten Raum nahm in Schwabs Ausführung der Feuerwehrverein ein, der als private Vereinigung nicht nur für eine finanzielle Unterstützung sorgt, sondern gleichzeitig eine Art Familie für Jung und Alt und oftmals die Wiege für den Feuerwehrnachwuchs ist. Schwab erinnerte an die Belastung der Aktiven durch den Dienst und die ständige Einsatzbereitschaft, die sich auch auf deren Familien auswirke. Sie würdigte die Leistung und Führungsstärke von Männern wie Kommandant Markus Ungerer und dessen Vorgängern Engelbert Scherer und Rudolf Stöckinger, aber auch das Engagement der Vereinsvorsitzenden Carsten Lieb, Werner Grötsch, Joachim Somorowsky oder Karl-Dieter Fuchs.

In Würdigung der langjährigen Verdienste der Wehr wolle die CSU-Fraktion diese heute mit dem Dr.-Erwin-Rumpel-Gedächtnispreis auszeichnen, sagte Schwab. Den Preis nahm stellvertretend für seine Mannschaft Kommandant Markus Ungerer gemeinsam mit seinen beiden Vorgängern und dem Vorsitzenden Carsten Lieb entgegen. Es sei ihm eine große Ehre, den Preis im Namen der Wehr entgegenzunehmen, zumal die Feuerwehr sehr viel mit dem ehemaligen OB Rumpel verbinde, dem sie das heutige Feuerwehrhaus zu verdanken habe.